Donnerstag, 27. Januar 2011

Mein 2010 / September



Mit der Seele baumeln

Für uns mitteleuropäische Menschen läuft der Alltag innerhalb Mauern ab, wir halten uns bis auf ein, zwei Stunden meist in Gebäuden auf. Es ist selbstverständlich, "drinnen" zu sein. "Draußen" wird mit Freizeit und Urlaub assoziiert. 


       Zakynthos, Griechenland, Bucht von Laganas
 
Als Kind erlebte ich noch zeitweise eine Mischform. Bei meinen Großeltern am Land irgendwo im tiefen Ungarn wurde im Sommer im Freien gekocht. Jeder Haushalt, ob darin Bauern wohnten oder nicht, verfügte über Nutztiere, Stallungen und ein paar Äcker, auf denen Gemüse und Futterpflanzen kultiviert wurden. Der größte Teil der Arbeit war im Freien zu tun. Bei unseren Besuchen staunte ich als Stadtkind, als meine Cousinen erzählten, sie hätten am Vortag im Gemüsegarten Unkraut gehackt. Wir spielten den ganzen Tag ausschließlich im Freien, denn im Zimmer war es viel zu langweilig.

Als nun Traude in ihrem Blog rostrose Bilder von Indien zeigte, kam mir wieder in den Sinn, dass unsere westliche Lebensweise sich vielleicht am stärksten von jener unterscheidet, dass wir nur ausnahmsweise direkten Kontakt mit den Elementen haben. Selbst wenn wir hinausgehen, treten wir meistens das Pflaster. Ich denke, das hat immense Auswirkungen auf unser Lebensgefühl, was meint ihr?

Im mir erhärtet sich jedenfalls der Verdacht, dass ein Großteil der Sehnsucht nach urlaubmachen damit zusammenhängen könnte, dass wir in dieser kurzen Zeitspanne viel mehr in Kontakt mit Erde, Feuer, Luft und Wasser treten. Weil wir instinktiv spüren, dass es uns eigentlich fehlt. Und weil uns genau das ungeheuer gut tut.


Kommentare:

  1. Liebe Elisabeth,

    sicher hast Du recht. Aber ich glaube es ist auch noch etwas anderes. Ein gewisses Fernweh und die Sehnsucht nach dem, was man nicht hat, ist dem Menschen wohl eigen. Damit meine ich keine materielle Dinge, sondern einfach das Verlangen, Neues kennenzulernen. Ích habe mein ganzes Leben am Rande einer Großstadt verbracht. Wir sind noch mit Pferden, Schweinen und Hühnern groß geworden, weil es zu dieser Zeit noch Bauernhöfe dort gab - also ziemlich bodenständig. Aber trotzdem hat es mich immer entweder in die Berge oder ans Meer gezogen.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  2. Kann ich sehr gut nachvollziehen, liebe Jutta! Und Fernweh ist mein zweiter Vorname ;-)

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  3. Oh, wie schön, ich hab denselben zweiten Vornamen wie du ;o) Vielen Dank, dass du mich bzw. meinen Indienreisebericht in deinem (wie immer sehr weisen) Artikel nennst! Deine Kinderheitsschilderungen aus Ungarn, die erzeugen so eine richtige Sehnsucht in mir - mir gefällt es gar nicht, wie sich unsere Welt entwickelt!
    Ich drück dich ganz lieb! Herzlichst Traude
    PS: Traumhaftes Foto!!!

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