Freitag, 30. März 2018

In 90 Tagen um die Welt / Tag 83

30. März, Donnerstag
Cochin, Indien

Wir sind in Cochin angekommen und somit in Indien!

Während ihr einen sehr warmen März hinter euch gebracht habt (ja, wir haben es erfahren), erleben wir hier temperaturmäßig das schwülheiße Ende unserer Reise. Jeder Wechsel von der Außenwelt in die gekühlten Busse, Innenräume und unser Schiff verlangt dem Körper einiges ab. Die Motivation, Bäume auszureissen sinkt minütlich ;-)



Cochin liegt in der Provinz Kerala, einem Gebiet, das für seine Ayurvedakuren in Europa bestens bekannt ist. Im Bild seht ihr einen Regenbaum, wie es ihn hier häufig gibt. Mit riesiger, schirmförmiger Krone, die Kirche dahinter wirkt fast klein dagegen.
Hier in Indien gilt noch viel mehr: Man kann sich die Realität als Europäer nicht vorstellen, da kann man noch so viele Filme gesehen haben. Eine zweistündige Busfahrt genügt und man weiß weit mehr, als einem lieb ist...

Hab leider kaum Fotos von der Fahrt, es ist praktisch kaum möglich aus dem Busfenster Fotos zu machen, die halbwegs gut sind. 

Auf der ganzen Strecke, über 80 km, reihen sich kleine Läden am Straßenrand aneinander. Dazwischen Müllberge, Müll in Säcken, uralte Plastikfetzen, ein Hotel, Müll, eine Kirche, Müllhaufen, ein Hindutempel, Dreck, ein Verschlag mit Kanarienvögeln in Käfigen, daneben Teppiche, wieder Müll undsoweiterundsofort. So geht das kilometerlang...


Die Häuser edel bis Wellblechbaracke, alles nebeneinander.



Wie bisher auch, beschränke ich mich aufs beschreiben, die Hintergründe für diese Zustände führen zu weit, als Europäer ist man erstmal geschockt.
Die Art sich auf der Straße fortzubewegen erinnerte mich an Ameisenstraßen, jeder findet in einem Affentempo seine Lücke, es geht erstaunlich gut, obwohl einem beim zuschauen fast schlecht wird.

Auf dem Foto seht ihr auch Inderinnen in ihrer normalen Kleidung, ich sah keine einzige Frau in westlichen Kleidern.


Die Frauen sehen unglaublich schön aus, fast unwirklich adrett zurechtgemacht, selbst in dreckiger Umgebung. Gerade Haltung, wunderschönes Haar dazu, es ist eine Freude sie anzusehen.

Unser Ausflug geht in ein Gebiet südlich von Cochin, das sie das "Venedig des Ostens" nennen, der vielen Kanäle wegen. Hier lebt man auf Hausbooten und kann auch welche für den Urlaub mieten. Hier ist es sauberer und es sieht relativ nach Reichtum aus.






Es ist super angenehm auf dem Boot zu sitzen und langsam durch die Kanäle zu gleiten, all die grüne Pracht an den Ufern zu betrachten, dahinter ausgedehnte  Reisfelder zu sehen. 


An den Ufern waschen Frauen Wäsche. 

In jedem Garten Kokospalmen, Bananenstauden, Mangobäume.




Mangobaum mit Blütenrispen und Früchten. Im tropischen Klima ist die Gefahr zu verhungern kleiner als in in kälteren Breiten. Dahinvegetieren geht trotzdem, besonders wenn man in die unterste Kaste geboren wurde.

Diese Hausboote wurden früher zum Transport von Reis verwendet und sind mit einem kunstvollen Geflecht von Pflanzenfasern, die ein bisschen Luftzug erlauben, verkleidet.

Auf der Rückfahrt geraten wir in eine Lichterprozession zu einem Hindutempel, wir stecken stundenlang im Stau, nichts geht mehr. Wir sehen Menschenmassen durch die Straßen strömen, verschiedene Hindugötter auf Tragen in die Höhe gehoben und hören das Trommeln der Gläubigen. Zum Glück ist erst morgen Mittag Abfahrt, so versäumen wir nur das Abendessen und haben dafür ein Erlebnis der besonderen Art, wenn auch nur indirekt durchs Busfenster.







*****

Noch ein paar Fotos von den Aussichten, die wir von Boot aus gehabt haben. Hier sahen wir einige sehr gepflegte schöne Anlagen.








 


Kirchen, Tempel, Buddhafiguren. Geschäfte, in denen man alles bekommen kann. Schulen, Krankenhäuser, Forschungstätten. All das haben wir gesehen. Die Infrastruktur ist phänomenal, das Gegenteil von dem, was wir zuhause kennen, wo es in vielen Dörfern nicht mal mehr einen Supermarkt oder eine Post gibt...

Eine Mitreisende meinte, man ist hier entweder fasziniert oder angeekelt, Indien scheide die Geister.
Für mich ist es kaum vorstellbar, wie man unter solchen Bedingungen leben kann. Ich mag mir nicht vorstellen, was da an Ungeziefern und Ratten unterwegs sind.

K: Guten Morgen. Das kann ich gut verstehen, ich könnte dort sowieso nicht leben, allein von der Tatsache ausgehend, wie sie Frauen behandeln.


In dieser Serie könnt ihr unsere Weltreise mit einem Kreuzfahrtschiff um die Südhalbkugel Tag für Tag nachverfolgen. Im ersten Teil jeweils die überarbeitete Fassung einer WhatsApp Gruppe, im zweiten Teil Ergänzungen und weitere Fotos. Ich freute mich immer über Feedback aus der Gruppe, es ergaben sich Impulse und weitere Informationen durch den Austausch, weswegen auch manches davon hier (anonym) mit aufgenommen wurde. Alle Fotos im ersten Teil sind daher Handyfotos.

Diese Serie ist nicht dazu angetan Reiseführer zu ersetzen. Viel eher persönliche Schlaglichter auf Orte, Menschen, Pflanzen und Tiere, die uns für sich eingenommen haben zu zeigen und ein klein wenig nachvollziehbar und lebendig werden zu lassen, was wir auf dieser Reise erlebt haben.

Kommentare:

  1. Liebe Elisabeth,
    Bilder, so wie man sie sonst nur in Berichten über dieses Land im Fernsehn sieht ...
    Hab noch einen schönen Tag!
    🐇🐰🥚 ♥ Allerliebste Grüße , Claudia ♥

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  2. Was für wunderschöne Fotos du heute wieder hast, Elisabeth!

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  3. Du beschreibst genau das, was ich bisher von Freunden gehört habe.

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  4. Die Frauen faszinieren mich auch! So hübsch und anmutig :)

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  5. Nicht wundern, es gehen immer noch nur ein paar Buchstaben als Kommentar...

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    1. Sehr! Ich hab das nur hier. Aber vorher ging's ja auch. Komisch...

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  6. Deine letzten Berichte muss ich mir noch in Ruhe nachlesen und genießen 😊

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  7. Liebe Elisabeth,
    deine Bilder waren für mich diesmal ein schönes Wiedersehen, denn in Cochin waren wir ebenfalls und eine Bootstour wie ihr haben wir auch unternommen (wir blieben über Nacht auf dem Boot - das war sehr sehr schön). Eine Prozession wie deine haben wir wegen eines plötzlichen Regeneinbruches nur zum Teil erlebt. Ich kann auf jeden Fall bestätigen, dass die Frauen in Indien farbenfroh und stolz sind. Und was ich da in dem WhatsApp-Kommentar gelesen habe - "wie sie Frauen behandeln" - wann ich nicht unterschreiben: Die Berichte im Westen sind sensationsheischerisch und einseitig. Eine Milliarde Menschen lebt in Indien, wenn davon ein Promill sich bestialisch verhält, geht das gleich durch alle Medien. Ich habe einige wenige Inder kennengelernt - die ihre Frauen um nichts anders behandelten als sie hier behandelt werden - oder vielleicht sogar ein bisschen verehrender. Wie überall gibt es Schattenseiten, aber meiner Meinung nach ist die Umweltverschmutzung in manchen Gegenden Indiens ein weit größeres Problem als "wie sie Frauen behandeln"...
    Zum Fotografieren aus dem Busfenster: Hast due es mal mit dem Sportprogramm versucht? Klappt bei mir fast immer!
    Frohe Ostertage wünsch ich dir und deinen Lieben! Und danke fürs Verlinken des Australischen Berichts bei ANL!
    Herzlichst, die Traude
    PS: Bei mir im Garten gibt's schon Bärlauch - und wir waren noch immer nicht in Laxenburg Frühling-suchen!

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