Freitag, 21. November 2014

Bunte Freude zum Jahresausklang

Mein diesjähriges Jahresprojekt ist fertig! Große Freude. Eigentlich schon die ganze Zeit über, weil ja das Tun am meisten Spaß macht. Wenn das Ergebnis dann auch freut, umso besser. Ich liebe es meine Hände zu bewegen und dabei zu plaudern oder zu hören oder nachzudenken. Mit den Händen nicht nur beruflich zu arbeiten. Es ist entspannend, gleichzeitig auf eine angenehme Art anregend und bringt die Aufmerksamkeit in die Gegenwart, Masche für Masche. Wer gerne handarbeitet weiß, wie meditativ das sein kann.



Die Farbenwahl spiegelt den Beginn der Arbeit wider, eine ganzes Sommerblumenbeet ist darin versammelt, wie gut das jetzt tut! Im Frühjahr begonnen, im Sommer ausgiebig geruht, im Herbst fertiggestellt.



Hier ein paar Eindrücke vom Entstehungsprozess. Die Farbkombinationen musste ich systematisch wählen, wenn ich keine zwei gleichen haben wollte. Bei 300 ganzen und 52 halben Blumen hätte ich sonst den Überblick verloren. Die Kreise so zu ordnen, dass keine gleichen nebeneinander zu liegen kommen, aber doch kleine Schwerpunkte entstehen war in diesem Projekt die größte Herausforderung. Mit der dritten Farbe wurden schon alle Kreise verbunden, hier habe ich dann nur mehr helle Farben verwendet, um mehr Leichtigkeit hineinzubringen. Bis zum Schluss war nicht klar, ob ich mit dem Gesamteindruck zufrieden sein würde. Ich hatte natürlich eine gewisse Vorstellung davon, wie es mir gefallen würde, aber wenig Erfahrung damit. Was eigentlich nicht stimmt, denn wer Farben mag und einen guten Farbsinn hat kann darauf vertrauen, dass es klappen würde. Das weiß ich jetzt, zu Beginn war es nicht so klar. 



Hier nochmal das fertige Stück, die Kamera war mit der Farbdifferenzierung überfordert, aber der Gesamteindruck stimmt.



Für mein neues nostalgisch-romantische Schlafzimmer mag ich die Decke sehr, sie ist für diesen niedrigen Polsterstuhl geplant gewesen. Das Bett ist noch nicht übersiedelt, die richtig "wichtige" Einrichtung schon am Platz. Das hier ist die weibliche Seite, der Mann an meiner Seite hat einen  "gstandenen" Wäscheschrank aus Eiche stehen, damit die Blumenwiese auch einen erdigen Widerpart hat und er sich auch richtig zu hause fühlen kann.



Hier der Link zu meiner Inspirationsquelle. Ich hatte das Buch ursprünglich gekauft, weil es Unmengen schöner Fotos und sehr unterschiedliche Handarbeitstechniken beinhaltet und hatte gar nicht vor etwas daraus selbst zu machen, bis mich die Lust und Neugierde packte. Alles in Allem ist diese Decke einfach zu machen, nur im dritten Schritt, beim verbinden der Kreise ein bisschen mühsam, aber auch nur, wenn die Reihenfolge der Kreise festgelegt ist. Das Um und Auf für dieses Modell ist die Farbwahl, da sollte man sich ganz sicher sein, bevor man beginnt. Die Kreise bestehen aus Doppelstäbchen und Luftmaschen, die mit einer Bogenkante aus festen Maschen und Luftmaschen vollendet werden. Interessant fand ich, dass auch Farbkombinationen, die ich nicht gewählt hätte sich in der Zusammenschau gut einfügen. Bei dieser Arbeit habe viel über Farbharmonien gelernt, beim tun und schauen. Für jede Stimmung wächst hier eine eigene Blume und jedes Mal, wenn ich draufschaue gefällt mir eine andere Kombination am besten. 


Montag, 17. November 2014

Manchmal pieksts

Hier nun ein paar Eindrücke vom Desert Botanical Garden im Großraum Phoenix/Arizona. Zum Vergleich: Geografischer Breitengrad etwa der Norden von Ägypten. Auch hier steht die Sonne im Oktober tief und die späten Nachmittagsstunden lassen uns leider viel zu wenig Zeit. Als Entschädigung bekommen wir von einem erhöhten Standpunkt das Spektakel eines kleinräumigen Monsunregens in der Nähe zu sehen. Böiger Wind wirbelt den feinen roten Sand durch die Luft, von den Strahlen der untergehenden Sonne beleuchtet, bevor die Regenwand dunkelgrauviolette Akzente setzt. Ein Himmelsspektakel das auch bald wieder abgeklungen ist.



Der Teddybear Cholla (Opuntia bigelovii) hat es mir besonders angetan. Ich bin ja ein haptischer Typ, muss alles angreifen, um es näher kennenzulernen. Meine Arbeit, meine Hobbys, ohne meine Hände wäre mein Leben trostlos, ich muss alles fühlen. So zerreibe ich immer wieder mal Blätter oder Früchte zwischen meinen Fingern oder streichle über Blätter und Baumrinden. Die Familie der Chollakakteen, die hier auch wild wachsen lehrt mich Ehrfurcht und Behutsamkeit. Ganz sanftes Berühren geht ja immer.
 

Besonders interessant der Fishhock Barrel Cactus (Ferocactus wislizeni). Wenn man an den starkgebogenen großen Stacheln zupft, fühlt es sich an wie eine Maultrommel. Im übernächsten Bild sind diese Stacheln mit einer Blüte zu sehen. Ja, einige Blüten gab es auch jetzt noch, obwohl die Blütezeit lange vorbei ist.




Hier eine äußerst dekorative Feigenkaktusart (Opuntia stenopetala), deren Stacheln im Gegenlicht der untergehenden Sonne besonders schön leuchteten.




Und nochmal eine Chollakaktusart, auch mit rötlichen Stacheln.



Viele Agavenarten, Aloearten, noch mehr Kakteenarten, für diese Region typische Bäume und Sträucher, Heilpflanzen finden herrlich zusammengestellt Platz in diesem für uns so exotisch anmutenden Botanischen Garten. Für einen Besuch sollte man sich Zeit nehmen, wenn man sich in der Region aufhält. Schönste Zeit wäre vermutlich April und Mai, wenn sich die wunderschönen Blüten der Kakteen öffnen. In der Seiteleiste rechts ist ein Fotoblog (Phoenix Daily Photo) verlinkt, Sharon Anck postet immer wieder Fotos von diesem Garten.

Orgelpfeifenkaktus (Stenocereus thurberi) in nächsten Foto.



Skulpturen und stimmungsvolle Beleuchtung begleiten uns auf unseren Rückweg, den wir viel zu schnell antreten müssen. Die Dämmerung dauert hier nicht lange, im Nu ist es dunkel.



Zum Schluss noch einmal ein kleiner Blick auf einen Grünstreifen am Fahrbahnrand in Schottsdale, denn Kakteen und Agaven wachsen hier überall, ob wild oder gepflanzt, sie scheinen sich sehr wohl zu fühlen. Bei genauerem Hinsehen ist eine Knospe im Vordergrund zu erkennen. Auf der anderen Seite öffnet sich gerade eine große Blüte.




Ich wills ja nicht übertreiben, Fotos hätte ich noch viele im Archiv, eine kleine feine Auswahl hat es bis hierher geschafft, für eine kleine Freude eben.

Kakteen passen thematisch gut in den November, einem Monat, in dem wir immer wieder aufgerufen sind loszulassen. Was es im einzelnen ist, zeigt uns das Leben, indem es uns manchmal pieckst und nicht zuletzt die Natur in unseren Breiten hier in Mitteleuropa. Wir verabschieden uns von der Fülle der Farben draußen und sehen im besten Fall auf das Wesentliche. Dafür sollten wir uns jetzt Zeit nehmen! Auch die wunderbaren Blüten der Kakteen mahnen immer wieder ans Abschied nehmen, sie sind nur für eine kurze Zeit geöffnet und verblühen rasch, als würden sie uns daran erinnern wollen, dass nichts ewig wärt. Hier auf der Erde.


   



Montag, 10. November 2014

In den Himmel wachsen

Dem lateinischen Namen nach sind es Riesenkerzen (Carnegiera gigantea), im Englischen heißen sie Saguaros (sa-wahr-o gesprochen). Diese beeindruckende Säulenkakteenart wächst ausschließlich in einem kleinen begrenzten Gebiet im südlichen Arizona und angrenzenden Mexico in der Sonora Wüste. Keine eigentlich echte Wüste, sondern eher eine Buschsteppe mit geringer, aber eindrücklicher Artenvielfalt. 

Bevor ich in einem eigenen Post einen Rundgang durch den Desert Botanical Garden von Phoenix mache, soll diese besondere Kaktusart ihren ganz eigenen Auftritt bekommen. Auf Berghängen und neben den Highways stehen die Saguaros, weithin sichtbar, sind streng geschützt und dürfen nicht ausgegraben oder verpflanzt werden. In öffentlichen Raum der Städte schmücken sie dennoch die Streifen zwischen den Fahrbahnen und unzählige Vorgärten, sie sind omnipräsent.



                                       Abendstimmung im Desert Botanical Garden Phoenix, Arizona


                       Eine Hauptstraße in Schottsdale im Großraum von Phoenix



So sieht die Landschaft aus, wenn man von Phoenix Richtung Norden fährt, ein Wald an Saguaros links und rechts der Fahrbahn, so wachsen sie also in "freier Wildbahn".  Faszinierend insofern, da diese Giganten sehr sehr langsam wachsen und etwa 20! Jahre brauchen, bis sie daumengroß geworden sind. Erstaunlich, dass es trotzdem so viele schaffen durchzukommen. Die ersten Arme bilden sich erst ab einem Alter von mindestens 70 Jahren und die ersten Blüten erscheinen ab dem 40 Lebensjahr. Soweit ein paar Zahlen, die allerdings zeigen, wie empfindlich diese Pflanzenart sein kann, wenn ihr Lebensraum nicht geschützt ist!




Heiß geliebt sind sie ganz offensichtlich, fast möchte ich sagen, wie die Autos und Straßen hier. Unten im Bild ein Beispiel von einer neu ausgebauten Interstate bei Phoenix. So sieht es aus, wenn die Saguaros verpflanzt werden. Man kommt hier nirgends vorbei, ohne stattliche Exemplare zu sehen. Dabei ist das Verpflanzen ohne behördliche Genehmigung bei hoher Strafe verboten, nicht jedes Exemplar überlebt den Standortwechsel. Der Saguaro ist als Art gefährdet, trotzdem er als Nationalsymbol für Arizona hier allgegenwärtig erscheint.




Heraus aus der Stadt und hinein in die "Wüste". Ein paar Schritte von der Straße weg und schon steht der erste Riese vor uns, einer der hier keimen und ungestört aufwachsen konnte. Er könnte zwischen 150 und 200 Jahren alt sein und etwa 7m hoch gewachsen sein, wie der Größenvergleich zeigt.




Unglaublich beeindruckend! Im Inneren des Stammes verlaufen verholzte Röhren, in denen das Wasser aufsteigen kann, es regnet hier im Winter und Sommer, nicht viel aber doch immer wieder.  




Und so siehts aus, wenn sich ein neuer Arm herausbildet. 




Hier sieht man, wer für die Löcher im Stamm verantwortlich ist: Der Gila-Specht. Er gestaltet sich Höhlen, in denen Sommer wie Winter gemäßigte Temperaturen herrschen. 
Die Blüten dieses besonderen Kaktus kenne ich nur von Bildern und würde sie gar zu gerne mal live sehen!




Eine Welt zum staunen eröffnet sich in diesem weit südlich liegenden Teil der USA. Faszinierende Fauna und Flora! Obwohl wir in Mitteleuropa in einer Zeit stehen, die thematisch ganz andere Schwerpunkte hat, möchte ich hier noch das eine oder andere Foto in weiteren Posts zeigen. Ein bisschen Wärme und Sonne, Stacheln und faszinierende Pflanzen und Landschaften ins Bild rücken, bis zum Advent ist ja noch ein wenig Zeit!

Hier gehts zu einem früheren Post zum Thema.

  

Freitag, 7. November 2014

Saguaro im Kreisverkehr

Wenn ein Saguaro im Kreisverkehr steht, dort wo man angekommen ist, reißt man sich in jedem Fall mehrere Schichten Kleidung vom Leib, sobald man den Flughafen verlassen hat. Ziel: Eine Konferenz und dann noch ein paar Tage die Natur genießen, aber hier ist einfach alles anders.
Für uns kaum vorstellbar monatelang vor der Hitze in klimatisierte Räume flüchten zu müssen. So Räume kühlen wie wir sie heizen ist in Phoenix, im Süden Arizonas normal.


                           Scottsdale, Arizona, USA

Im Oktober beginnt es draußen erträglich zu werden, immerhin noch Temperaturen jenseits der 30°.
Zwei Autostunden weiter nördlich ist jetzt Hochsaison, aus den Staaten im Norden flieht man vor der Kälte und die Einheimischen genießen den Herbst, Sedona liegt immerhin auf 1500m Seehöhe, an den Ausläufern des Coloradoplateaus und die Blattfärbung der Laubbäume setzt auch hier ein.
Man lebt wieder mehr draußen, heiratet zu Füßen majestätischer Berge oder rutscht durch ziemlich kalte natürliche Rutschen in einem Bachlauf.



                   Red Rock Crossing, Sedona, USA


                     Slide Rock, Oak Creek, Sedona


Den Tag im Freien verbringen zu können, das allein macht mich schon glücklich, verbindet mit starkmachenden, ausgleichenden Energien. Die wunderbare Landschaft vor Augen zu haben, die würzige Luft der vielen Wacholder und Kiefern zu atmen, der Stille zu lauschen und direkten Kontakt mit der Erde zu haben macht außerdem entspannt und baut Reserven auf.
Auf dem steinigen Boden zu gehen machte meinen Füßen weniger Probleme als mit den High Heels gestern Abend. 

Keine Nachrichten, weder persönliche, noch weltweite störten unsere Tage. Wir lebten eine Woche in einer Zeitblase und tankten auf. Ein bisschen davon möchte ich hier weitergeben, indem ich Fotos dieser wunderbaren Landschaft zeige, wenn ihr mögt, stellt euch vor, selbst eure Füße im kühlen Wasser zu haben und das Feuer der roten Erde unter euch zu spüren.



             Red Rock Crossing am Fuß des Cathedral Rock, Sedona

Bei uns hier in Mitteleuropa liegt die Qualität der Zeit im scheinbaren Rückzug der Farben, der Lebendigkeit. Das tut gut und kann uns zu mehr Tiefe und Ruhe führen. Ich liebe beides, die Fülle und das Leere. Die Schönheit der Natur hat so wunderbar unterschiedliche Gesichter!


Dienstag, 4. November 2014

Zwischen dort und hier

Ich gehe hinaus ins Grüne, in den Garten. So grün noch Vieles, noch kein Nachtfrost gewesen. Auch ein bisschen gelb und rot, klar und ein bisschen Kahles. Die Malerei der Natur wärmt mir das Herz. Die Farben, verdichtetes konzentriertes Sonnenlicht, erinnern mich an die Tage im Oktober, in denen ich in der Hitze war, fast zwei intensive Wochen lang. Alles Erlebte zu integrieren, wieder ganz zu hause anzukommen braucht Zeit. Die spielt auch verrückt, alles ist umgedreht und so schreibe ich hier um zwei Uhr Nachts und muss mich dann doch ins Bett zwingen. Ich komme mit wenig Schlaf aus, es geht und irgendwann ist auch mein Körper wieder ganz in den Rhythmus hier eingetaucht. Ich lasse ihn, er hat seinen eigenen Kopf und hat noch jedesmal zurückgefunden.

Gestern zufällig in einer Kirche auf ein Orgelkonzert gestoßen, wir wollten nicht stören und blieben beim Eingang stehen. Ich schloss die Augen um der Musik zu lauschen und weil meine Lider nicht anders konnten und wachte auf, als ich drohte gerade auf die Seite zu kippen. Im Stehen schlafen geht also, wenn auch nur kurz...




Bald gibts hier ein paar Bilder von einem heißen Teil der Erde...


  

Sonntag, 26. Oktober 2014

Ein Zipfelchen der Ewigkeit

"Wir stellen die Frage falsch, wenn wir sagen: "Was geschieht nach dem Tod?". Wenn wir über die Zukunft sprechen, reden wir über Zeit, aber mit dem Tod lassen wir die Zeit hinter uns." (Leo Tolstoi)

Die Zeit aller Heiligen steht vor der Tür, wir besuchen die Gräber unserer lieben Verstorbenen, machen alles hübsch. Blumen, Kerzen, Immergrünes. Mit Blick auf die Erde. Die Erde, Ort für uns sichtbarer Transformationsprozesse. In dieser Zeit jedoch spüre ich oft dem Drüben nach, hinter dem Sichtbaren und hinter dem Horizont dessen, was wir über das Leben verstehen können.




Sich heimisch zu fühlen mit dem Gedanken unserer Endlichkeit in diesem Körper, sich anzufreunden, sich einzustimmen auf die andere Welt scheint mir der Schlüssel zu sein für vertrauensvolles Leben. In unserer überversicherten westlichen Welt macht man Geschäfte mit der Illusion des grenzenlos Machbaren, alles scheint möglich und das sofort.
Und dann kommt aus heiterem Himmel plötzlich ein Ereignis auf uns zu, das alles verändert, früher sagte man Schicksal dazu. Heute sucht man nach der Reissleine, es muss sie doch irgendwo geben?!




Demut ist ein altmodisches Wort, ich mag es auch nicht so gerne, aber ich mag die Vorstellung, dass man sich getrost in den Lauf des Lebens einfinden kann, weil eh passiert, was passiert und wir immer die Wahl haben. Vielleicht nicht  über Eckdaten unseres Lebens, sondern darüber, wie wir uns zu den Ereignissen stellen. Was wir aus ihnen machen, wie wir die Chancen sehen als Mensch zu wachsen und um dann doch wieder Grenzen zu überschreiten. Unsere Möglichkeiten als Mensch wollen ständig erweitert werden.

Manchmal ist es gut, den Horizont nicht zu sehen, man wendet sich nach innen und findet dort den Hafen, die Richtung und das Ziel. Im besten Fall. Mit sich selbst und anderen verbunden. Ein Zipfelchen der Ewigkeit im Herzen haltend...




   

Dienstag, 21. Oktober 2014

Zur Schau gestellt

Poetry Slam auf dem Balkon des Wiener Volkstheater holt Menschen von der Straße ins große Haus neben dem Museumsquartier. Wobei: Die Wiener muss man nicht zweimal bitten, der Andrang ist groß an diesem Tag der offenen Türe. 
An die 150! Vorstellungen haben wir selbst im Laufe der Jahre hier besucht, in einem der größten Theater im deutschsprachigen Raum, ließen uns verzaubern, zum nachdenken anregen, lachen, jubeln, weinen und natürlich klatschen, klatschen, klatschen.



Das ganze Gebäude kennenlernen zu können war spannend. Wie sieht es hinter der Bühne aus, in den Garderoben, in der Maske, in den oberen Stockwerken? Das Foto unten vom prachtvoll beleuchteten Zuschauerraum konnte ich ganz schnell von einer hohen Freitreppe auf der Bühne machen, bevor mich der Ordner herunter rief. Diesen Blick in den Zuschauerraum haben sonst nur die Schauspieler und die sehen nicht so viel, es ist ja meist dunkel dort. Ist das nicht ein schöner Raum, so effektvoll beleuchtet?!





Hier der Blick auf den Bühnenraum hinter der Kulisse, in diesem Fall einer großen Freitreppe.


Blick vom Zuschauerraum auf den oberen Teil der Bühne.


Die Ansicht von der Seite zeigt, wie groß das Gebäude ist. In der Kuppel ist der Schnurboden untergebracht, auf den nächsten Bildern von innen zu sehen.


Nun der Blick ins Innere der Kuppel. Früher verwendete man gemalte Kulissen auf der Bühne, die nach Bedarf hinuntergelassen und hochgezogen wurden. In der Kuppel gab es genug Platz dafür. Die moderne Drehbühne ist groß, heute arbeitet man mit vielen verschiedenen Effekten, nur Raum für Kulissenaufbauten ist wenig vorhanden und so ist Flexibilität gefragt, wenn es darum geht das Bühnenbild zu planen und aufzubauen. Oft wechseln die Vorstellungen allabendlich.
Der gesamte Raum hinter der Bühne ist schwarz ausgemalt, eine so gänzlich andere Welt, in der Technik und Kargheit herrscht. Auf der Bühne werden Welten hergestellt und glaubhaft vermittelt, im Hintergrund muss man aufpassen nicht über Kabel zu stolpern und den Weg in die Garderobe zu finden.






Die Maske und die Garderoben, alles ist eng und klein, immerhin befinden sie sich gleich neben der Bühne. Die Schauspieler müssen sich in verschwitzte Roben zwängen, Perücken oder Gummiteile am Kopf aushalten, von der vielen Schminke gar nicht zu reden. Auf der Bühne essen, trinken, schreien, toben, lachen, morden, lieben, was auch immer. Auf den Punkt die Leistung bringen, egal wie ihr eigenes Leben gerade läuft. Ich bewundere das grenzenlos, welch große Leistung!




In der Requisite plaudern die Angestellten über manche Tricks, die sie anwenden und man muss schmunzeln. Ganz so hat man sich das nicht vorgestellt, aber klar, Alkohol wird durch Tee ersetzt und Blut aus der Flasche fließt bekanntlich auf der Bühne in Mengen (dass das Blut nicht echt ist weiß ich, klar, aber auch Kunstblut verfehlt seine Wirkung nicht). Nur an das unvermittelte Schießen werde ich mich nie gewöhnen. Könnt ihr nicht ein rotes Licht aufleuchten lassen, damit ich mir rechtzeitig die Ohren zuhalten kann?! Jaja, ich weiß schon, die Welt ist voll von Bösem, es reichte allerdings mir das vorzustellen....







Auf den Gängen hängen Porträts der Menschen, die für das Wiener Volkstheater wichtig waren. Hier das Bild des derzeitigen Direktors Michael Schottenberg. Ein wunderbares Foto! 



Aus dem Alltag herausgehoben und trotzdem an die vielen Dimensionen menschlichen Lebens und Erlebens anknüpfend schließt sich immer wieder der Kreis von der Bühne zum echten Leben. Wenn ich sehe, wie die die Schauspieler alles geben und wie viele Menschen notwendig sind, um ein Theaterstück Realität werden zu lassen, habe ich große Respekt und Hochachtung vor der Leistung dieser Menschen. Sich der Kritik anderer auszusetzen, verletzlich zu sein und sich doch immer wieder darauf einzulassen ist sicher nicht einfach. Nicht jedes Stück mochte ich, aber jedesmal gab es Denkanstöße und oft Freude. Nach all den Jahren bin ich dankbar für die vielen schönen Stunden Verzauberung in diesem Theater und hoffe noch viele Vorstellungen sehen zu können....


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