Montag, 2. Mai 2011

Die Weide / Willow im Keltischen Baumkreis

Ähnlich der Birke sind viele Menschen mit der Weide (Salix) doch vertraut, auch wenn sie sich nicht sonderlich für Bäume interessieren. Sie kann uns mit ihrer einzigartigen Schönheit für sich einnehmen. Im Ogam Alphabet ist ihr das S zugeordnet, ihr Name Saille. Auch dieser heilige Baum braucht feuchte, nährstoffreiche Böden und ist der dritte Baum nach Esche und Erle im Keltischen Baumkreis, der stark mit dem Element Wasser verbunden ist. Leicht nachvollziehbar, ist doch Irland übersät mit größeren und kleineren Seen und  Wasserläufen, ideale Lebensbedingungen also für diese Baumart.


        Frühlingsbild einer Trauerweide in Blarney Castle Gardens, Irland

Es gibt unzählige Arten der Weide, besonders bekannt ist die Salweide, die Silberweide, die Korbweide oder die Trauerweide. Es kommt leicht zu Kreuzungen verschiedener Arten, weswegen immer neue  Merkmalskombinationen entstehen, die auch fortpflanzungsfähig sind.

Die Weide verfügt über einige faszinierende Eigenschaften. In der Birke haben wir schon eine Pionierbaumart kennengelernt, die Weide hat ihr voraus, dass sie extrem schnell keimt, rasch wächst, eine hohe Regenerationsfähigkeit hat, aus abgebrochenen Ästen gerne wieder austreibt und generell sehr ausschlagsfreudig ist. Wer kennt nicht die pelzigen, silbrig schimmernden Kätzchen der Salweide, die je nach Wetter schon Ende Januar erscheinen und sobald sie blühen die Hauptnahrungsquelle für den Bienennachwuchs stellen.


Die Samen der Weide sind die kleinsten unter den Baumsamen, können vom Wind sehr weit fortgetragen werden und keimen sofort oder gar nicht, da sie nur kurz keimfähig sind.

Irland bietet das perfekte Klima für diese schnell wachsende Baumart.

Hier im Bild blühende Silberweide (Salix alba)



Dieses Foto zeigt Weidenkeimlinge vor Mitte April. Bald nachdem die Blütenkätzchen abgeblüht sind, reifen die Samen heran und schnell schießen schon die ersten jungen Pflänzchen aus dem Boden.

Nach einem Schnitt erscheinen unzählige biegsame und elastische lange Jungtriebe. Man nützte zu allen Zeiten diese Eigenschaften für die Herstellung von Körben, Zäunen und sonstigen Flechtwerken.




Die sogenannten Kappweiden (Kopfweiden) werden regelmäßig bis zum Stamm geschnitten, damit sich viele Triebe bilden.
Weidenrinde enthält den schmerzstillenden und antirheumatischen Stoff Salicin, schon die Babylonier kannten die heilbringenden Wirkstoffe der Weide. Erst in den letzten paar Jahrzehnten können Schmerzmittel auch synthetisch hergestellt werden. Bis dahin zählte der Grundstoff aus der Weide zu den wichtigsten Heilmitteln in der allopathischen Medizin.


             Alle Fotos aus der Umgebung von Wien

Weiden werden nicht leicht sehr alt, ihre Stämme bilden bald Hohlräume, die von Eulen und Fledermäusen gerne als Nistplätze genutzt werden.

Dieses Bild zeigt uns symbolisch, dass die Weide mit den Kräften des Mondes und der Frauen assoziiert wurde. Das zyklische Geschehen ist auch durch den schnell ablaufenden  Vegetationszyklus leicht nachvollziehbar.



Hexenbesen sollen aus Weidenzweigen gefertigt worden sein, Ranke Graves verweist im Zusammenhang mit der Weide als Heiligen Baum auf  Menschenopfer, die Mondgöttin und die Zauberei. Allzu durchgängig wurde durch die Jahrhunderte heilkundigen Frauen alles Böse untergeschoben, dem möchte ich hier nicht noch einmal Raum geben.

Die Weiden, denen ich auf meinen Streifzügen durch die Natur begegnete haben mich gebeten, dem wahrnehmen Raum zu geben. Fasziniert von ihrer unermesslich großen vitalen Kraft suchte ich nach einem Zugang zu ihrer Stärke und bekam folgende Antwort: 
Weidensamen haben ein sehr kurzes Zeitfenster, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Voll mit Plänen, Gedanken, jede Minute nützend, geht unsere Fähigkeit verloren die "Gunst der Stunde" erkennen zu können.

Auf Impulse aus unserem Inneren zu achten, intuitiv die Qualität der Zeit zu erkennen und danach zu handeln mag nach außen hin nicht immer nachvollziehbar richtig sein. Wer dies allerdings beherrscht, merkt wie leicht das Leben werden kann, denn alles ist mit allem verbunden und wer die Zeichen erkennt, hat Zugang zum Fluss des Lebens. Dem Unsichtbaren Raum geben, sich treiben lassen, vertrauen, den besten Moment erkennen und dann handeln ist eine hohe Kunst. "Hört auf zu kämpfen und lauscht dem Raunen des großen Geistes. Sie ist immer mit euch!"


                    Winterbild einer Silberweide

Diese Serie zum Keltischen Baumkreis erscheint auch im Irlandblog von Markus Bäuchle: Berichte von der Insel. Fast täglich. Der Journalist und Wanderer schreibt über Irland. Über aktuelle Ereignisse, interessante Hintergründe und Irland als Urlaubsland - und - er bietet auch  mehrmals jährlich Wanderwochen an.  Hier könnt ihr mehr über meine Erlebnisse dazu lesen. Selbstverständlich findet ihr alle Info dazu auf Markus´Blog.






Kommentare:

  1. Die gute, alte Weide. Da haben wir hier ja irische Verhältnisse. Sie wachsen am Ufer "wie wild".
    Sobald mein Computer die wurmzerfressenen Fotos wieder ausspuckt, werde ich auch einen Bericht über die Weide verfassen.
    Heute mache ich eine Kräuterwanderung, da ist die Weide das erste "Kräutlein" von dem ich erzählen werde.
    Danke für deine Weiden Ein- und Ausblicke.

    LG Heidi

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  2. Liebe Elisabeth,
    vielen Dank für diese ausführlichen und interessanten Weideninfos. Ich mag Weiden sehr gern, die Trauerweide ist mein absoluter Lieblingsbaum, den ich gerne im Garten gehabt hätte, aber das hätte den Rahmen wohl gesprengt...So haben wir nun eine Korkenzieherweide (aus Zweigen gezogen) und in unserer Vogelschutzhecke fühlt sich eine Grauweide wohl, obwohl der Boden dort nicht besonders feucht ist.

    Liebe Grüße von Bärbel

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  3. Liebe Elisabeth,

    wieder müssen wir Dir danken für diesen wunderschönen Post. In Bild und Text toll und interessant gestaltet.

    Liebe Grüße
    Jutta

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