Mittwoch, 1. August 2012

Soft days

Zur Mitte des diesjährigen Sommers kann jetzt schon gesagt werden: Er ist bemerkenswert anders. Bei uns in Österreich wechseln sich große Hitze mit Starkregen und Hagelgewitterepisoden ab. In Deutschland, so hörte ich, gab es in weiten Teilen noch gar keinen Sommer. In Irland, wo ich letzte Woche wieder die Wanderschuhe warmlief, gibt es ihn traditionell einen Tag lang. Wie man dort scherzhaft so sagt. Von etwa 25 Wochen, die ich inzwischen in verschiedenen Monaten über viele Jahre verteilt auf der Insel war, brachte diese Woche meinen persönlichen  Negativrekord - wettertechnisch. Objektiv gesehen.

Subjektiv stellte sie manches auf den Kopf und die Frage auf: Was ist gutes Wetter?



Innerhalb der ersten fünf Tage feierten wir dieses eine Wolkenloch, für kurze Zeit zeigte der Himmel, dass es ihn auch hier blau zu sehen gibt. Erst der letzte Wandertag belohnte unsere Geduld mit fast durchgängig blauem Himmel, Sonnenschein und wunderbar weiter Fernsicht.



Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, die Fotos zeigen bessere Momente. Hier hob der Nebel kurzzeitig sein Wattekissen, welches uns oftmals sanft feuchtend umhüllte und uns durch einen "soft day" trug. Bis es sich schließlich anschickte zu regnen, richtig zu regnen, großzügig. Keine halben Sachen...



Mild und windstill, selten habe ich es so erlebt und der Duft der Kamille vom Weg unter unseren Füßen zog eine feine würzige Spur, manchmal durchmischt mit dem Aroma des Bergthymians. 



Jäh abgebremst. Aus dem Alltagstrubel in weiße, stille Watte gepackt, im Rhythmus schneller Schritte runterkommen. Auf eine Ebene mit dem gleichmütigen Herzschlag der Natur. Alles gleich gut, jeder Tag ein neues Abenteuer, ein Versuch zu wachsen oder einfach nur zu sein. Schafe vergessen auch schon mal aufs mahlen, wenn sie uns bunter regenbehäuteter Schar begegnen, meist aber geht alles weiter, den gewohnten Gang, ihr Wiederkäuen macht mich lachen, es macht mich ruhig, wenn ich ihnen zusehe.
Eingetaucht in den Herzschlag der Natur.



Unverdrossen stapft unsere kleine Schar durch grau und weiß und viel grün, kein noch so dicker Nebel kann dieses Grün fressen. Mit jedem Tag mehr steigt die Stimmung in der Gruppe. Exotische Erfahrungen in fernen Landen? Nein, nur ein paar hundert Kilometer von Zuhause entfernt. Dort würden wir bei solchem Wetter niemals auf die Idee kommen, uns tagelang für Stunden im Freien aufzuhalten. 

Wir mögen uns, wir genießen die feuchte, milde Luft, die Bewegung, das quatzende Geräusch in den Schuhen, die Gemeinschaft. Irish Coffee im Pub hebt anschließend zusätzlich die Stimmung. Das Wetter? Nur ein Thema am Rande. Die Vorstufe von grün ist grau. A soft day oder liquid sunshine, auch mal Champagnerregen. Das Grau vergeht, das Grün bleibt. 

Ah, tief durchgeatmet. Meine Achillessehne bremst mich ein. Ich habe sie nicht darum gebeten, aber sie weiß, was sie tut.

"And anytime you feel the pain, hey Jude refrain. 
Don´t carry the world up on your shoulder."
                           (Hey Jude, Paul Mc Cartney)

Cheer up, take it easy. Der Weg rollt sich beim Gehen auf. Der Regen hat weggeschwemmt, was fort wollte.


Hier findest du Infos zum Wandern in Irland. Wandern mit Wanderlust.

Weitere Postings zu den Wanderwochen. Die Termine für das nächste Jahr sind da. Im September dieses Jahres sind noch wenige Plätze frei! Lass uns gemeinsam unterwegs sein, am Meer, bei den Schafen. May be on a soft day...




   

Kommentare:

  1. Hallo Elisabeth!
    Letzte Woche hatten wir Sommer satt, es war richtig heiß. Ich bin aber auch froh, dass es immer mal wieder regnet, wenn nur der Starkregen mit dem Sturm nicht wäre, der reißt mir immer die Tomaten um.
    VG
    Elke

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  2. Liebe Elisabeth,
    ach wie beneide ich dich! Deine Bilder,deine Worte dazu..es ist Zeit Pläne zu schmieden für das kommende Jahr. Dann wünsche ich mir auch dieses tolle Grün. Im April war ja erst zu ahnen. Maybe on a soft day...
    Doris

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  3. Liebe Elisabeth,
    sehr schön hast du das geschrieben. Und die Bilder dazu! Es ist fast wie ein kleiner Urlaub, das zu lesen und zu gucken. Und man wird gleich ruhiger.
    Der Weg rollt sich beim gehen auf. Ja, das ist wohl so, beim Wandern wie auch sonst im Leben.
    Schöne Grüße, Johanna

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  4. Liebe Elisabeth, wettertechnisch läuft dieses Jahr überhaupt nicht rund. Im Moment schwitzen wir wieder bei über 30°C und morgen ist es schon wieder kalt und regnerisch?
    Vielen Dank für den tollen Text über Irland.

    lg kathrin

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  5. Aaaah, liebstige Elisabeth, da kommt gleich Entspannung auf. Einfach schön liest sich das: "Eingetaucht in den Herzschlag der Natur." Eines Tages kann ich den Herrn Rostrose vielleicht auch zu solch einem Urlaub überreden, nach Irland will er ja sowieso :o)
    Ich drück dich ganz lieb und lass dir ganz herzliche Rostrosengrüße da! Küschelbüschelchen, Traude

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