Sonntag, 20. Dezember 2015

Gut durch die dunkle Zeit / 3

Es hat etwas zutiefst Befreiendes mich auf diese Zeit der Stille einzulassen. So wie dieses Jahr gelang mir das noch nie. Das Wetter bei uns hilft mit. Es ist den ganzen Tag trüb, nebelig und kurz nach drei Uhr nachmittags beginnt es auch schon dunkler zu werden. Früher assoziierte ich diese Zeit mit einer trübsinnigen Grundstimmung, aus der ich versuchte möglichst herauszukommen. Gar nicht überraschend: Sobald man es schafft sich ganz darauf einzulassen beginnt man es zu mögen. Ich brauchte lange dafür. 
Meine Vorweihnachtszeit findet großteils zuhause statt. Ich gehe kaum hinaus, nur für Spaziergänge in der Natur oder ein Konzert. Keine Geschäfte, keine Weihnachtsmärkte, keine entsprechende Musik, viel Stille, lesen, schreiben, Gespräche, einfach zusammen oder alleine SEIN.



"Lerne still zu werden und deine Aufmerksamkeit wegzubringen von Dingen, die du eigentlich nicht willst oder die dir nicht gefallen. Richte deine Aufmerksamkeit auf das, was du in d(ein)er Welt erleben und sehen möchtest." Nach diesen zwei Sätzen versuche ich mich auszurichten. Sie sprechen von einer Grundeinstellung, die zu leben gar nicht so einfach ist. Die Welt die wir vorfinden funktioniert meist diametral dazu (und das macht sie nicht unbedingt besser). 

Weihnachten ist so eine Sache, die bei vielen Menschen ambivalente Gefühle hervorruft, von Jahr zu Jahr ähnlich oder ganz neu, je nachdem was das Jahr davor an Ereignissen für den einzelnen gebracht hat und wie man gerade mit den Menschen, zu denen man gehört auskommt. Diese Gefühle drücken wir gerne weg, sie sind unangenehm und zu Weihnachten wollen und sollen Beziehungen funktionieren, gerade da mag und braucht man diese Illusion von "heiler Welt" am meisten. "Wenn es da klappt, dann wohl auch danach", ein guter Teil des Geschenkeaustausches dient wahrscheinlich diesem Wunsch. Ob die Rechnung aufgeht? Mal mehr, mal weniger. 
Meine Erfahrung sagt mir, dass es nicht viel braucht. Ganz da (präsent) sein, sich aufeinander einlassen, zuhören, empathisch sein und alles weglassen, was nicht wirklich wichtig ist. Irgendwie komisch, ein Fest mit weniger ist mehr zu assoziieren und sich dabei glücklich fühlen zu können. Ich bin jedenfalls ein bisschen genau da angekommen und es fühlt sich sehr gut an...

Hier könnt ihr frühere Postings zur Vorweihnachtszeit auf *kleine freude* nachlesen. 

Für die letzten Tage bis zum Fest wünsche ich euch eine schöne Zeit!


 


Kommentare:

  1. hallo liebe elisabeth,
    wie immer ein ganz wunderschöner und besinnlicher post. ich mache es fast so wie du. ,ich stört das zeitige finsterwerden gar nicht, ich mache es mir drinnen gemütlich. auch brauche ich keine hektik und auch keine einkaufszentren.... ich weiss immer, was ich wem schenke. darüber mache ich mir das ganze jahr über "gedanken" (und besorge es, wenn möglich). ich freue mich auf freundschafts- und familienbesuche. und ich hoffe, dass das immer so bleibt.
    ich sende dir ganz liebe grüße
    margit

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  2. Liebe Elisabeth, du sprichst mir mal wieder genau aus dem Herzen! In die "große" Stadt gehts schon lange nicht mehr in der Adventszeit, übrigens auch an sonstigen Samstagen nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Weihnachtsmärkte...ade, war aber auch noch nie ein Riesenfreund von roter Wurscht, Glühwein und Gedränge. Ich wünsche dir und deinen Lieben ruhige Stunden und eine schöne Zeit!
    Liebe Grüße
    Nina

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  3. Also ich finde es eigentlich sehr schön, mich in der Weihnachtszeit mit Freunden und Familie zu treffen, gemeinsam etwas zu machen. Ich glaube, ich könnte mich nicht so abschotten. Möchte das auch gar nicht. Aber es ist wichtig, dass jeder die Vorweihnachtszeit so verbringt, wie er es möchte.

    lg kathrin

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  4. Lieb Elisabeth, diese beiden Sätze schreib ich mir gleich auf einen Zettel. Noch kann ich das nicht schaffen hier. Würde ich aber sehr gerne lernen, so in der Adventzeit leben.
    Allein schon die Musik ist hier oft zuviel. Ein Teenager-Mädel mit eigenem Musikgeschmack, ein Teenager-Bub, der noch immer die "Weihnachtsbäckerei" gefühlte 100 Mal am Tag anhört, selber singt.
    Am 4.Adventwochenende hatten wir Glück. Seine Schule hatte schon den Weihnachtsgottesdienst. Da durfte er "Still, still, still, weil's Kindlein schlafen will" ganz alleine singen. Und das tut er nun ständig, weil es halt jetzt in ihm drin ist, und so schnell nicht mehr raus geht. Es klingt wunderschön, und ... beruhigt den Robert selber auch ganz gut.
    Wir Grossen hätten gerne mehr "Stille" ... vielleicht in einer zukünftigen Weihnachtszeit.
    liebe Grüsse, hoffentlich dürfen Deine Tage so bleiben, wie sie Dir guttun!
    Elisabeth

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  5. sehr schön!!
    über die phase, nichtfunktionierende beziehungen mit weihnachten-feiern reparieren zu wollen bin ich schon lange raus. war zugegebener massen eine harte lektion. jetzt freu ich mich dass der liebe mann urlaub hat und wir eine ruhige zeit zusammen verbringen können. dass wir ein gemütliches häuschen haben mit niedlicher katze und das koboldland vor der tür....
    dir auch eine wunderschöne zeit!!! xxxx

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