Donnerstag, 31. März 2011

Die Erle / Alder im Keltischen Baumkreis

Laut Robert Graves soll der Kalender auf dem der Keltische Baumkreis begründet ist, an die 5000 Jahre alt sein. Nach Graves` Rekonstruktion herrscht die Erle (Alnus) über den Zeitraum vom 18. März bis zum 14. April. Ihr Name im Ogam Alphabet ist Fearn, die zugehörigen Buchstaben F und V.



Wir können uns nur schwer vorstellen, welchen Reim sich die Menschen vor tausenden Jahren zu verschiedenen Aspekten ihres Lebens gemacht haben. So wie wir leben, in den Städten weitgehend von der Natur abgekoppelt, können wir kaum nachempfinden, welche Ängste das Denken unserer Ahnen bestimmt und warum sie an Geister und Elfen geglaubt haben. Mit der Erle begegnen wir nun ehemals finsteren Welten.



Heute fürchtet sich wohl kaum jemand noch vor Sümpfen oder davor, im Moor der weißen Frau oder Hexen zu begegnen, getötet und als ein Anderer wieder lebendig gemacht zu werden. Wir fühlen das Unheimliche in einem Erlenbruch nicht mehr, wir nehmen höchstens seine Erscheinung gemäß der herrschenden Jahreszeit wahr. Für uns ist die Natur weitgehend unbeseelt.Wir stehen ihr oft merkwürdig neutral, auch distanziert gegenüber.

Die Erle wächst bevorzugt auf staunassen, nährstoffreichen Standorten. Mithilfe eines Bakteriums, das in ihren Wurzelknöllchen symbiotisch lebt, bindet sie Stickstoff aus der Luft und kann damit im Wasser stehend auch länger anhaltendes Hochwasser überleben. Sie befestigt mit ihren tiefreichenden Wurzeln das Ufer von Bachläufen, kein Sturm kann sie entwurzeln, so gut verankert ist sie. Unter Wasser ist Erlenholz konkurrenzlos langlebig, gerade auch als Totholz, sodass Erlenstämme seit alters her für die im Wasser benötigten Stützen von Pfahlbauten verwendet wurden.

Aus den verschiedenen Bestandteilen, wie der Rinde oder den Blättern wurde schwarze und braune Farbe gewonnen. Das Holz eignet sich gut zum beizen, polieren und lackieren und wird deshalb gerne, auch weil es sehr leicht ist, als Furnierholz verwendet.

Der morastige Erlenbruch war immer ein unheimlicher Ort, den man nach Möglichkeit mied. In der Vorstellung der Menschen diente er als großer Kessel für die Totengöttin. Im Moor waren die Opferstätten zu finden. Da wurde Leben beendet und auch wieder geboren. Große transformatorische Kräfte waren hier am Werk. In den sumpfigen Gründen, wo nur mehr Erlen wachsen konnten war das Reich der Weißen Göttin in ihrem verwandelnden Aspekt. Die einfache Landbevölkerung wusste tausende Geschichten aus diesen unheimlichen Landschaften zu erzählen. Da gab es Irrlichter, die gruselige Schauer über den Rücken jagten. Das Zuhause der Geister von Selbstmördern und Ertrunkenen, das auch nach dem einfachen Wanderer griff und ihn nie mehr losließ. Ein großer Teil Irlands ist von Hochmoor, feuchten Gründen entlang von Gewässern und Seen bedeckt, kein Wunder, dass auch die Sagenwelt mit Erzählungen aus diesen Landschaften durchtränkt war.

Unsere Ahnen waren sich der unbezähmbaren Macht der Natur bewusst und versuchten mit Ritualen, Beschwörungen und Opfern die Naturgewalten positiv zu stimmen. Auch wenn das nicht immer gelingen mochte, hatten sie doch Respekt vor der Macht der Elemente, sich darüber zu stellen, kam einem Frevel gleich.

Die Erle wurzelt auch an steilen Böschungen


Wie wir wissen, hat sich das mit der Moderne gründlich geändert. Respekt und Mäßigung den Ressourcen und der Erde gegenüber sind keine Werte mehr. Wir haben uns über ihre Gesetze gestellt und bilden uns ein, große Kräfte beherrschen zu können.

In diesen Tagen, beinahe zeitgleich mit der Herrschaft der Erle wird uns durch  das Erdbeben in Japan und die Katastrophe im Atommeiler Fukushima einmal mehr kollektiv und machtvoll vor Augen geführt, wo unsere Grenzen liegen.

Den Winter über bleiben die verholzten Fruchtzapfen auf den Zweigen hängen, die männlichen Kätzchen stehen schon für das Frühjahr bereit.


Der Glaube an die zerstörerische Macht der Weißen Göttin diente unseren Ahnen als Projektionsfläche für die unbeherrschbaren Kräfte der Natur. Das zu verdrängen, die Achtung vor der Größe, Stärke und Schönheit unserer Mutter Erde zu verlieren, kann uns Menschen in die Irre führen, wie denjenigen, der den Irrlichtern im Moor folgt und darin verloren geht. 
Es ist hoch an der Zeit, uns wieder in Liebe der Erde zuzuwenden, sie als nährende Mutter anzuerkennen. Nicht aus Angst, sondern in dem Bewusstsein, mit unserem Körper immer mit ihr verbunden zu sein.

Gut verwurzelt zeigt die Erle, dass es in der Natur viele Möglichkeiten gibt. Angepasst und stark hat sie ihre Nische gefunden und bietet einen Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Auch von diesem heiligen Baum der Kelten können wir viel lernen.

Diese Serie zum Keltischen Baumkreis erscheint auch im Irlandblog von Markus Bäuchle: Berichte von der Insel. Fast täglich. Der Journalist und Wanderer schreibt über Irland. Über aktuelle Ereignisse, interessante Hintergründe und Irland als Urlaubsland - und - er bietet auch  mehrmals jährlich Wanderwochen an.  Hier könnt ihr mehr über meine Erlebnisse dazu lesen. Selbstverständlich findet ihr alle Info dazu auf Markus´Blog. 


Kommentare:

  1. Liebe Elisabeth,

    ein super Post ist das wieder. Toll zusammengestellte Bilder und ein sehr interessanter Text. Man kann eine Menge bei Dir lernen - danke dafür!

    Liebe Grüße
    Jutta

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  2. Wirklich ein toller und informativer Bericht!

    lg kathrin

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  3. Wieder einmal ein schöner Baum-Artikel. Elisabeth. Interessant, was du alles so ausgräbst zu diesen mächtigen Gefährten. In der Nachbarschaft stehen bei uns auch einige Erlen an einem Graben, die ich immer bewundere mit ihren Früchten und Blüten. Jetzt weiß ich mehr über sie und werde sie grüßen, wenn ich an ihnen vorbeiradele.
    LG Heidi

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