Freitag, 27. Mai 2011

Der Weißdorn / Hawthorn im Keltischen Baumkreis

In den letzten Wochen blühte der Weißdorn (Crataegus). Er zählt zu den heiligsten Bäumen der Kelten und vermag uns aktuell zu der Zeit, die ihm im Baumkreis vom 13. Mai bis 9. Juni zugeordnet wurde mit seiner Erscheinung zu bezaubern. Er verkörperte im Ogam Alphabet das H, sein Name war UATH.


Ob solitär oder als Teil einer Hecke, im Südwesten von Irland begegnen wir dem Weißdorn beinahe auf Schritt und Tritt.

Nüchtern betrachtet qualifizierte sich dieses eher strauch- als baumartig wachsende Gehölz zunächst als natürlicher Zaun für kleine Siedlungen und einzelne Gehöfte. Zusammen mit anderen dornigen Pflanzen bildete es dichte Abgrenzungen am Rande der Weiden und bot Schutz für Menschen und Nutztiere vor Raubtieren und plündernden Vaganten. 


                                  Weißdorn wächst langsam, kann aber bis zu 600 Jahre alt werden.

Auch heute noch ist der Weißdorn ein wichtiger Bestandteil der Hecken in Irland. Zur Blütezeit im Mai verwandelt sich dieser je nach Unterart mitunter sparrig wachsende Strauch, der zur Familie der Rosengewächse gehört in eine Art Brautstrauß der Natur an dem man sich kaum satt sehen kann.


Das Holz konnte aufgrund seiner Härte sehr gut für Alltagsgegenstände, wie Spindeln, Dreschflegel, Holznägel oder Wanderstöcke verwendet werden. Die Früchte, kleine rote, mehlige Beeren wurden roh gegessen und zu Mus verkocht oder in Brot eingebacken.
Durch viele Jahrhunderte war der Weißdorn der weißen Göttin geweiht, später als Wohnstatt der Feen angesehen und sogar noch bis herauf in unsere Zeit geehrt. Wo er wuchs gab es  Pforten zur Anderswelt.
In seinem Umkreis erschloss sich dem Kundigen die Möglichkeit Rat und Hilfe zu bekommen. Nach der Zeit der Druiden versuchten die Menschen die Feen mit auf Zweige gebundenen Stofffetzen sanft zu stimmen. Solche über und über behängten Büsche gibt es immer noch an manchen heiligen Plätzen in Irland und der Glaube, dass das fällen eines solchen heiligen Baumes tödliches Unheil nach sich ziehen würde hält sich hartnäckig.


Blätter, Blüten und Früchte enthalten Stoffe, die eine stärkende Wirkung auf das Herz haben, dabei aber sanft und nachhaltig wirken. Sie verbessern die Durchblutung des Herzmuskels und können auch über längere Zeit eingenommen werden. Gerade in unserer Zeit kommt dieser Heilpflanze besondere Bedeutung zu, Erkrankungen des Herzens gelten in der westliche Welt als häufigste Todesursache. Unsere von der Natur in weiten Teilen abgekoppelte und hektische Lebensweise belastet das Herz ganz allgemein.
   


Die Bereitschaft dem Stärkeren Recht zu geben, den eigenen Vorteil als Richtschnur zu nehmen und Mitgefühl als entbehrlichen Luxus zu betrachten lässt uns in einer herz-losen Gesellschaft zurück, die auf Geld und Macht und den Erhalt davon setzt. Vielleicht sollten wir uns auf die wunderbar unterstützenden Eigenschaften dieser alten Heilpflanze besinnen und uns öfter unter ihren Schutz begeben.
Andererseits besteht im Volksglauben nach wie vor eine ambivalente Haltung diesem Baum gegenüber. Er soll auch Menschen und Tieren Unheil gebracht haben, wofür allerdings die Ursachen stets in einem Fehlverhalten der Betroffenen zu suchen waren.



Diese Teilnehmerin einer Wanderwoche nützt die Rastzeit für eine Begegnung mit einem Weißdornbaum in Glengarriff. 




Ich muss zugeben, dass ich beim Weißdorn eine geheimnisvolle Aura stärker als bei anderen heiligen Bäumen empfinde. Wie eine Art Tor in andere Welten zieht es mich in seine Nähe. Nach einer Weile eingestimmt, begegne ich mir in einem unbekannten Teil meines Selbst, ein kleiner Zipfel lüftet Farben, die bekannt und doch fremd erscheinen. Eine Ahnung von den Tiefen der Seele tut sich auf. 
Würde der Weißdorn mich vor bedrohlichen Abgründen schützen, wie früher die Schafe vor den Wölfen? Würde er mir ein risiko- und schmerzloses Leben versprechen? Wohl kaum, so ist das Leben nicht. Aber wie in einem bedrohlichen Traum, in dem man sich seinen Ängsten stellt, dem Angreifer ins Gesicht sieht und über sich hinauswächst, verspricht ein mutiges einlassen auf die Herausforderungen des Lebens einen großen Gewinn. Innere Stärke, Klarheit und Herzensbildung wären ein schönes Ziel. Immer wieder durch diese Pforte von der Oberfläche in tiefere Schichten des Seins zu treten, könnte uns helfen mehr und mehr mit unseren inneren Ressourcen in Verbindung zu kommen. 

Auch Heidi von allerley kräuterey hatte eine Begegnung mit dem Weißdorn und postete kürzlich dazu. Über den Link kommt ihr direkt zu ihrem Bericht.

Diese Serie zum Keltischen Baumkreis erscheint auch im Irlandblog von Markus Bäuchle: Berichte von der Insel. Fast täglich. Der Journalist und Wanderer schreibt über Irland. Über aktuelle Ereignisse, interessante Hintergründe und Irland als Urlaubsland - und - er bietet auch mehrmals jährlich Wanderwochen an.  Hier könnt ihr mehr über meine Erlebnisse dazu lesen. Selbstverständlich findet ihr alle Info dazu auf Markus´Blog.

Kommentare:

  1. Wie schön, Elisabeth, dass du den Weißdorn aus keltischer Sicht beleuchtet hast -aber nicht nur- Deine Sicht ist natürlich auch dazugekommen.
    Interessant, was du über diesen Busch zu berichten weißt.
    Danke dafür.
    LG Heidi

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  2. Huhu Elisabeth :o)
    Ich finde es auch sehr interessant was du über den Weißdorn schreibst. Das Foto ist einfach traumhaft, & diese wahnsinns tolle Landschaft :o)

    Die Blüten sind auch wunder schön Feenhaft ;o)

    Lieben Gruß Nicole

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  3. Hallo Elisabeth,
    wieder einmal ein sehr interessanter Bericht! Das erste Foto ist einfach nur toll, diese raue Landschaft mit dem malerisch gewachsenen Weißdorn, der sich als Solitär wirklich sehr gut macht. Hier sieht man ihn ja meistens eher in Hecken integriert (wir haben auch 2 in unserer Vogelschutzhecke am Ende des Grundstücks), wo er sich nicht so gut entfalten kann.

    Ich bin gerade noch Deine letzten Posts durchgegangen, die ich leider aufgrund akuten Zeitmangels verpasst habe. Besonders gut hat mir Dein Bericht über die Schaffarm gefallen. Seit ich das erste Mal in England war, mag ich Schafe, insbesondere Lämmer, total gern. Der Anblick einer Herde Schafe auf einer Weide hat irgendwie etwas Beruhigendes und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass John seine Arbeit mit diesen wundervollen Tieren liebt, wenn sie auch nicht besonders einträglich ist. Allerdings könnte ich nie und nimmer Lammfleisch essen...

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag! Bärbel

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