Freitag, 22. Januar 2016

Lieblingsbilder 2015 / Juni

Ein Motiv aus meinen Dorf. Dutzende Male dachte ich schon daran es mal zu fotografieren. Ein Relikt aus früheren Zeiten. Jedesmal, wenn ich es sehe wundere ich mich über ein Gartentürl, hinter dem nichts mehr, auch nicht im entferntesten darauf schließen lässt was die Aufschrift darüber verspricht. Die Buchstaben halten jahrein jahraus die Stellung und ich frage mich, ob überhaupt noch jemand bewusst wahrnimmt was da steht. Es ist wohl wie in jedem Haushalt, manches wird abgestellt und dann darauf vergessen, schließlich ausgeblendet. Niemand braucht es mehr, entsorgen wäre möglich, aber da liegt eine Geschichte von Menschen drin und der rote Faden reicht immer noch bis in die Gegenwart. 




Magisch von vergessenen Zeiten in ihren physischen Überbleibseln angezogen sehe ich oft genau das, was fast vergessen, aber auf eine Art trotzdem immer noch sehr präsent da ist. Da ein halb eingesunkenes Dach, dort ein überwuchertes Tor oder ein vergessenes Fabriksgelände. Und eines Tages ist es dann doch Vergangenheit, abgerissen, ausgetauscht, verändert. Wo wandern all die Erlebnisse, Gefühle, Gedanken hin, die mit dieser Wirklichkeit einhergingen?

Das Foto steht für all die Motive, die sich in ihren endlosen Wiederholungen banal anfühlen, bis, ja bis sie eines Tages verschwunden sind. Es ist immer einmal zu spät gewesen. Für das Foto des Autos, mit dem viele Jahre gefahren wurde oder der Lieblingsdecke. Bleibt noch die Frage, ob das festhalten wirklich so wichtig ist?! Ich denke ja und nein. Man weiß es immer erst, wenn etwas endgültig vergangen ist. Gut oder schlecht ist nicht die Frage, ob das Herz dranhing schon eher.

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In dieser Serie geht es um Fotos aus dem Vorjahr. Und zwar aus meinem normalen Leben. Nicht von Reisen oder besonderen Erlebnissen, sondern von Motiven, die en passant auf mich zukommen. Typisches und Schönes im täglichen Leben.

Kommentare:

  1. so manches bleibt das Auge auf bestimmte Dinge hängen und da ist ein Gefühl das anders ist und so ist es mit diesem Gartenür, es hat was dich an gezogen!
    Das wäre was wenn du die Tür auf machen würdest und ein Film von der damaligen Zeit erleben könnest was dort so alles zu getragen hat!!!!
    Lieben Gruss Elke

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  2. Liebste Elisabeth,
    ich glaube, bei DIR hätte sich das Bild auch ohne Foto im Gehirn festgenistet, aber die Bilder, die man im Gehirn hat, kann man nur schlecht anderen Menschen zeigen... Und gerade diese Zeichen der Vergänglichkeit haben etwas sehr Berührendes. In unserem Ort gibt es u.a. einen einstigen Lebensmittelladen, der schon lange sein Leben ausgehaucht hat, da habe ich im Vorjahr auch endlich den Schriftzug fotografiert... Bei deinem Gathauseingang hätte ich ja sogar richtig
    das Bedürfnis, jemanden zu fragen, ob man das Schild haben kann... wäre doch schade, wenn es irgendwann still und heimlich zu Altmetall wird...
    Ich dank dir sehr für all deine lieben klugen Zeilen zu A New Life und zu meinem Lipödem-Post. Ja, im Moment geht mal wieder ganz besonders viel Spannendes in meinem Kopf rum, eventuell haben wir ja im Februar irgendwann beide Zeit und Gelegenheit für einen Spaziergang mit Gedankenaustausch - darüber würde ich mich sehr freuen!
    Lass dich lieb drücken!
    Ganz herzliche Grüße, Traude
    http://rostrose.blogspot.co.at/2016/01/neues-ubers-lipodem-und-mein.html

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  3. Liebe Elisabeth, ja so alte Aufschriften sieht man des Öfteren. Als wir letztens durch die Stadt gefahren sind, sind uns auch ein paar untergekommen - die waren ca. aus den 50er Jahren.

    lg kathrin

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