Mittwoch, 5. Oktober 2011

Lebenslauf - Alice Schwarzer in Wien

Erste Station auf der Lesereise für ihr neues Buch: Wien Hauptbücherei. So voll, dass viele nur über einen Bildschirm dabei sein können. 
Alice Schwarzer liest aus ihrer Autobiografie mit dem schlichten Titel *Lebenslauf*.
Ehrlich gesagt, ich habe kein Talent zum Groupie - nie gehabt - aber es gibt Menschen, die schlicht und einfach meine Hochachtung verdienen. Intelligenz, Mut, Durchhaltevermögen, Wortwitz und eine bewundernswerte Schlagfertigkeit können wohl auch diejenigen Schwarzer nicht absprechen, denen sie immer wieder in die Quere kommt.



Allein das, was bei der Lesung zu hören war, ist dazu angetan, ihr Buch uneingeschränkt zu empfehlen. Alice Schwarzer erzählt und liest aus ihrem Leben, viel Persönliches kommt zur Sprache und macht ihren Weg und Werdegang plastisch und nachvollziehbar. Dazwischen gibt es immer wieder Momente, wo ihre politische Seite sichtbar wird. Anliegen, die mit fortschreitendem Alter nicht weniger wichtig scheinen. Sie arbeitet immer noch mit großem Einsatz, ganz besonders auch für ihre "Sechslinge" EMMA. Seit 34 Jahren gibt es diese, von ihr gegründete Zeitschrift für die Emanzipation der Frau. Da schimmert doch ein wenig Stolz durch bei einer Frau, die so unprätentiös und natürlich mit ihren Erfolgen umgeht.



Die Begeisterung bei den mehrheitlich weiblichen ZuhörerInnen ist groß und Alice Schwarzer ist "ganz gerührt". Die Freude ist ganz unsererseits: Schön, sie einmal so hautnah erlebt zu haben!



Viel Inhaltliches ist sowieso in den Medien zu hören und zu sehen. Eines möchte ich jedoch hier vom gestrigen Abend aufgreifen: In einem der wenigen wirklich ernsten Momente ( Alice Schwarzer versteht es sehr schön, auch schwierige Geschichten mit einem abgeklärten Charme rüberzubringen), spricht sie darüber, dass schon im Jahr 1977 in EMMA erstmals der sexuelle Missbrauch von Kindern thematisiert worden war, damals ein absolutes Tabuthema. Wie außerordentlich wichtig und wegweisend das war, wissen wir heute. Auch andere Formen der Gewalt, die uns auch heute noch betreffen, kommen zur Sprache.

Dafür, dass sie nicht wegschaut und den unbequemen Weg geht, liebe ich sie.




Es gibt nur insgesamt 6 Termine auf dieser Lesereise. Schwarzer begründet das so: "Es soll ja Spaß machen und außerdem wartet schon die Arbeit für EMMA auf mich". Wer also die Gelegenheit nicht verpassen möchte, heute Abend in Graz, weiters in Köln, Zürich, Hamburg und München gibt es in Kürze Gelegenheit dazu. Hier, auf der Webseite von Alice Schwarzer findet ihr mehr Infos.

Kommentare:

  1. Liebe Elisabeth! Toller Bericht, aber hast Du Dich wegen der Veröffentlichung der Bilder erkundigt? Falls Du nämlich keine Erlaubnis dafür hast, könntest Du Probleme bekommen.

    lg kathrin

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  2. Liebe Kathrin,
    Danke für deine Aufmerksamkeit! Vielleicht ist das ja von allgemeinem Interesse: Ich verwende äußerst selten fremde Bilder und nie fremde Texte, wenn ja sind es höchstens Zitate oder Sprüche mit Namensnennung in Klammer.
    Text und Bilder in diesem Post sind während einer öffentlichen Veranstaltung von mir selbst fotografiert und gestaltet, der Inhalt wertschätzend. Soweit mir bekannt, ist da nichts Unerlaubtes dabei. Eigentlich mache ich in diesem Fall unentgeltlich Werbung aus reinem Idealismus und für die Sache :-)

    LG Elisabeth

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  3. Ohne Frage, Alice Schwarzer hat bahnbrechendes geleistet, damals.
    Was mich im letzten und vorletzten Jahr total genervt hat war ihre ständige Medienpräsenz, Sie ist ein Befürworter der Thesen , die Thilo Sarrazin aufgestellt hat. Das jagt mir den Schreck in die Glieder.
    Zum Thema Jugendkriminalität ist für mich eine Frau eine bewundernswerte:
    Die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig, die dieses schwierige Thema aufgegriffen hat.
    Da kann ich das Buch "Das Ende der Geduld" weiterempfehlen. Es hat mich sehr traurig gemacht, dass Frau Heisig sich das Leben genommen hat.
    LG Heidi






    Das Ende der Geduld - Kirsten Heisig

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  4. Gut, dann scheint ja eh alles klar zu sein :)

    lg kathrin

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  5. @ Heidi: Ja, mir fallen ad hoc auch mehrere Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen und Beachtenswertes geleistet haben, ein. Das allein ist schon ein gutes Gefühl, langsam *gibt* es uns Frauen ja :-). Dass mensch (diese Form hab ich in der EMMA gefunden statt dem ewigen Dilemma *man*)nicht mit Allem, was jemand von sich gibt, übereintstimmt, versteht sich von selbst. Danke für die Buchempfehlung!

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  6. Sehr schöner Beitrag, ich lese auch gerne von ihr, auch wenn nicht alles meine Zustimmung hat.
    Das Buch von Heising kann ich auch empfehlen,die nackte Wahrheit hat mir den Schrecken in die Glieder gejagt, sehr lesenswert.

    Sigrun

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