Dienstag, 26. Januar 2016

Von Bäumen begleitet / 16

Englische Gärten sind weltweit bekannt, oft beschrieben und häufig besucht. Allgemein weniger bekannt ist, dass die Geschichte auch viele gartenvernarrte englische Adelige im Laufe der Zeit auf die große westlich liegende Nachbarinsel verschlug. Unzählige kleinere und größere Gärten, Arboreten und Parks wurden im Laufe der Jahrhunderte auch in Irland angelegt. Manche von ihnen sind als solche in den Reiseführern verzeichnet und während fixer Öffnungszeiten zu besichtigen. Mit dem gärtnerischen Geschick und Weitblick früherer Generationen kunstsinnig oder wenigstens geschäftstüchtig umzugehen scheint in vielen Fällen heute einfach kein großes Thema mehr zu sein.
Sich selbst überlassen und urwaldartig wuchernd, in einen Golfplatz integriert, als Garten eines Hotels oder privat genützt für das interessierte Publikum geöffnet oder der Zutritt streng verwehrt, in Irland finden sich viele Zugänge zum Umgang mit einst herrlich gestalteten und intensiv gepflegten Grünanlagen. Dann wieder findet sich ein Tea Room mit Guinness Cake und Apple Pie wie von Großmutter gemacht in einem kleinen Nebengebäude und gegen einen kleinen Obulus kann man im Park stundenlang lustwandeln und keiner stört dabei.
Eines ist sicher, Entdeckungstouren zu besonderen und alten Bäumen und Pflanzen allgemein können in Irland so manche Überraschung bieten und man weiß nie, was man beim nächsten Besuch vorfinden wird. Darf man eintreten? Gibts den einen oder anderen Baum noch? Alles ist möglich. Und immer wieder nehmen auch sehr kleine Gärten für sich ein, es lohnt sich also auf Entdeckungsreise zu gehen.



Nach dieser langen Vorrede nun aber zu zwei alten Eiben, die ich im letzten August wieder einmal besucht habe.
Sie wacshen in den Dunloe Castle Gardens, hinter dem renovierten und zu einem 5* Hotel ausgebauten ehemaligen Herrenhaus. Auch ein großer Reitstall befindet sich auf dem Gelände. Etwas versteckt auf der Westseite der Killarney Lakes herrlich gelegen an einem Fluss, die Stadt Killarney nur ein paar Kilometer entfernt.
Hier bei uns in Mitteleuropa kennt man Eiben meist als in Form geschnittene Büsche oder als Sichtschutz an Gartenzäunen. Sie wachsen eher langsam und man kann sich vorstellen, dass diese beiden Bäume schon etliche Jahrhunderte auf der Krone haben.



Faszinierend finde ich die Ausformung des Stammes. Man kennt das von Eiben, aber hier ist es besonders deutlich ausgeprägt. Im Hintergrund erkennbar die Mauer des Walled Garden, eine Besonderheit von Gärten auf den Britischen Inseln. Durch meist recht hohe Steinmauern im Geviert erreichte man einen besonderen Schutz vor Wind und Frost, besonders profitierten früher Obstbäume davon.
Dankenswerterweise kann man direkt unter den Kronen auf einer Bank Platz nehmen und so entspannt in den Zauber dieser zwei Alten eintauchen. Sind sie nicht wunderschön?!



Zusammen bilden sie eine einzige riesige Krone. Ich bin da fast eine Stunde gesessen, die Uhr sagte es mir danach. Es war eine zeitlose Erfahrung, eingetaucht in das Wunder dieser wunderbaren Baumwesen.



So vital wie sie aussehen hoffe ich sie nicht zum letzten Mal besucht zu haben...

Dunloe Castle Gardens ist offen zugänglich, bei einem Besuch des Killarney National Parks oder einem Aufenthalt in der Stadt Killarney leicht zu erreichen. Eine Reihe von seltenen, alten und wunderschönen Bäumen und Sträuchern wachsen hier und werden offensichtlich gut betreut. Dazu einige Alleen mit vielen recht alten Exemplaren.





Kommentare:

  1. Wie ich deine Baumgeschichten liebe! Übrigens hab ich jetzt einen flug nach Málaga gebucht und schau mir deine Palmenallee an - juhu!

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    1. Wie schön!!! Grüße "meine" (hihi) Palmenallee und all die anderen tollen Bäume. Du wirst es lieben, Malaga ist eine tolle Stadt! Viel Spaß :-)

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  2. In der Nähe von Weilheim gibt es einen letzten Eibenwald – aber soooo große, alte Exemplare stehen dort nicht. Die Römer sollen die Eiben einst in Germanien abgeholzt haben, das harte Holz war ideal für Waffen und Wagenräder. Ob's stimmt?
    Bäume sind wunderbare "Lebensgefährten", dachte ich letztens, große Trostspender und Freunde schon seit meiner Kindheit. Liebe Grüße Pepe

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  3. Oh Wahnsinn Elisabeth, solche Prachtexemplare, ich mag Bäume so gerne!!
    Liebe Grüße
    Nina

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  4. Oh schön sieht dieser „Kronenplatz“ aus, liebstige Elisabeth! Leider waren wir dort (also in den Dunloe Castle Gardens) nicht, sonst hätte ich die beiden Eiben unter Garantie besucht und bekuschelt ;o)) Wirklich faszinierende Persönlichkeiten und ich hoffe auch, dass sie noch lange, lange weiterwachsen und – grünen dürfen!

    Ganz liebe Grüße von der Traude

    http://rostrose.blogspot.co.at/2016/01/family-friends.html

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