Donnerstag, 20. April 2017

In 90 Tagen um die Welt

Vom 6.Januar bis 7.April

Als wir uns vor eineinhalb Jahren die Frage gestellt hatten das Haus zu renovieren oder auf eine große Reise zu gehen, war das keine echte Frage mehr. Es fehlte nur noch der Entschluss. Dann während vieler Monate alles auf Schiene zu bringen und vorzubereiten fiel nicht schwer, wir hatten genug Zeit. Die Vorstellung alle Weltmeere zu durchfahren und alle Kontinente zu berühren war verlockend, auch wenn wir nicht abschätzen konnten, wie wir damit zurechtkommen würden. Ein Gefühl für die Größe der Erde zu bekommen erfüllte mich mit Aufregung und Vorfreude, ich war neugierig, ob ich auch einmal Heimweh bekommen würde, ein Gefühl, das ich so noch nicht kannte.

Oft und oft hatte mich die Frage beschäftigt, warum wir sagen: "auf der ganzen Welt" oder "weltweit", wenn es doch immer um die Erde geht. Unsere Erde. Beinahe als würden wir dieses Wort meiden, aber warum? Worte wie: Erlebniswelten, Weltoffenheit oder Weltfremdheit sprechen über unsere Interaktionen mit allem, was auf der Erde existiert und immer wieder mal erleben wir, dass zwischen manchen Menschen oder Gruppen sogenannte Welten liegen. Meine Welt sieht anders aus als deine. Wir leben wohl alle in leicht oder stark unterschiedlichen Welten und doch alle auf unserer Erde, der einzigen uns zu erschließenden Welt. 
Mein Bild von der Welt hat sich in diesen drei Monaten unserer Reise gründlich gewandelt und mir gezeigt, dass die Erde sich auch in meinem Kopf immer weiter dreht...



                   in Mindelo, Hauptstadt der Kapverdischen Inseln

Weltweit gesehen gehören weißhäutige Menschen zu einer Minderheit, genauso wie Menschen, die in großen sauberen Häusern oder Wohnungen leben, einer geregelten Arbeit nachgehen, nicht hungern müssen und eine gute medizinische Versorgung haben können. Soweit nichts Neues. Hautnah zu erleben, dass alles was wir in unseren mitteleuropäischen Lebenswelten als Selbstverständlichkeit empfinden weltweit genau das nicht ist, macht nachdenklich und demütig.




Wir reisten mit einem Kreuzfahrtschiff, kamen in viele Häfen und lernten Städte von der Meerseite her kennen. Eine gänzlich andere Welt erschloss sich uns, eine Welt, ohne die unser Leben ganz anders aussehen würde. Häfen sind eine faszinierende Welt für sich, besonders Containerhäfen.




Unsere begrenzte Lebenswelt an Bord nannten wir nach Wochen unser "Mutterschiff", es verhieß Geborgenheit in einer über viele Wochen sich stets verändernden Außenwelt. Wir reisten komfortabel von Savona im Golf von Genua bis nach Dubai, von wo wir vor zwei Wochen mit dem Flugzeug nachhause zurückkehrten.




Über einen Zeitraum von drei Monaten ständig das Meer und die Weite des Himmels sehen zu können bescherte mir bis zuletzt Glücksgefühle. Diese Bilder werden mich nie mehr loslassen, da bin ich sicher. Ein Stück kann ich verstehen, warum es Seeleute immer wieder hinauszieht, sie Heimat und Familie verlassen (auch auf unserem Schiff viele Crewmitglieder).




Sonnenaufgänge und -untergänge, Wolken und die Vielgestaltigkeit der Blautöne auf dem Wasser und am Himmel können gar nie langweilig werden.




Natürlich wollte ich hier von unserer Reise berichten, natürlich ist meine Zeit dafür jetzt begrenzt. Wieder arbeiten, den Garten pflegen, Familie und Freunde treffen, all das steht weit oben auf der Prioriätenliste. 
Während der Reise konnte ich Eindrücke im Tagebuch, mit Fotos und in WhatsApp Gruppen festhalten. Ist es nicht großartig, wie viele Möglichkeiten wir zurzeit haben?! Letzteres stellte sich bald als Glücksfall heraus. Erlebnisse eines Tages konzentriert und knapp, zugleich ganz frisch noch emotional aufgeladen und mit Fotos garniert loszuschicken half mit, mich ein wenig zu sortieren und für den nächsten Tag wieder frei für neue Eindrücke zu sein.

                 Blüte des Abrico de macaco (Kanonenkugelbaum), Rio de Janeiro

Wer von euch Lust hat unsere Reise nachzuerleben, sich überraschen zu lassen und mit mir noch mal zu staunen über die Vielfalt und Schönheit, über die Besonderheit und Großartigkeit unserer Erde, ist eingeladen an 90 aufeinanderfolgenden Tagen hier vorbeizuschauen.
Ihr könnt unmittelbar mitleben, die Schlagzahl unserer Eindrücke nachempfinden und euer Weltbild ein wenig ver-rücken lassen ;-)
In ein paar Tagen gehts los. Ihr bekommt die Originaltexte (editiert also hoffentlich diesmal ohne Fehler) und Fotos, als hätte ich sie eben erst geschrieben. Falls es meine Zeit erlaubt, möchte ich weitere Fotos anfügen, oder später in einem eigenen Post extra schreiben. Der würzige Honigduft der Blüte des Abrico de macaco im Botanischen Garten von Rio de Janeiro schreit förmlich nach einer Vertiefung. Ich bin willig und hoffe, dass ich nach drei Monaten auch noch genug Motivation dafür aufbringe ;-)



Ich freue mich auf ein Wiedererleben und hoffe euch ein wenig neugierig gemacht zu haben. So ruhig es hier in den letzten Monaten war, so spannend sollte es nun werden!


Mittwoch, 4. Januar 2017

Blogpause

*kleine freude* verabschiedet sich in in eine Blogpause. Mit guten Wünschen für das neue Jahr!
Nach Ende der Winterzeit wird es hier wieder bunt, ich freue mich auf ein Wiedersehn zu Ostern!

Inzwischen mögen wir und die Welt so viel Freude wie möglich erleben. Ob klein oder groß, möge die Kraft der Freude mit uns sein :-)




   

 

Freitag, 30. Dezember 2016

Weil du echt sein willst

Als Motto für das kommende Jahr ein Text von Ulrich Schaffer. 

Stationen eines Prozesses, in dem ich seit Jahren unterwegs bin. Ich frage mich nicht mehr, "ob für mich Platz ist in der Welt, für mich, so wie ich bin". Manch andere Fragen stellen sich trotzdem noch. Aber keine nach dem ob. Ich poliere mein Puzzlestück im Großen Spiel des Großen Geistes. Und manchmal fühle ich Freude darüber, wenn sich der Staub gesetzt und ein bisschen Schimmer zu Vorschein kommt. Dann sehe ich den Schimmer in den Augen der anderen. Möge der Schimmer im großen Spiel 2017 stärker werden. Für uns alle...

Hole dir eine Tasse Tee und mache es dir gemütlich, lasse die Worte wirken und mache dir deine eigenen Bilder...


                                                    Parc Guell, Barcelona, Februar 2016

...WEIL DU ECHT SEIN WILLST!
Du wirst heimgesucht von dem Wunsch,
echt zu sein, dich nicht mehr künstlich zu verhalten,
nicht mehr an deine Wirkung zu denken.
Du willst dich nicht mehr zurücknehmen,
aus Angst, nicht verstanden zu werden oder zu verletzen.

Du willst nicht mehr Worte sagen, die du nicht meinst,
und nicht mehr ein Gesicht anlegen, das dich verkrampft.
Du willst nicht mehr die Verkleidungen, die Masken
und das Schauspiel. Du willst du selbst sein,
ganz entspannt, ein Mensch unter Menschen.
Und du fragst dich,
ob für dich Platz ist in der Welt,
für dich, so wie du bist.


                                        Venedig im Juli 2016

Du willst die Spiele nicht mehr mitmachen,
bei denen du unecht sein musst
und dich von dir selbst entfernst.
Bei den Spielen, die so heißen:
Ich merke nichts, ich habe ein dickes Fell,
jeder muss immer glücklich wirken,
ich bin die Beste,
ich bin der, den keiner liebt.
Du wehrst dich Gegen die Verzerrung
des eigenen Wesens, gegen die Harmonie
um jeden Preis,
gegen die Spiele der Entwürdigung.
Wenn du tust, was du nicht bist,
wächst eine stille Abneigung dir selbst gegenüber.
Wenn du mit dir machen lässt, was dir fremd ist,
beginnst du dich zu verachten.
Wenn du echt wirst, auch wenn es schmerzt,
dich und andere,
dann hat das tiefe Glück eine Chance.


                                                               Laxenburger Schlosspark, Sommer 2016

Du suchst nach einer tiefen Begegnung,
in der auch dein innerstes Wesen
eingeladen ist, sich zu zeigen.
Wo du selbst erkennst,
wie du bist in dem Spiegel des anderen,
und dein Gegenüber sich selbst ebenso begegnet,
in dem Wunder des offenen Auges,
wach in Schmerz und Glück.
Es gibt andere wie dich, die auch suchen
und dich entdecken wie du sie.
Du spürst, dass du einen Kern hast,
ein inneres Wesen, wo du wirklich du selbst bist.
Handlungen und Gedanken,
die aus diesem Kern kommen,
sind gefüllt mit dir,
mit deinen Handlungen und Gedanken.
Du spürst auch, dass dein Kern
noch entwickelt werden kann,
dass deinem Wesen noch viel Unechtes anhängt.
Wer bin ich?, fragst du und entscheidest dich,
dir nachzugehen, dich auszustrecken
nach dem, was du sein könntest.
Du bist umgeben von einer Welt,
die dich oft lieber in einer hat
und nicht in der Kantigkeit deines Echtseins. 


                                         auf einem Wanderweg in Südirland, April 2016

Man wünscht dich warm und anschmiegsam.
Du sollst nicht auffallen. Man bietet dir an,
die kleinen Lügen zu leben, die alles erleichtern.
So bist du angesehen und beliebt.
Aber es gibt auch die, die glücklich sind,
wenn sie auf deine Echtheit stoßen,
die sie ermutigt, selbst auch echt zu sein.
Können wir einander Anstoß sein,
das Versteckspielen aufzugeben?
Wollen wir echt werden und das Eis,
das unsere Herzen umlagert, schmelzen?
Gerade weil du echt sein willst,
entdeckst du ungeahnte Seiten an dir.
Da gibt es still Leuchtendes,
das nur dem Bedächtigen sichtbar wird.
Auch Dunkles ist da. Es ist ein Hintergrund,
der wie ein erschreckender Abgrund wirkt.


                                               Parc Guell, Barcelona, Februar 2016

Und wie eine immer kleinere Puppe in der Puppe
sind deine Gedanken in Gedanken verschachtelt:
In dir stecken Kräfte, die ermutigen und befremden,
stören und befreien, beglücken und verletzen.
Du bist vielschichtiger, einsichtiger,
erstaunlich anders und viel mehr, als du dachtest.


                                                          zur Sommersonnenwende 2016

Manche finden dich komisch,
weil du echt sein willst und bereit bist,
dafür einen hohen Preis zu zahlen.
Sie haben sich selbst schon so weit verlassen,
dass sie ihr eigenes Wesen
aus den Augen verloren haben.
Es befremdet sie,
dass ein Mensch sich selbst sucht
und Sehnsucht nach dem hat,
was er in sich nur ahnt.
Nur wenn du echt bist,
hast du letztlich Frieden mit dir selbst.
Sonst zerstörst du dich im Kampf
gegen dich selbst.
Vorsichtig begibst du dich
in ein Gespräch und hoffst,
dass dein Gegenüber an deinen
tiefen Seiten interessiert ist.
Du trägst Kostbarkeiten in dir
und bist nicht willig,
sie vor irgendwem auszubreiten
wie billige Ware.

                                                                  zur Sommersonnenwende 2016

 Dein echtes Wesen in seiner Tiefe
ist dein Geschenk an den anderen.
Dein Herz offenbarst du nur denen,
die selbst ein Herz haben
und bereit sind, es zu zeigen.
Weil du echt sein willst, brauchst du Zeit für dich.
Echtheit entsteht nicht im Hasten und Jagen.
Du brauchst Stunden der Selbstprüfung,
des Fragens und Suchens:
Was willst du und was nicht?
Du hast Tage nötig, die der Entdeckung
deines Inneren gewidmet sind.
In Zeiten der Leere kann etwas in dir wach werden.
Du brauchst Stille, um deine tiefen Wünsche
wahrzunehmen und sie ernsthaft zu verfolgen.
Weil du echt sein willst, wirft man dir vor,
dass du nur an dich selbst denkst
und begreift dabei nicht,
dass wir einander nur so weit finden,
wie wir uns selbst gefunden haben.


                          Venedig im Juli 2016, Basilika di San Giorgio Maggiore

Wir überwinden die tiefe Kluft zum anderen
nur über die Brücke der Selbsterkenntnis.
In dem Maße, wie wir uns selbst verstehen,
werden wir einander verstehen.
Weil du echt sein willst,
fällt dir jede Unechtheit stärker auf.
Du bist wacher für das Künstliche,
für die kleinen Täuschungen.
Du durchschaust die leeren Worte,
erkennst deine eigene Grimasse
und hörst das übertriebene Lachen,
hinter dem ein Mensch
seine Enttäuschung versteckt.


                                        Venedig im Juli 2016

Wenn du dir dann vorstellst,
wie es sein könnte,
wenn wir alle echt wären
und einander in die Augen sehen könnten,
dann leidest du daran,
dass wir noch so weit entfernt davon sind.
Aber ist es nicht ein Ziel,
für das sich zu leben lohnt?
Jeder kann bei sich beginnen.
Sei dem treu, was in dir entsteht
und lebe nicht nach den Werten anderer.
Was du bist, hast du zu geben.
Deine Echtheit ist dein Beitrag,
nicht deine Fähigkeit,
die anderen nachzuahmen
und so zu leben wie sie.
 

                        Kreisverkehr bei Zürich, Schweiz, Oktober 2016

Wenn du echt sein willst,
musst du lernen, „nein“ zu sagen zu dem,
was dich erstickt.
Dann wirst du zu dem finden,
was dir entspricht und darin aufblühen.
Weil du echt bist, wirkst du anziehend.
Mit dir weiß man, woran man ist.
Was du sagst, meinst du.
Was du glaubst, lebst du.
Wenn du schweigst, ist es kein Trick,
mit dem du etwas erreichen willst.
Du wirkst befreiend.
Es ist nicht schwer,
dich im ersten Augenblick zu lieben. 

                             Venedig im Juli 2016

Manchmal ist es schwerer, 
dich weiter zu lieben,
wenn du echt bleibst.
Und noch schwerer ist es,
dich zu ermuntern, echt zu bleiben,
auch wenn du andere verletzt
und ihnen wehtust.
Echt sein heißt, aufrecht gehen,
sichtbar werden in dem Grau,
sich erinnern an Träume und Hoffnungen
und nicht aufgeben
im Kampf gegen die Mittelmäßigkeit.
Echt werden ist wie eine Heimkehr zu uns selbst.
Wieder da sein, wo wir begonnen haben,
das Paradies noch einmal bewohnen,
diesmal bewusst.
Uns nicht mehr vertreiben lassen
von der Seite Gottes, der in uns wohnt.

(c) Ulrich Schaffer


Danke, dass du bis hierher durchgehalten, dir die Zeit genommen hast! Die besten Wünsche für 2017! Es wird ein gutes Jahr werden, in dem wir uns entfalten und wachsen. Für etwas anderes haben wir keine Zeit, oder?!


Mittwoch, 28. Dezember 2016

Noch einmal Woll-Lust

Was macht frau, wenn sie von der lieben Nachkommenschaft ein paar Wochen vor Weihnachten dieses Buch bekommt: Socken aus aller Welt. Und nicht nur das, auch gleich Sockenwolle vom Feinsten und nicht zu knapp, dazu? Da braucht nicht lange geraten zu werden. Alle, die dem stricken nichts abgewinnen mögen, vertröste ich auf den nächsten Beitrag, noch in diesem Jahr. Leider sind im vergangenen halben Jahr viele Fotos im Archiv geblieben, weil mich die Woll-lust so richtig gepackt hat. Ich hätte es nie für möglich gehalten, kann aber bestätigen, dass frau einen ganzen Arbeitstag lang, also etwa acht Stunden am Stück stricken kann. Weihnachten lässt sich eben nicht verschieben.

                    verarbeitet wurde JAWOLL Sockenwolle, ist wunderbar weich und farbintensiv



Zurzeit arbeite ich am zweiten Modell aus dem oben verlinkten Buch. Eine Empfehlung geht an geübte StrickerInnen, es gibt Anpassungsnotwendigkeiten und kleine Fehler in den Anleitungen sollten erkannt und ausgebessert werden können. Die Wahl fällt richtig schwer, so viele schöne Teile! Für dieses Paar (es gefiel am besten, da musste ich mich darauf einlassen, hätte ich mir sonst eher nicht zugetraut) strickte ich drei Fersen und fünf Bündchen. Auftrennen, wieder ins Muster finden, keine Maschen verlieren und alles passend zu bekommen forderte mein Denkvermögen, aber das schadet ja bekanntlich nie. Ansonsten Strickfreude pur, weil Socken stricken überschaubar ist und frau bald Freude am fertigen Stück haben kann...

 

Freitag, 9. Dezember 2016

Vorweihnachtliches froh sein

Zum siebenten Mal Advent hier auf *kleine freude*. Lustiges, Persönliches, Besinnliches, Dekoratives, Stilles, schon in früheren Jahren abgehandelt. Auf eine bestimmte Weise gestrickt, formen sich die Texte immer wieder auf ähnliche Weise.

Dieser Advent ist anders für mich. Andere Jahre dachte ich im Dezember fast ausschließlich bis Weihnachten, die Zeit dahinter wurde ausgeblendet, als gäbe es eine Stoptaste für die Erdenzeit. Das half mich zu entspannen, eins nach dem anderen vorzubereiten und mich auf die besonderen Wochen vor dem Fest zu fokussieren. Doch heuer laufen parallel Vorbereitungen für die ersten Monate des kommenden Jahres. 



Mehr wird hier nicht verraten, ich brauche meine Freiheit für eine Zeit, in der ich mein normales Leben ganz verlasse werde und mich gefühlt auf sehr viel Neues und Ungewohntes einlassen werde. Für ganze drei Monate. Um ganz einzutauchen und die Welt und mich darin auf eine neue Weise kennenzulernen, muss ich manche gewohnte und liebgewonnene Tätigkeiten unterbrechen oder verändern. Dazu gehört auch das veröffentlichen von Blogbeiträgen in dieser Zeit. 


Die Lust zu schreiben und zu fotografieren bleibt. Da bin ich sicher. Erfahrungen und Erlebnisse werden hier nach der Blogpause ab Anfang April wieder ihren Platz finden, darauf freue ich mich!
Es werden definitiv keine Fotos aus Irland dabei sein, soviel kann ich sagen.


               Jugendstilbadeanstalt in Bad Nauheim, Deutschland, siehe auch nächste Bilder

Drei Monate sind eine lange Zeit, ich hoffe natürlich sehr, dass ihr Leserinnen und Leser, die ihr gerne hier wart, auch nach dieser Zeit wieder vorbeischauen mögt. 

                 Bad Nauheim

Nun ist es aber noch nicht soweit. 

Frei zu sein bedarf es wenig und wer frei ist, ist ein König. Oder: Froh zu sein bedarf es wenig und wer froh ist ist ein König. Froh, König, wenig bedürfen. Fröhliche Weihnachten, Kind im Stroh. Nette Geschichten rund ums Fest. 
Freiheit ist neu dazugekommen. Sich klar werden, was sich richtig anfühlt und alles wegzulassen was zu viel, zerstreuend oder letztlich unwichtig ist. Keine Zeit des Jahres lädt mehr dazu ein als diese. Und es wird immer schwieriger in einer immer lauter werdenden Welt. Und gerade deswegen immer wichtiger sich zu entscheiden. Viele Male des Tages. Das richtige Maß finden. Frei zu sein bedarf es in diesen Tagen viel. Bleibt noch die Frage ob man König sein will. Ich deute das so: Souverän das eigene Leben, kreativ die vorhandene Zeit und liebevoll die Beziehungen gestalten. Sich nicht vereinnahmen lassen, wenn es sich nicht richtig anfühlt. Wie auch immer, von wem auch immer. Hat man das oft geübt kann man weitergehen und jedem geben, was man eben geben kann, ohne sich selbst dabei zu verlieren. So ist mein Resümee nach Jahrzehnten trial and error. Und ich übe immer noch....



                      Bad Nauheim

Der bekannte Kanon hat noch weitere Strophen. Die letzten Verse mag ich. 

Frösche, die im Nassen sitzen
Mit Vergnügen sich bespritzen.
Eulen, die auf Tannen hocken
Stricken grüne Ringelsocken.


Mal sehn, vielleicht wird dieses Lied heuer unter die Weihnachtslieder geschummelt. Frei zu sein bedarf es schließlich wenig, oder? ...




   
 

Freitag, 2. Dezember 2016

Wir können

Frühlingsbesuch in einem wilden Garten am Atlantik, als uns der Anruf erreicht. Der Kreis schließt sich nun. Genau hier, vor diesem Stein dachte ich daran, was sich wohl in den nächsten Monaten verändern würde. 2016 war für viele ein herausforderndes Jahr, manche Pläne ließen sich nicht verwirklichen, unerwartete Wendungen mussten verdaut werden und neue Pläne aufgestellt werden, selbst wenn nicht klar war, ob es diesmal besser klappen würde. Unsere Flexibilität und unser Vertrauen darauf, dass schon alles seine Richtigkeit hat so wie es ist, wurde nicht nur auf eine Probe gestellt. Wie soll man auch vertrauen, wenn gefühlt alles in die falsche Richtung läuft?!


                                        Glanleam House and Gardens Valentia Island, Irland April 2016

Und dann wieder ein Gefühl von Weite und Freiheit. Durch überraschende Vorkommnisse in den letzten Wochen und Monaten in der Welt denke ich anders über das Zusammenleben nach. Gleichgültigkeit war gestern. Ich habe gelernt, dass nichts in Stein gemeißelt ist. Ich habe geübt mich zu freuen, ob das Leben nun rund läuft oder nicht. Ich bin auch dieses Jahr darin ein wenig gewachsen. Vieles ist doch einfach auch nur eine Frage von Einstellungen und genau die werden in diesen Zeiten abgeklopft.

 
                               Schlosspark Laxenburg, bei Wien, November 2016

Ein bisschen gekränkelt hatte sie, die Kiefer. nach einem heißen trockenen Sommer fielen viele Nadeln, die Krone wirkte leer und krank. Das war letztes Jahr. Diesen Herbst leuchtet sie üppig grün. Mit ihrer ganz eigentümlichen Form erinnert sie mich an Stationen in meinem Lebenslauf. Zacken in der Biografie, Anstrengungen sich wieder neu auszurichten. Eines Tages steht sie da, mit Narben und Einbußen, aber es geht weiter, immer weiter. Sich den Himmel, den Raum erobern. Die Schönheit des Seins feiern, die Wärme, Kälte, stürmische Zeiten, Frost, Sonne, Hitze, Regen und Schnee. Dazwischen staunen über die Jahre die vergangen sind. Eins ums andere. Mitten im Prozess ordentlich hadern (das kann ich gut), macht aber auf Dauer eh keinen Spaß und irgendwann ist die Einsicht auch im Herzen angekommen, dass jede Veränderung tiefen Sinn macht. Es war an der Zeit, schlicht und einfach.


                              Muckross House and Gardens, Irland, April 2016

Wie wäre es gewesen ein Leben allein gelebt zu haben? Kann ich nicht sagen, war bisher nicht. Für mich auch kaum mehr vorstellbar. Zuerst viele Geschwister hinter mir Ältesten. Dann Ehemänner, eigene Kinder. Es gab mich immer eingebettet im nahen täglichen Wir. Zusammen wächst man anders als allein. Fehlt etwas von mir oder von ihm? Man richtet sich an sich selbst aus und gleichzeitig aneinander. Man wird sich ähnlicher und bleibt sich selbst trotzdem treu.

Auch in diesem Jahr besuchte ich geliebte Bäume wie andere Freunde besuchen. Ein schönes Jahr, ich werde zufriedener. Vieles ist gut und was nicht gut ist bekommt Zeit gut zu werden.

Eines der letzten Fotos dieser Tage. Mir blieb fast die Luft weg. Die Braut lupfte die Stoffmassen nur vorne und marschierte im Stechschritt durch die Pfützen. Ihre Schleppe nahm alles mit, was Wind und Regen auf den Wegen versammelt hatten. Es gibt Ziele, da kann so ein bisschen Dreck nicht aufhalten. Das Ziel ist nichts ohne dem Weg. Ich hatte immer emotionale Ziele, die Realität folgte meinen Gefühlen. 
Das passende Leben dazu stellte sich irgendwann von selbst ein.


                                    Schlosspark Laxenburg, November 2016

Lady´s View, das Motiv gabs hier schon öfter. Vor zwanzig Jahren saß ich hier zum ersten Mal. Ich sehe, wie Muster die Biografie durchweben, in meinem Kopf sind es Melodien, Themen die variiert werden, und Wiederholungen, die sich dann doch nie gleichen. Ich gehe wenig nach Plänen, ich folge fast immer dem Ruf meines Herzens. Damit müssen dann andere zurechtkommen, wenn es mal nicht zusammenpasst. 
 

                                         Lady´s View, Killarney, Irland, April 2016

Diese zu Ende gehenden Jahr klopfte uns darauf hin ab, wie wir mit Veränderungen umgehen können. Was sie mit uns machen, wie wir uns fühlen, wie wir reagieren wenn Weichen anders als bisher gestellt werden. Es klingt so abgedroschen: Jeder Tag würde neue Chancen mit sich bringen. Vielleicht werden wir 2017 und darüber hinaus diesen leeren Stehsatz mit mehr Lebendigkeit füllen können. Weil uns vielleicht gar nichts anderes übrig bleiben wird. Auch diese Zeit wird sich in die Lebensmelodie einfügen, ihr eine neue Färbung geben, sie spannend machen.

Wir können schließlich Veränderung, seit unseren ersten Atemzügen.

Mittwoch, 23. November 2016

Bedürfnis nach Wärme

Zum runden Geburtstag vor bald einem Jahr hatte ich diese Schneerose bekommen, die mit kurzen Unterbrechungen während frostiger Perioden den ganzen letzten Winter unermüdlich in seinem kleinen Topf neben der Haustüre blühte. Im Frühjahr stopfte ich die unansehnlichen Überreste unter dem Haselstrauch in die Erde und siehe da, nachdem das abgefallene Laub und sonst so allerlei Topfinhalte, die während der warmen Monate schnell mal unter das Blätterdach der Hasel entsorgt, kürzlich entfernt waren, leuchteten mir gestern diese Knospen entgegen. Die Schneerose beginnt wieder ihren Blütenreigen und wird ihn trotz Kälte und Frost bis zu den warmen Tagen im März aufrecht erhalten. Ich kann gar nicht in Worte fassen, was mir das dieses Jahr bedeutet.




Manchmal zieht es schwer an mir, die Entwicklungen in der Welt, jedenfalls diejenigen, die uns ununterbrochen medial präsentiert werden. Aber nicht nur dort, inzwischen auch direkt erlebte Realität. Sollen wir wollen, dass es kälter wird, mit den Temperaturen auch in unseren Herzen? Manchmal kommt es mir so vor.
Was treibt uns an, was brauchen wir für ein gutes Miteinander? Simples Mitgefühl, sich in einen anderen hineindenken, kann man sich das noch leisten? Zu Beginn des Advents stellen sich mir diesesmal ganz andere Fragen als in den Jahren zuvor. Es geht nicht mehr darum ob wir weniger dem Kaufrausch verfallen oder uns Zeit für Besinnung und Ruhe nehmen, auch nicht darum, was sein muss oder weggelassen werden kann.

Am Sonntag vor Beginn der weihnachtlichen Zeit streifen wir über Plätze der Wiener City. Stricken scheint zurzeit im Trend zu liegen, wie sonst kann man diese Auslagendekoration interpretieren. Riesige Ballen von Kammzügen und daraus gestrickte Vorhänge dahinter zeigen mir dann mehr das Bedürfnis nach Herzenswärme. Denn es ist warm in Wien.



Die Schanigärten sind gut besucht, egal ob mit oder ohne Wärmelampen ausgestattet. Die Stadt ist voll von Touristen, man genießt die hellen Stunden im Freien bei Kaffee und Apfelstrudel und auf den an jeder Ecke befindlichen Weihnachtsmarktstandeln und Punschhütten. 






Amerikaner spielen Straßenmusik, man ertappt sich beim Gedanken, ob sie wohl zu den Auswanderungswilligen gehören und gerade hineinschnuppern in die europäische Welt. Sie spielen gottlob noch keine Weihnachtsmusik. Schlimm, dass diese so negativ besetzt ist, aber gut wenn das unsere einzigen Sorgen wären.



Je mehr die Engeldichte in der vorweihnachtlichen Zeit zunimmt und das tut sie konstant seit Jahren, umso mehr frage ich mich, was man landläufig so damit verbindet. Ist halt süß, sie lassen wahrscheinlich die Kassen klingeln und das wars dann. Eine Welt jenseits der Konsumwelt? Eine Welt die sich Mitgefühl und Herzenswärme leistet, welche nichts einbringt außer das Gefühl menschlich sinnvoll gehandelt zu haben und so, wie man selbst auch behandelt werden möchte mit anderen umgeht. Dazu bräuchte man nicht mal eine Religion.



Manchmal verzage ich ein bisschen, selbst dann, wenn ich denke, dass diejenigen, die eine extremere Wortwahl im Ausgrenzen anderer Menschen verwenden, hätten ihre Gründe dafür und könnten es nicht besser. Wo sind die anderen, die gefestigten, die zeigen, dass es auch anders geht. Es gibt sie in großer Zahl, aber immer öfter verstummen sie, weil sie immer öfter öffentlich eingeschüchtert, bedroht und lächerlich gemacht werden.





Kleine Zeichen der Liebe, des Miteinanders und Mitgefühls werden in diesen Tagen immer wichtiger. Wir dürfen nicht verstummen und so tun, als wäre alles gut. Vieles ist nicht gut und das zeigt sich immer deutlicher. Daneben gibt es fast täglich Zeichen echter Freundschaft und ein Dasein füreinander. Das gibt Kraft. Aufgeben ist keine Option. Wegschauen allerdings auch nicht. Das ist anders geworden.

Zurück zum Garten: Wir starteten einen Versuch im Gemüsebeet. Auf eine Schicht Laub kamen Kartoffeln, die wieder mit einer Schicht Laub bedeckt wurden. Darüber Erde gehäufelt. Wenn der Winter mild wird sollte das klappen und wir können sehr zeitig Kartoffeln ernten. Das geht so: Die Kartoffeln fangen an zu treiben, weil die Laubschicht beim zerfallen etwas Wärme erzeugt. Die Triebe bleiben an der kalten Erde nach oben und unten hin stehen, bis diese im Frühjahr wärmer wird und starten dann schnell durch. Soweit die Theorie. Lassen wir uns überraschen. Bis dahin werde ich täglich nach meinen Schneerosen schauen und nicht aufgeben an eine bessere Welt zu denken und zu glauben.


  


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