Montag, 27. Juni 2016

Bloggeburtstag auf vier Rädern

Und wieder ist er da - Frühsommer - and the living is easy. Pinkfarbene Rosen, deren kleine Blütenköpfe sich in Kaskaden zur Terrasse hinunterneigen, daneben ein großer Lavendel, tief violett blühend. Im Hintergrund die Bienenkästen und die sich im Wind bewegenden Blätter der Birken. Das sehe ich, wenn ich über den Bildschirm meines Computers aus dem Fenster blicke. Keine gute Zeit, um an Beiträgen zu basteln. Das Draußen lockt zu sehr (und mein PC ist da nicht hinauszubewegen). 
Gestern war Bloggeburtstag, der sechste also schon. Ich versuche nachzuvollziehen, wie es zum ersten Beitrag kam. Ist schon komisch, er spiegelt die Schwerpunkte auf *kleine freude* in keiner Weise, zeigt eher die ersten Schritte. Aus einer Lust und Laune heraus. Aus einer Sommer- und Reisefreude heraus. Tja, man sagt den Schützen nach, dass sie gerne reisen, die Freiheit lieben. Insofern passt dieser Beginn zu mir und meiner Lust auf Fluchten aus dem Alltäglichen.




Das allererste Posting auf *kleine freude* hier zum nachschauen, denn zum lesen gab es da noch nicht viel. 




Ich wollte mich nicht festlegen, keinen Schwerpunkt definieren, frei bleiben in dem, was hier zur Sprache kommt. Entwicklung zulassen und selbst dabei zusehen, wohin die Reise gehen würde, inhaltlich wie bildlich. Freude sollte es bringen, das motivierte.
Jetzt aber genug herumphilosophiert und gleich mal mit Auto weitergemacht. Meine Söhne überraschten mich bei meinem runden Geburtstag letzten Dezember mit einem gemeinsamen Ausflug, bei dem ich in einem Auto etwa meines Jahrgangs fahren würde! Vor ein paar Wochen war es dann soweit und wir hatten einen Riesenspaß!
Mit technisch begabten und ausgebildeten Jungs unterwegs zu sein brachte auch noch eine weitere Überraschung, die ich hier mit euch teilen möchte.

Birthday present for Mum

video 
 

Schön sind sie schon, die alten Autos, nach zweihundert Kilometern bedankte sich der Tank allerdings mit über sechzig Euro fürs auffüllen. Die übertrieben vielen PS brauchen ordentlich Saft. 

           Text zur Grafik weiter oben. Zu sehen im Karikaturmuseum Krems, Niederösterreich

Das Ende der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren ist abzusehen, obwohl der Wechsel in die neue Ära viel langsamer abläuft, als ich gehofft hätte. In meiner Lebenszeit möchte ich leise und umweltfreundlich betriebene Autos noch erleben können! 

Mit knapp 700 Beiträgen sind inzwischen viele viele Fotos und Texte unter *kleine freude* abrufbar. Ohne euch Leserinnen und Leser und ohne eurem Feedback gäbe es diese Seite vielleicht gar nicht mehr. Es macht einfach mehr Sinn zu schreiben, wenn man weiß, dass Texte und Bilder auch gelesen und gesehen werden. Damit an dieser Stelle ein großes großes Dankeschön dafür, dass ihr immer wieder vorbeischaut und auch mal einen Kommentar hinterlässt! Ich mache inzwischen weiter, mal sehen wohin die Reise im siebten Jahr geht...


 


Mittwoch, 22. Juni 2016

Mädesüß und Flockenblume

Wanderung mit Lisbeth, einer befreundeten Kräuterpädagogin. Eine kleine Gruppe Interessierter macht sich auf, um Pflanzen auf eine neue Weise kennenzulernen und zu verknüpfen. Mir fallen die Waldkindergärten in Deutschland ein. Kinder verbringen den größten Teil des Tages im Freien, sie werden als Erwachsene einen anderen Zugang zur Natur haben. Wieder so eine Geschichte. Man geht durch die Wiesen und kennt vieles was da wächst nicht.

In vier Stunden verkosten wir wilden Lauch, Rotklee, Triebspitzen und junge Blätter von Linden (sooo lecker!), Beifuß, Spitzwegerich und einiges mehr. Wir nehmen Blätter und Blüten mit, für einen Topfen-Kräuteraufstrich (Kräuterquark) den wir im Anschluss gleich herstellen und genießen werden.



Die Gräser reichen uns bis zur Brust, dazwischen blühen gerade unzählige Wiesenblumen und Kräuter. Solche Wiesen gibt es nicht mehr viele, diese hier auch nur, weil sich in der Nähe Abnehmer für Heu solcher Art finden. Wie kann man sich mit Wildkräutern vertraut machen und ihren Wert erkennen, wenn Vielfalt nur mehr an wenigen Orten gegeben ist, frage ich mich.




Mädesüß (Filipendula ulmaria) also, sie dominierte die Wiesen. Eine hochaufragende Pflanze mit schwebenden Blütenrispen. Eine prominente Heilpflanze, jedenfalls damals, als Wirkstoffe noch nicht synthetisch zusammengestellt worden sind.
Das Mädesüß ist auch Namensgeber des Medikaments „Aspirin“. Lange Zeit wurde aus den Blütenknospen des Mädesüß Salicylsäure gewonnen, ein entzündungshemmender Wirkstoff, der heute synthetisch als Acetylsalicylsäure hergestellt wird. Der Markennamen „Aspirin“ setzt sich aus „A“ wie Acetyl und „spirin“ zusammen. „Spirin“ wurde abgeleitet von den Spiersträuchern (Spirea), denen das Mädesüß damals botanisch noch zugeordnet wurde.
Bei den keltischen Druiden wurde das Mädesüß als Duftpflanze genutzt, indem man seine Blüten auf den Fußboden streute. In England wird es Duftpotpourris zugesetzt. Es war angeblich auch die bevorzugte Aromapflanze von Königin Elisabeth I.
Das Mädesüß eignet sich mit seinem süßlich herben Geschmack zum Aromatisieren von Speisen und Getränken, vor allem in der französischen oder belgischen Küche findet es daher gerne Verwendung. Auch zum Würzen von Met wurde es früher verwendet.
Quelle: http://gesund.co.at/maedesuess-heilpflanzenlexikon

Neben all den Heilkräutern sticht plötzlich eine Rarität ins Auge, eine zarte kleine Orchidee, zum Glück sind wir nicht daraufgetrampelt.


Ein bisschen dasitzen und das Ganze wirken lassen. Eine klare Heiterkeit umgibt uns. Die Natur so verschwenderisch mit ihren Geschenken. Hier wird nicht gedüngt, gerade deswegen herrscht Gleichgewicht und Fülle. Alles was hierher passt kann hier wachsen, alles was genau diesen Boden mag findet genug Platz zwischen all den anderen Arten, findet seine Nische und kann einen vollen Zyklus durchlaufen. Wie selten das in dieser Gegend geworden ist!



Noch ein Beispiel: Die Kleine Braunelle (Prunella vulgaris) hat im Unterschied zum Mädesüß schon jeder gesehen. Sie wächst verbreitet auf Waldwegen und Wiesen.
Beinamen wie Gottheil oder die englischen Bezeichnungen Self-Heal und Allheal belegen, dass die Kleine Braunelle in früheren Zeiten auch in Europa als Heilpflanze geschätzt und sogar als eine Art Universalheilmittel gepriesen wurde. Volksheilkundlich wurde sie bei Entzündung und Geschwüren im Mund- und Rachenraum, bei Magen-Darmerkrankungen, zur Fiebersenkung und zur Wundheilung verwendet. Nach der Einführung chemischer Medikamente geriet sie – wie so viele pflanzliche Heilmittel – weitestgehend in Vergessenheit.
Quelle: http://www.wildkrautgarten.de/2014/08/04/die-kleine-braunelle-ein-vergessenes-allheilmittel



Wir sammeln nicht allzu viele verschiedene Pflanzen, schließlich wollen wir uns einiges merken und in unser Alltagsgedächtnis integrieren. Bei der Wiederholung tun sich schon breite Lücken auf, ach herje, das darf es doch nicht geben! Ich wiederhole und versuche mir einzuprägen...



Nun aber zum kulinarischen Teil.


Gemeinsam werden die gesammelten Kräuter verarbeitet, alles appetitlich angerichtet und dann unter dem Blätterdach einer Akazie verspeist. Wir sitzen da, genießen die abendliche Sonne und eine gewisse Nachdenklichkeit liegt in der Luft. Ein Tag ohne Handy ist für uns kaum mehr vorstellbar, hingegen in einer Wiese zu sitzen fühlt sich fast schon ein bisschen luxuriös an...



Mir scheint, es hat bei einigen Klick gemacht. Die anfängliche Scheu etwas einfach so von der Wiese zu pflücken und in den Mund zu stecken machte mehr und mehr Neugier Platz. Wie würde dieses oder jenes schmecken. Oh der wilde Lauch ist richtig scharf! Geht das überhaupt? Es ist ja nicht aus dem Supermarkt, nicht einmal aus dem Garten. Muss man da nicht höllisch aufpassen, um nicht an etwas Giftiges zu geraten, mit schlimmen Folgen oder so? Unsere engagierte Lehrerin probiert einen Pilz, sie leckt an der Schnittfläche, ahhs und ohhhs raunen durch die Gruppe. Aber siehe da: Man stirbt nicht so schnell. 



Mit ein paar Pflanzen bin ich vertraut geworden, ab nun werde ich sie immer erkennen. Ob das wichtig ist? Ich denke ja! Man achtet etwas viel mehr, wenn eine Beziehung aufgebaut werden konnte. 
Das süße Mädl und der flockige Junge hüpfen durch unsere Erinnerung, sie werden uns noch lange begleiten und hoffentlich viele Geschwister bekommen





Dienstag, 14. Juni 2016

Die schönsten...

...Bilder der letzten vier Wochen. In den Monaten Mai und Juni könnte ich den halben Tag in den Garten schauen. Einfach nur schauen, genießen, Düfte schnuppern und Entwicklungen antizipieren. Verheißung von Fülle und Schönheit verwirklicht sich manchmal innerhalb von nur wenigen Tagen. Und die Bilder ändern sich schnell. Farben harmonieren oder lassen unterschiedliche Schwerpunkte entstehen. Was sich an einem Tag zum sattsehen zeigte macht bald einem neuen Fokus Platz. Die Farben von gestern beginnen sich zu verändern oder bilden sich am Boden als flüchtiger Teppich ab, bevor der nächste Wind oder Regen die Erinnerung verblassen lässt.



Manche von euch kennen unseren Garten schon ein wenig und erkennen manche Sichten wieder. Doch gibt es jedes Jahr Überraschungen. Vorfreude auf den Blütenzauber eines bestimmten Lieblings erfüllt sich oft, aber genauso sicher muss ich mich beinahe jedes Jahr von einer liebgewonnenen Pflanze verabschieden, weil sie plötzlich nicht mehr mag, aus welchen Gründen auch immer. Seht nur auf die Ramblerrose rechts neben den Bienenkästen im Bildhintergrund. Vor vier Wochen sah sie noch halbwegs normal aus.
Umso größer die Freude, wenn vertraute Bilder wiederkehren und Pflanzen um die Wette wachsen und blühen, wie hier der Zierlauch unter dem immer größer werdenden und immer stärker schattenwerfenden Apfelbaum. 




Dem hängenden Maulbeerbaum schneide ich die Triebe mittlerweile jedes Frühjahr radikal zurück, so haben die Hostas und und Purpurglöckchen zu seinen Füßen genug Licht, um sich gut zu entwickeln. Inzwischen reichen die Wedel ja außerdem schon wieder fast bis zum Boden.




Nachdem vor zwei Jahren ein unkundiges Helferlein, auf dessen angebliche Sachkundigkeit ich blind vertraute, den Großteil der Katzenminze ausgerottet hatte und letztes Jahr große Lücken klafften, freute es mich doppelt, dass diese Staude nun wieder einen flächendeckenden Teppich unter den Rosen bildet.



Zwei Wochen später blühen die David Austin Rosen, dieses Jahr besonders schön! Graham Thomas, die dunkelgelbe und Lady Emma Hamilton, die tieforange niedrige englische Rose. Letztere mit einem unglaublich fruchtig süßen Duft. Im Bergland gingen oft schwere Gewitter mit Starkregen und Hagel herunter, wir hatten bisher Glück und wurden nur mit heftigen, meist kurzen Güssen versorgt, für die ich dankbar bin. Der Garten zeigt deutlich, dass das Nass von oben nicht gleichwertig zu ersetzen ist. Auch große Hitze wie in anderen Jahren auch schon im Mai und Juni fehlte bisher, die Rosenblüten behielten lange ihre Farbe, und strahlen frisch unter der Sonne wenn dann der Regen weitergezogen ist. Ein so abwechslungsreiches und angenehmes Frühlingswetter hatten wir schon viele Jahre nicht mehr.



Eine meiner Lieblingspfingstrosen, die Blüten sind so groß, dass meine Hand fast zweimal hineinpasst.

Mehr vom gleichen in Bildern. Sorry, es war einfach zu schön dieses Jahr! Die Graham Thomas schaffte ich im März nicht zur Gänze zurückzuschneiden. Der letzte Schnitt im Herbst diente nur dem Schutz gegen eine eventuelle Schneelast. Fünf große Stöcke nahmen das nicht übel und blühen nun schon seit mehreren Wochen üppig. 




Hier eine Blüte der Lady Emma Hamilton, Orange/gelb/rosa, ein Traum von einer Rose.




Im nächsten Bild wird das Sterben der Ramblerrose offenkundig. Ich wartete mehrere Wochen ab, sie verfiel immer mehr, sodass vorige Woche die Entscheidung leicht fiel. Von der Terasse geht der Blick schnurstracks zu diesem Gartenteil und ich wollte mir den sterbenden Riesen nicht länger anschauen. Wie es jetzt dort aussieht? Naja, die blaue "Türe" ist wieder "da", genauso wie Teile des Maschendrahtzauns, grrr (irgendwas ist ja immer).



Unsere zwei Bienenvölker sind fleißig, zu Pfingsten wurde das erste mal Honig geschleudert. Inzwischen dürfen sich zwei weitere Völker aus Ablegern entwickeln.


Der Wollziest beginnt aufzublühen, Leckerbissen für die Bienen vor ihrer Haustüre. Außerdem steuern die stets Fleißigen zurzeit die nahen Linden an der Ortstraße an. Bald blüht auch der Lavendel, das gibt ein Fest.




Die blaue Türe war von der Ramblerrose komplett verdeckt gewesen. Sie geht nirgendwo hin auf, ist am Zaun festgemacht und einfach nur so da. Vor vielen Jahren fand ich sie im Schuppen, besorgte Farbe und strich sie ohne irgendwelche Vorarbeiten an. Kaum etwas ist seither abgeblättert, ich mag den Blick zu ihr hinüber. Sie ankert und verspricht gleichzeitig Ausflüge in eine andere Welt. Man kann sie nicht öffnen und doch fliegen die Gedanken genau dort um die Ecke. Einmal blaue Tür und zurück. Ist ein Tag vergangen, eine Stunde, oder ein Monat? Fliegt die Zeit oder steht sie still? Ich fühle sie Kreise machen, große und kleine und manchmal drehe ich mich mit, einfach so, weil Freude zwischen den Farben tanzt und das Leben rundherum sich immer wieder verändern kann.



Sonntag, 5. Juni 2016

85 Fragen / 3

*Was ist das Beste am älterwerden?*

Meine Mutter lebte noch als sich die ersten Zeichen der Krise in der sich die Welt nun wiederfindet, zu zeigen begannen. Umweltzerstörung, Finanzkrise und das Auseinanderbrechen vieler Strukturen, die vor ein paar Jahren noch in Stein gemeißelt schienen. Damals sprachen wir ein wenig über die Zeichen der Zeit, über Veränderungen und deren mögliche Folgen. Was vielen Menschen damals schon Unbehagen bereitete quittierte meine Mutter mit folgenden Worten: Ich habe keine Angst, ich habe schon einmal erlebt, dass man ohne allem da steht und doch geht das Leben weiter und es findet sich meist für alles eine Lösung. Ich staunte damals über diese Äußerung, schließlich liegt die Angst etwas zu verlieren wenn die Zeiten schlechter werden nah, aber gleichzeitig fühlte ich, was Lebenserfahrung im besten Fall zu leisten vermag. Ob Zahnarztbesuch, die Geburt eines Kindes, ein Abschied von einem geliebten Menschen, Enttäuschungen der kleinen oder größeren Art, es gibt fast nichts Schlimmes, was nicht schon mal da war und gemeistert wurde. Letztendlich geht es dabei gar nicht darum, wie gut oder schlecht das gelungen ist. Es zählt die Erfahrung für sich.



Zu jedem Thema findet sich mindestens ein Kleinod im Erinnerungsspeicher. Tupf mich an und werfe mir ein Wort vor die Füße und ich werde eine Verbindung zu meinem Leben finden. Wenn nicht selbst erlebt, dann gelesen, gehört, gefühlt, nachvollzogen, verstanden oder sein gelassen. 
Gelassen Sein. Dafür lohnt es sich doch noch etwas zu tun. Irgendwas ist ja immer. Auch das ist längstens bekannt. Das nächste mal wird es so sein und wenn nicht, dann eben das übernächste mal...


In dieser Serie geht es um Fragen, die zu stellen sich lohnen. Fragen die hier in loser Folge gestellt werden und zum überprüfen anregen wollen

Hier die bisher erschienenen Folgen zum nachlesen.


Samstag, 28. Mai 2016

Role model

2016 ist das Jahr des Frühlings. 2015 war Sommer, ein krachend heißer, wenn auch nicht endlos langer, aber absolut besonders mit vielen vielen Hitzetagen.

Dieses Jahr ist nun schon fünf Monate alt und es spielt alle Facetten des Frühjahrs in epischer Breite, als gäbe es gar keine anderen Jahreszeiten mehr. Hatten wir überhaupt einen Winter, man versucht sich zurückzuerinnern und kann keinen Schnee aus keinem Winkel des Gedächtnisses hervorholen. Wie denn auch, es gab ja kaum Schnee und ja genau: Der Frühling begann irgendwann im Januar, nach ein paar Tagen winterlicher Kälte kroch er unauffällig aus den Beeten, setzte sich fest, um nie wieder zu gehen. So jedenfalls fühlt es sich bis heute an. Heute und auch schon gestern ist Sommer, Frühsommer. Gerade als ich aufgeben wollte. Mein Projekt, eine Pfingstrosenblüte bis zu ihrem aufblühen zu begleiten wurde ein wenig langweilig. Wochenlang das gleiche Bild. Geh bitte. Andererseits dankte ich dem Himmel für diese Zeit, denn was zunächst sehr früh begann, nämlich warme Tage, wendete sich im Laufe des April und Mai ins Gegenteil. Kühle Nächte und mäßig warme Tage verzögerten das Wachstum vieler wärmeliebenden Pflanzen. Ein später, wenn auch nur kurzer Frost jagte Schrecken durch die Gärten und die Landwirtschaft. Wenn ich es noch nicht gewusst hätte, jetzt ist es definitiv: Pfingstrosen brauchen für ihr aufblühen Wärme. Die Fotostrecke unten zog sich über ganze zwei Wochen und die letzten zwei richtig warmen Tage zündeten wie eine Rakete.




Vorfrühling, Frühjahr und Frühsommer. Hochsommer und Spätsommer, Altweibersommer. Herbst und Spätherbst. Winter. Kein Frühherbst und keine Frühwinter oder gar Spätwinter. Unsere Umgangssprache taucht durch die kalte Zeit, selbst wenn sie manche Jahre endlos lange scheint mit einem einzigen Begriff. Manchmal darf es tiefwinterlich sein. Aber damit ist auch schon genug. 

Frühling 2016 war mein Lieblingsfrühling, mein role model. Alle folgenden werden an diesem gemessen werden. So viel Freude am langsamen aufwachen der Natur! So viel Zeit, um notwendige Arbeiten im Garten in aller Ruhe zu erledigen. So viel Lust am schauen und beobachten. Nun geht er. Geht er wirklich? Vielleicht bleibt er noch ein wenig, bringt noch kühle Tage, Regen und mehr Zeit für Blüten in den Frühsommer hinein. Jetzt sind die Rosen dran. Deren Blüten mögen Hitze nicht, allzu schnell verblassen die Farben, fallen die Blütenblätter. Wir werden sehen...



Freitag, 20. Mai 2016

Von Bäumen begleitet / 18

Vorbei an einer ausgesuchten Schönheit geht es zu den Geleisen, davor bieten kleine Flugdächer Schutz vor Regen. Wir stehen vor dem Bahnhof meiner Bezirksstadt Mödling. Der Bahnhof einer Schulstadt, Tausende Schüler finden sich hier für kurze Zeiten des Tages ein. Und Pendler, nach Wien, von Wien. Einer der sicherlich am stärksten frequentierten Plätze der Stadt, ganz und gar kein verschlafener Bahnhof also. 



Mitten da, mit sorgsam verbautem Fuß, wächst ein Blauglockenbaum und gegenüber noch einige seiner Brüder. Welch eine Pracht in dieser nüchternen Umgebung. Aber auch ein Beispiel dafür, wie "unsichtbar" sich Bäume machen und oft nur "sichtbar" werden, wenn sie gefällt werden mussten. Weil sie dann fehlen, sehr fehlen. Bis dahin sorgen sie für ein besseres Mikroklima, schlucken Lärm und bieten Schatten und natürliche Kühle an heißen Tagen. Ich bin mir sicher, dass viele verneinen würden, wenn man sie fragte, ob an dieser Seite des Bahnhofs ein Baum steht. Denke an einen öffentlichen Platz in deiner Nähe und versuche dich zu erinnern, ob und wo da Bäume stehen und überprüfe das. Du wirst staunen, da bin ich sicher! 



Selbst an solch einer spektakulär schönen Baumart sieht man leicht vorbei, wenn der Kopf voll ist mit Einkaufslisten, Liebeskummer, Zuspätkommangst. Auf der anderen Seite des Bahnhofs ein kleiner Park und Bänke, hinter den Taxistandplätzen. Da atmet es sich gleich leichter, daran würde man sich vielleicht erinnern. Dort sich hinsetzen weniger. Es eilt, das Leben eilt, es eilt immer. Die Züge warten nicht, wer zuletzt zum Bus kommt quetscht sich mit Schultasche vielleicht nicht mehr hinein und muss auf den nächsten Bus warten, tägliches Gerangel.

Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa) hört in Österreich auch auf den Namen Kaiserbaum, überliefert als Lieblingsbaum des Kaisers Franz Joseph. Der Monarch, der viele Jahrzehnte ein verhältnismäßig großes Reich in Europa regierte und dessen Todestag sich im November zum hundersten Mal jährt. Der Kaiser starb in bewegten Zeiten und kurz nach seinem Tod endete die jahrhundertelange Führung Österreichs durch das Herrscherhaus der Habsburger. 




Faszinierend an dieser Zierbaumart auch, dass die schönen Samenkapseln über den gesamten Winter auf den Zweigen hängen bleiben. Als wollten sie den Eilenden zurufen, das Leben auch mal gemach gemach zu leben. Einen Kontrapunkt zu setzen. Innezuhalten, zu schauen, zu fühlen. Hier am Bahnhof: Seht, die Zeit steht auch mal still.....



Mein Großvater mochte den Kaiser. Er war Kaufmann in einem sehr kleinen Dorf südlich des Balaton im ungarischen Teil der Monarchie Österreich-Ungarn, er taufte seinen Erstgeborenen, meinen Vater auf den Namen des Kaisers, Ferenc Jozsef. Das war lange nach dem Zusammenbruch des großen Reiches. Mein Vater kam nach Wien und unterrichtete viele Jahre an der Gartenbauschule, die sich auf dem Areal des Schlosses Schönbrunn, dem Prachtsitz der Habsburger und Hauptsehenswürdigkeit Wiens, befindet. Das hat meinen Großvater sicher mit Stolz erfüllt und der Welt wie er sie mochte ein bisschen mehr Farbe gegeben. 

Nun, ich glaube nicht, dass der Kaiser diesen Baum nur  deshalb bevorzugte, weil die Farbe der Blüten auf den Adel hinzielte - blaublütig eben - denn eine majestätische Erscheinung bietet der Blauglockenbaum in jedem Fall, besonders zur Zeit der Blüte. Es gibt nicht so viele Bäume hier in unseren Breiten, die so prunkvoll blühen, die Farbe, auch ein bisschen ins zartviolette gehend tut ihr übriges. Die Samen allerdings erinnern so gar nicht an Kronen, eher an die Schellen der Hofnarren und Joker auf Spielkarten. Der Hof lässt auch da grüßen.



Hundert Jahre nach dem Frühling, in dem der alte Kaiser zum letzten Mal die Blüten seines Lieblingsbaumes bewundern konnte, muss Österreich und Europa wieder in herausfordernden Zeiten bestehen und zu neuen Lösungen kommen. Was kann man mitnehmen, was hinter sich lassen? Was zu neuer Blüte bringen? 

Einen Blauglockenbaum wollte ich in meinem Garten pflanzen, allein die Lücke, die sich auftat scheint zu klein. Soll ich es versuchen? Vielleicht als Tribut an den Großvater, als Erstgeborene mit einem, in Adelskreisen durchaus beliebten Vornamen? Ein Hauch Klischee und Nostalgie aus alten Zeiten? Dem Baum wäre es egal, er müsste sich plagen um zu überleben, seinen Raum nehmen und sich mit den jungen Birken einigen. Ich überlege noch...


Mehr Infos zum Blauglockenbaum hier.

Hier findest du alle Beiträge zur Serie "Von Bäumen begleitet"

Sonntag, 15. Mai 2016

In sich selbst...

... die Fülle des Lebens entdecken. Auf einem Rundgang durch den Garten.
Der Garten als Lebensschule.

Pantha rei. Man kann nicht zweimal in den selben FLuss steigen.
 Die Flusslehre ist im Zusammenhang mit Heraklits Lehre von der Einheit aller Dinge zu verstehen:
„Verbindungen: Ganzes und Nichtganzes, Zusammengehendes und Auseinanderstrebendes, Einklang und Missklang und aus Allem Eins und aus Einem Alles.“  (Quelle Wikipedia)

Viel leichter und drängender sichtbar wird dieses Prinzip des ewigen Werdens und Wandelns für mich im Garten. Der Gedanke, den Faden zu etwas, das früher gut gepasst hatte und von Lebendigkeit vibrierte in der Zukunft wieder aufzunehmen um die gleichen Ergebnisse zu bekommen, ist nachvollziehbar, besonders, wenn die Zeiten schwieriger erscheinen. Aber kann diese Einstellung vorhersehbare Ergebnisse liefern?

Ganz glücklich mit der heurigen Erscheinung des Zierlauchbeetes hole ich die Kamera und bremse mich an einem zarten Trieb der Clematis jäh ein. Angesichts dieses zauberhaft anmutigen Bildes tritt alles andere für den Moment in den Hintergrund. Eine Tänzerin im Reich der Naturerscheinungen lehrt mich das Leben auf eine neue Art zu sehen. Nicht wirklich neu - natürlich nicht - und trotzdem: die vorwärtsstrebende Kraft dieses Bildes hüllt mich in eine hoffnungsvolle Wolke an Zuversicht für kommende Zeiten. Es liegt in uns selbst, wie wir die Zeit gewichten, welchem Inpuls wir Energie und Auftrieb geben, welchem "Gott" wir dienen.

Die Kunst des Gleichgewichts im Vorwärtsgehen. 
Nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam, anmutig, mit voller Kraft, aber ohne unnötigen Verschleiß. Wer kann das heute noch?! Baupläne sind ja vorhanden, wie auch die Clematis nicht am Boden grundelt, sondern alles in seiner Umgebung nimmt, um dorthin zu gelangen, wo sie sich am besten entfalten kann. Sie nützt ihr eigenes Vermögen optimal und schielt nicht nach den Vorzügen anderer Pflanzen in ihrer Umgebung. Sie entfaltet ihr Selbst ...


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