Montag, 15. Dezember 2014

Das Ding mit der Weihnachtsfreude / 3

"Ich bin heuer noch gar nicht in Weihnachtstimmung, obwohl es nicht mehr lange bis dahin ist" . Oft höre ich diesen Satz, in meinem persönlichen Umfeld und auch über die Medien. Viele führen ihre fehlende Einstimmung auf das Fest der Liebe, des Friedens und der Freude auf das Wetter zurück. "Es ist zu warm, es schneit nicht, die Weihnachtsmärkte sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren..." 
Ich kratze etwas an der Oberfläche und habe das Gefühl, dass die Ursachen viel tiefer liegen.



Die Euphorie nach der Jahrtausendwende, wir kämen mit dem Beginn des Einundzwanzigsten Jahrhunderts in eine weltweit weit entwickelte solidarische, einer positiven Zukunft zusteuernden Weltgemeinschaft ein großes Stück näher, weicht nicht erst seit September 2001 einer ungläubigen Gewissheit, dass alles ganz anders läuft. Wir verlieren gerade im fast vergangenen Jahr 2014 massiv an Vertrauen in alles was die Welt am Laufen hält. In der Wirtschaft, im Finanzwesen, in der Politik, im Gesundheitswesen, in der Ernährung, überall sehen wir in immer neu aufbrechenden Skandalen, Kriegen und Verlust von Freiheit, Selbstbestimmung und Arbeit, dass wir weit weg davon sind bestehende Probleme gelöst zu haben, im Gegenteil. Sich diesen Wahrheiten zu stellen ist nicht leicht. Alle möglichen Strategien werden angewendet, um nicht hinschauen zu müssen: Verleugnung, Erstarren, das eigene Kleine zu retten versuchen, sich einreden, dass alles ja gar nicht so schlimm sein kann.



Bevor ihr hier, meine Lieben zusammenbrecht oder abschaltet oder auch nur fragt, was das alles mit *kleine freude* zu tun hat, gebe ich Entwarnung. Es geht nicht darum, sich niederdrücken zu lassen oder zu verzweifeln. Ich denke aber, es ist wichtig die Dinge nicht kleinzureden und sich der Notwendigkeit zu öffnen, dass sich Vieles verändern muss. UM BESSER ZU WERDEN. Damit wir ein glückliches, solidarisches, liebevolles Miteinander schaffen können, muss vorher beendet werden, was unsere Welt ausblutet und kaputtmacht.

Ich glaube, wir alle spüren diese Notwendigkeit zu einer Umkehr im Denken und Handeln. Was uns Angst macht und zögern lässt, ist wahrscheinlich die gefühlte gewaltige Größe dieser Notwendigkeit. Menschen haben aus vielerlei Gründen Angst vor Veränderung, besonders wir hier in den so genannten reichen Ländern Europas. Wir könnten ja etwas verlieren, woran wir uns schon so gewöhnt haben.



Ob wir uns fürchten oder nicht, wenn sich etwas überlebt hat, stirbt es sowieso. Wenn die Zeit reif ist, geschehen Veränderungen, Umwälzungen und der Boden für etwas Neues formt sich. Wir stehen an einer solchen Wende in der Entwicklung der Menschheit. Die Zeichen sind unmissverständlich da, unser tiefgreifender Vertrauensverlust in herrschende Systeme zeigt das deutlich.  
Wollen und können wir uns eine bessere Welt vorstellen? Das wäre der erste Schritt. Danach käme die innere Bereitschaft, alte gewalttätige Strukturen zu verabschieden und bereit zu sein für das Neue, bevor wir dann beginnen können es zu bauen.

Indem wir den inneren Wandel zulassen, erlauben wir unserer äußeren Wirklichkeit sich zu wandeln. Wir stellen uns nicht gegen notwendige Veränderungen und gehen vertrauensvoll in eine zwar ungewisse, aber hoffentlich bessere und friedlichere Zukunft, als Menschheit auf unserer wunderbaren Erde.



Ein ernster Post heute, ich habe lange gezögert, diese Gedanken auszudrücken. Wer will das schon in der kekserlpunschundchristbaumkugelseligen Zeit hören oder lesen! Und doch ist es das, was mich beschäftigt, was ich sehe. Weit weg von pessimistischem Denken, drückt es im Gegenteil meinen Wunsch für tiefen und nachhaltigen Frieden aus, nicht nur für die Weihnachtszeit. 
Es gibt den Spruch: Friede, Freude, Eierkuchen. Er beschreibt das Falsche im Verharren auf der Oberfläche, unter der die Monster auf ihren Auftritt lauern. Ich wünsche uns allen echten Frieden, echte tiefgreifende Freude. Wir erkennen es an einem alles durchdringenden Gefühl von Dankbarkeit. Dann spielt das Wetter keine Rolle mehr für die richtige Weihnachtstimmung.

In diesem Sinne: Lasst uns abwägen, was wichtig ist, alles andere sein lassen und die letzten Tage vor dem Fest mit unseren Mitteln mit Liebe und Frieden füllen....

Die früheren Folgen dieser Serie findet ihr in Beiträgen des Dezember 2014.


  
  



Mittwoch, 10. Dezember 2014

Ein zartes Grad

Dass es festgehalten ist: In der Nacht vom 9. auf den 10. Dezember hatten wir das erste Mal in diesem Herbst Reif auf der Wiese, also knapp unter Null, von Nachtfrost zu sprechen wäre fast ein bisschen zu großspurig, es gab nur ein zartes Grad Minus.
Meine Dahlie sah gestern noch prall und saftig aus, sie ist die Zeigerpflanze für Nachtfrost, ihres Zeichens äußerst empfindlich. Heute hat es sie oberiridsch ereilt, den Knollen in der Erde macht das noch gar nichts. Ich denke darüber nach, sie einfach draußen zu lassen und die Erde über den Knollen nur abzudecken, wenn der kommende Winter wieder so mild werden sollte wie der letzte, könnte sie gleich im Frühjahr durchstarten. Alles reine Spekulation natürlich. Wobei: Eliane hat vor einer Woche Störche in München fotografiert, auch bei uns im Burgenland bleiben manche Exemplare dieser Zugvögel vor Ort. Kann man das als Zeichen für einen nicht so strengen kommenden Winter sehen? Wer kann das schon sicher sagen. 



Die Erdbeere wird wohl nicht mehr reifen, aber die Blüten haben bis jetzt erfreut und die eine oder andere Frucht ist auch bis Ende November noch reif geworden!



Dieses Jahr im Frühjahr gepflanzt: Eine Zaubernuss. Die erste Blüte beginnt sich jetzt schon zu öffnen.



Mein Rosmarin vor der Haustüre blüht jetzt! Das hat er um diese Jahreszeit noch nie gemacht, erst im März dann oder gar nicht, weil ihn der Frost vorher schon dahingerafft hatte. Ein mediterranes Gewächs, das von milden Wintern profitiert, aber jetzt schon Blüten, das ist doch für unsere Breiten außergewöhnlich. 
Normalerweise haben wir die ersten leichten Nachtfröste um etwa Mitte Oktober. Da der letzte Winter sehr mild und der letzte Frost sehr zeitig, also nicht etwa wie oft noch im April, einen frühen Frühlingsstart ermöglichte, hatten wir 2014 ein extrem langes Vegetationsjahr, das es so noch nicht gegeben hat seit die Wetterdaten regelmäßig aufgezeichnet werden. Wir leben in besonderen Zeiten.



Ich kann nicht verhehlen, dass mir solch ein Winterbeginn gefällt. Die dunklen Nachmittage und Abende mit Tee und Kerzenschein nach der Arbeit tun gut, weil wir wissen: In zwei Wochen werden die Tage schon wieder länger und außerdem blüht ja der Rosmarin....


  

Freitag, 5. Dezember 2014

Das Ding mit der Weihnachtsfreude / 2

Als Kind und Jugendliche hatte ich das Gefühl von Fließen oft. Ein innerer Zustand, in dem man sich "selbstvergessen in einer Tätigkeit verliert". Indem ich diesen Satz niederschreibe, entdecke ich das Paradoxon, wie man etwa darüber denkt, wenn jemand ganz mit sich selbst verbunden etwas aus sich heraus ausdrückt. In die reale Welt übersetzt, was bis dahin nur im Inneren als Potential existierte. Selbstvergessen meinte da eigentlich in "Einklang mit sich selbst". "Sich verlieren" folgerichtig "ganz bei sich selbst" sein. Im psychologischen Fachjargon spricht man von "Flow".



In unserer westlichen Welt fehlt es dramatisch an Flowerfahrungen. Wir begeben uns in beruflich und privat allzu gerne auf vorgegebene Pfade. Bequem und lösungsorientiert funktionieren wir, unterscheiden uns in der Wahl zwischen angesagten Trends. Kugeln oder Strohsterne als Weihnachtsdeko, oder hüpfende Hirsche auf dem Fensterbrett? Alles schön und wunderbar, aber ist es das, was uns erfüllt, was unser Herz singen lässt, uns Freudentränen in die Augen treibt?
Verklärende Geschichten aus den Hungerjahren, wo man Tannenbäume aus dem Wald holte und ein paar Socken geschenkt wurden und alle angeblich so glücklich waren bringen uns auch nicht weiter. Wir leben dazu auch in einer Zeit, wo das vergleichen und sich auf Trends einstimmen immer schwerer funktioniert, die Halbwertszeiten davon, was man tun muss um dazuzugehören, takten exponentiell.



Es geht gar nicht mehr um Entschleunigung, damit ist es nicht getan. Es geht auch nicht darum, sich technologischen Entwicklungen zu verweigern oder an einem bestimmten Punkt des gesellschaftlichen Lebens die Stoptaste zu drücken. Es geht vielmehr darum, den Anteil an Fremdbestimmtheit zu erkennen und loszulassen, soviel gerade möglich ist. Menschen, die mehr als fünfzigprozentig in einem "Ich muss - Modus" unterwegs sind, laufen an sich selbst vorbei, innen drin nagt ein ständiges Gefühl der Leere. Damit man dieses nagen nicht so spürt lenkt man sich ab, Möglichkeiten dazu gibt es ohne Ende. Sich da rauszunehmen ist nicht einfach, aber sehr sehr lohnenswert. 




Schritt für Schritt zurück dorthin, wo die Freude wohnt. Was macht mich glücklich, mit welcher Tätigkeit spüre ich tiefe Befriedigung und sinnerfülltes Tun? Ganz für mich allein? Ganz aus mir selbst heraus? Das sind Fragen, die es sich lohnt zu stellen.



Mich brachte einer meiner Söhne mit diesem Gefühl des Fließens wieder in Berührung, nachdem ich es im jungen Erwachsenenalter fast verloren hatte. Er konnte sich als Kind hingebungsvoll mit etwas beschäftigen und dabei alles rundherum ausblenden. Ich selbst kam nur langsam wieder in Berührung mit dieser Qualität des Seins und damit mit einem tiefen Aspekt der Freude.

Das ist es was ich uns wünsche. Für die Weihnachtszeit und weit darüber hinaus.
Wieviel besser wäre unsere Welt, wenn mehr Menschen kreativ ausdrückten, was ihnen aus ihrem Innersten heraus Freude macht.



Samstag, 29. November 2014

Das Ding mit der Weihnachtsfreude / 1

Die vielzitierten Kinderaugen. Wir warten auf den Zauber des Festes, mit und ohne Kinder, hoffen dass er sich einstellt und bis dahin tun und tun und tun wir, was man an Vorbereitungen tun muss. Soll ja schließlich ein schönes Fest werden!

Bis dahin alles was dazugehört erledigen Geschenke aber gute sinnvolle und passende bedenken und besorgen Kekse backen zu Weihnachtsfeiern gehen für das Fest einkaufen und kochen die alte Nachbarin besuchen einen Adventkranz binden zu Wohltätigkeitsveranstaltungen gehen spenden am guten Gewissen arbeiten hab ich auch niemanden vergessen wenigstens vor Weihnachten alles gut und richtig machen ein guter Mensch sein dazu auch noch stille sein die Kerzen anzünden etwas tun um der Hektik Herr zu werden das Adventkonzert besuchen wo Freunde mitsingen Punsch trinken wegen der Wohltätigkeit alle Termine koordinieren ins Altersheim und der normalen Arbeit nach gehen überall lange Schlangen am Postamt in den Geschäften kein freier Parkplatz kreisen bis man einen findet kein Ausweg nur ja nichts gegen Weihnachten sagen ist ja so schön das Fest der Liebe und Freude wir alle miteinander verbunden ein Zeichen der Zusammengehörigkeit und die leuchtenden Kinderaugen die vielen gestressten und abgehetzten Gesichter auf den Straßen hoffentlich kann man das untauschen wenn es nicht passt ausblenden alle freuen sich doch auf Weihnachten und schneien soll es auch.



Ich habe vor mehreren Jahren die Fahrtrichtung geändert, was schwer war, einfach viel Gegenverkehr, zunächst. Die Freude war mir gänzlich abhanden gekommen für dieses Fest und damit die Dankbarkeit. Ich versuchte die Freude an Weihnachten wiederzufinden, mein eigenes Staunen und meine Vorfreude. Nicht die oberflächliche Freude, jö schau, welch netter Christbaumschmuck, das holen wir uns für unseren Aufputz und auf diesen und jenen Weihnachtsmarkt müssen wir noch gehen, da ist die Stimmung und wenn nicht, dann beim Weihnachtssingen. Ich brauchte Zeit...

Ich bin wählerisch geworden, mit wem ich meine Zeit verbringe, womit ich mich beschäftige. Eine Frage des Alters? Ich weiß es nicht. Ich lerne langsam mir die Freude zurückzuholen, indem ich bewusst wähle. Menschen, Orte, Gedanken. In kleinen Zeitnischen des Alleinseins kommt Ruhe und Klarheit. Und Freude, die von innen wächst. Besonders in diesen Tagen bis zur Sonnenwende, wo sich alles Erleben zu verdichten scheint. 

 
Hier gehts zu Adventgeschichten aus den letzten Jahren zum nachlesen   
  


Freitag, 21. November 2014

Bunte Freude zum Jahresausklang

Mein diesjähriges Jahresprojekt ist fertig! Große Freude. Eigentlich schon die ganze Zeit über, weil ja das Tun am meisten Spaß macht. Wenn das Ergebnis dann auch freut, umso besser. Ich liebe es meine Hände zu bewegen und dabei zu plaudern oder zu hören oder nachzudenken. Mit den Händen nicht nur beruflich zu arbeiten. Es ist entspannend, gleichzeitig auf eine angenehme Art anregend und bringt die Aufmerksamkeit in die Gegenwart, Masche für Masche. Wer gerne handarbeitet weiß, wie meditativ das sein kann.



Die Farbenwahl spiegelt den Beginn der Arbeit wider, eine ganzes Sommerblumenbeet ist darin versammelt, wie gut das jetzt tut! Im Frühjahr begonnen, im Sommer ausgiebig geruht, im Herbst fertiggestellt.



Hier ein paar Eindrücke vom Entstehungsprozess. Die Farbkombinationen musste ich systematisch wählen, wenn ich keine zwei gleichen haben wollte. Bei 300 ganzen und 52 halben Blumen hätte ich sonst den Überblick verloren. Die Kreise so zu ordnen, dass keine gleichen nebeneinander zu liegen kommen, aber doch kleine Schwerpunkte entstehen war in diesem Projekt die größte Herausforderung. Mit der dritten Farbe wurden schon alle Kreise verbunden, hier habe ich dann nur mehr helle Farben verwendet, um mehr Leichtigkeit hineinzubringen. Bis zum Schluss war nicht klar, ob ich mit dem Gesamteindruck zufrieden sein würde. Ich hatte natürlich eine gewisse Vorstellung davon, wie es mir gefallen würde, aber wenig Erfahrung damit. Was eigentlich nicht stimmt, denn wer Farben mag und einen guten Farbsinn hat kann darauf vertrauen, dass es klappen würde. Das weiß ich jetzt, zu Beginn war es nicht so klar. 



Hier nochmal das fertige Stück, die Kamera war mit der Farbdifferenzierung überfordert, aber der Gesamteindruck stimmt.



Für mein neues nostalgisch-romantische Schlafzimmer mag ich die Decke sehr, sie ist für diesen niedrigen Polsterstuhl geplant gewesen. Das Bett ist noch nicht übersiedelt, die richtig "wichtige" Einrichtung schon am Platz. Das hier ist die weibliche Seite, der Mann an meiner Seite hat einen  "gstandenen" Wäscheschrank aus Eiche stehen, damit die Blumenwiese auch einen erdigen Widerpart hat und er sich auch richtig zu hause fühlen kann.



Hier der Link zu meiner Inspirationsquelle. Ich hatte das Buch ursprünglich gekauft, weil es Unmengen schöner Fotos und sehr unterschiedliche Handarbeitstechniken beinhaltet und hatte gar nicht vor etwas daraus selbst zu machen, bis mich die Lust und Neugierde packte. Alles in Allem ist diese Decke einfach zu machen, nur im dritten Schritt, beim verbinden der Kreise ein bisschen mühsam, aber auch nur, wenn die Reihenfolge der Kreise festgelegt ist. Das Um und Auf für dieses Modell ist die Farbwahl, da sollte man sich ganz sicher sein, bevor man beginnt. Die Kreise bestehen aus Doppelstäbchen und Luftmaschen, die mit einer Bogenkante aus festen Maschen und Luftmaschen vollendet werden. Interessant fand ich, dass auch Farbkombinationen, die ich nicht gewählt hätte sich in der Zusammenschau gut einfügen. Bei dieser Arbeit habe viel über Farbharmonien gelernt, beim tun und schauen. Für jede Stimmung wächst hier eine eigene Blume und jedes Mal, wenn ich draufschaue gefällt mir eine andere Kombination am besten. 


Montag, 17. November 2014

Manchmal pieksts

Hier nun ein paar Eindrücke vom Desert Botanical Garden im Großraum Phoenix/Arizona. Zum Vergleich: Geografischer Breitengrad etwa der Norden von Ägypten. Auch hier steht die Sonne im Oktober tief und die späten Nachmittagsstunden lassen uns leider viel zu wenig Zeit. Als Entschädigung bekommen wir von einem erhöhten Standpunkt das Spektakel eines kleinräumigen Monsunregens in der Nähe zu sehen. Böiger Wind wirbelt den feinen roten Sand durch die Luft, von den Strahlen der untergehenden Sonne beleuchtet, bevor die Regenwand dunkelgrauviolette Akzente setzt. Ein Himmelsspektakel das auch bald wieder abgeklungen ist.



Der Teddybear Cholla (Opuntia bigelovii) hat es mir besonders angetan. Ich bin ja ein haptischer Typ, muss alles angreifen, um es näher kennenzulernen. Meine Arbeit, meine Hobbys, ohne meine Hände wäre mein Leben trostlos, ich muss alles fühlen. So zerreibe ich immer wieder mal Blätter oder Früchte zwischen meinen Fingern oder streichle über Blätter und Baumrinden. Die Familie der Chollakakteen, die hier auch wild wachsen lehrt mich Ehrfurcht und Behutsamkeit. Ganz sanftes Berühren geht ja immer.
 

Besonders interessant der Fishhock Barrel Cactus (Ferocactus wislizeni). Wenn man an den starkgebogenen großen Stacheln zupft, fühlt es sich an wie eine Maultrommel. Im übernächsten Bild sind diese Stacheln mit einer Blüte zu sehen. Ja, einige Blüten gab es auch jetzt noch, obwohl die Blütezeit lange vorbei ist.




Hier eine äußerst dekorative Feigenkaktusart (Opuntia stenopetala), deren Stacheln im Gegenlicht der untergehenden Sonne besonders schön leuchteten.




Und nochmal eine Chollakaktusart, auch mit rötlichen Stacheln.



Viele Agavenarten, Aloearten, noch mehr Kakteenarten, für diese Region typische Bäume und Sträucher, Heilpflanzen finden herrlich zusammengestellt Platz in diesem für uns so exotisch anmutenden Botanischen Garten. Für einen Besuch sollte man sich Zeit nehmen, wenn man sich in der Region aufhält. Schönste Zeit wäre vermutlich April und Mai, wenn sich die wunderschönen Blüten der Kakteen öffnen. In der Seiteleiste rechts ist ein Fotoblog (Phoenix Daily Photo) verlinkt, Sharon Anck postet immer wieder Fotos von diesem Garten.

Orgelpfeifenkaktus (Stenocereus thurberi) in nächsten Foto.



Skulpturen und stimmungsvolle Beleuchtung begleiten uns auf unseren Rückweg, den wir viel zu schnell antreten müssen. Die Dämmerung dauert hier nicht lange, im Nu ist es dunkel.



Das Bewusstsein für die Einzigartigkeit einer Region hat in den USA eine lange Tradition und es finden und fanden sich immer wieder Menschen, die Geld und persönlichen Einsatz investieren, um Fauna und Flora zu schützen und zu erhalten.


Zum Schluss noch einmal ein kleiner Blick auf einen Grünstreifen am Fahrbahnrand in Schottsdale, denn Kakteen und Agaven wachsen hier überall, ob wild oder gepflanzt, sie scheinen sich sehr wohl zu fühlen. Bei genauerem Hinsehen ist eine Knospe im Vordergrund zu erkennen. Auf der anderen Seite öffnet sich gerade eine große Blüte.




Ich wills ja nicht übertreiben, Fotos hätte ich noch viele im Archiv, eine kleine feine Auswahl hat es bis hierher geschafft, für eine kleine Freude eben.

Kakteen passen thematisch gut in den November, einem Monat, in dem wir immer wieder aufgerufen sind loszulassen. Was es im einzelnen ist, zeigt uns das Leben, indem es uns manchmal pieckst und nicht zuletzt die Natur in unseren Breiten hier in Mitteleuropa. Wir verabschieden uns von der Fülle der Farben draußen und sehen im besten Fall auf das Wesentliche. Dafür sollten wir uns jetzt Zeit nehmen! Auch die wunderbaren Blüten der Kakteen mahnen immer wieder ans Abschied nehmen, sie sind nur für eine kurze Zeit geöffnet und verblühen rasch, als würden sie uns daran erinnern wollen, dass nichts ewig wärt. Hier auf der Erde.


   



Montag, 10. November 2014

In den Himmel wachsen

Dem lateinischen Namen nach sind es Riesenkerzen (Carnegiera gigantea), im Englischen heißen sie Saguaros (sa-wahr-o gesprochen). Diese beeindruckende Säulenkakteenart wächst ausschließlich in einem kleinen begrenzten Gebiet im südlichen Arizona und angrenzenden Mexico in der Sonora Wüste. Keine eigentlich echte Wüste, sondern eher eine Buschsteppe mit geringer, aber eindrücklicher Artenvielfalt. 

Bevor ich in einem eigenen Post einen Rundgang durch den Desert Botanical Garden von Phoenix mache, soll diese besondere Kaktusart ihren ganz eigenen Auftritt bekommen. Auf Berghängen und neben den Highways stehen die Saguaros, weithin sichtbar, sind streng geschützt und dürfen nicht ausgegraben oder verpflanzt werden. In öffentlichen Raum der Städte schmücken sie dennoch die Streifen zwischen den Fahrbahnen und unzählige Vorgärten, sie sind omnipräsent.



                                       Abendstimmung im Desert Botanical Garden Phoenix, Arizona


                       Eine Hauptstraße in Schottsdale im Großraum von Phoenix



So sieht die Landschaft aus, wenn man von Phoenix Richtung Norden fährt, ein Wald an Saguaros links und rechts der Fahrbahn, so wachsen sie also in "freier Wildbahn".  Faszinierend insofern, da diese Giganten sehr sehr langsam wachsen und etwa 20! Jahre brauchen, bis sie daumengroß geworden sind. Erstaunlich, dass es trotzdem so viele schaffen durchzukommen. Die ersten Arme bilden sich erst ab einem Alter von mindestens 70 Jahren und die ersten Blüten erscheinen ab dem 40 Lebensjahr. Soweit ein paar Zahlen, die allerdings zeigen, wie empfindlich diese Pflanzenart sein kann, wenn ihr Lebensraum nicht geschützt ist!




Heiß geliebt sind sie ganz offensichtlich, fast möchte ich sagen, wie die Autos und Straßen hier. Unten im Bild ein Beispiel von einer neu ausgebauten Interstate bei Phoenix. So sieht es aus, wenn die Saguaros verpflanzt werden. Man kommt hier nirgends vorbei, ohne stattliche Exemplare zu sehen. Dabei ist das Verpflanzen ohne behördliche Genehmigung bei hoher Strafe verboten, nicht jedes Exemplar überlebt den Standortwechsel. Der Saguaro ist als Art gefährdet, trotzdem er als Nationalsymbol für Arizona hier allgegenwärtig erscheint.




Heraus aus der Stadt und hinein in die "Wüste". Ein paar Schritte von der Straße weg und schon steht der erste Riese vor uns, einer der hier keimen und ungestört aufwachsen konnte. Er könnte zwischen 150 und 200 Jahren alt sein und etwa 7m hoch gewachsen sein, wie der Größenvergleich zeigt.




Unglaublich beeindruckend! Im Inneren des Stammes verlaufen verholzte Röhren, in denen das Wasser aufsteigen kann, es regnet hier im Winter und Sommer, nicht viel aber doch immer wieder.  




Und so siehts aus, wenn sich ein neuer Arm herausbildet. 




Hier sieht man, wer für die Löcher im Stamm verantwortlich ist: Der Gila-Specht. Er gestaltet sich Höhlen, in denen Sommer wie Winter gemäßigte Temperaturen herrschen. 
Die Blüten dieses besonderen Kaktus kenne ich nur von Bildern und würde sie gar zu gerne mal live sehen!




Eine Welt zum staunen eröffnet sich in diesem weit südlich liegenden Teil der USA. Faszinierende Fauna und Flora! Obwohl wir in Mitteleuropa in einer Zeit stehen, die thematisch ganz andere Schwerpunkte hat, möchte ich hier noch das eine oder andere Foto in weiteren Posts zeigen. Ein bisschen Wärme und Sonne, Stacheln und faszinierende Pflanzen und Landschaften ins Bild rücken, bis zum Advent ist ja noch ein wenig Zeit!

Hier gehts zu einem früheren Post zum Thema.

  
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