Dienstag, 3. August 2010

urSPRUNG

In unserem "Hauspark", dem Schlosspark Laxenburg herrscht für die nächsten zehn Tage ungewöhnliches Treiben. Die PfadfinderInnen Österreichs feiern dort ihr heuriges 100-jähriges Bestehen mit einem internationalen Großlager. 6600 Burschen und Mädchen aus 20 verschiedenen Ländern haben auf Wiesen hinter dem Bad bis hinüber zum großen Kinderspielplatz ihre Zelte und Jurten aufgestellt.


Diverse Aufbauten aus Rundlingen entstehen in den ersten Tagen. Die TeilnehmerInnen bauen Kochstellen und Essplätze.


3 Söhne, 1 "Schwiegertochter" und 2 Neffen von mir nehmen teil und so konnte ich es heute auch nicht lassen, mich eine wenig am Rande hineinzuschleichen, um ein paar Fotos zu machen.


Eine fröhliche und geschäftige Stimmung umgibt mich hier, am liebsten würde ich gleich mitmachen, allerdings unter der Vorraussetzung, wieder grade mal eben ein Kind zu sein. Eine Muskelzerrung, die mich die letzten drei Tage ziemlich blockiert hatte, scheint wie weggeblasen zu sein.

Auch der Pavillon, sonst eventuell noch schönes Ambiente für eine Hochzeitgesellschaft ist nun belagert.


Am kommenden Sonntag darf  man auch offiziell als Besucher das ganze Lagerareal erkunden und ein wenig Pfadfinderluft schnuppern, bis dahin wird  auch die letzte Laxenburger Gelse gesättigt im Unterholz schlafen. Apropos Unterholz: Das Reh, das ich vorige Woche noch in oben abgebildeter Wiese gesehen habe wird sich wohl nebst all seinen Schwestern und Brüdern und anderen Verwandten in die hintersten Winkel des Parks zurückgezogen haben. Dort wird man sie nicht einmal vom ansehnlich hohen Aussichtsturm entdecken.
 

Vorige Woche konnten wir seine Entstehung beobachten, leider wird er nach dem Lager wieder verschwinden, genau wie alle anderen kunstvollen Aufbauten.
Das urSPRUNG informiert auf einer umfangreichen Webseite, dort wird es viele Fotos geben, Videos und News. Siehe auch rechte Seitenleiste.

Zum Schluss noch ein kleiner Auszug aus dem urSPRUNG Lagersong:

Zurück zum Ursprung! – From the beginning)
Alle vereint – united we stand.
im Bande der Freundschaft, – For one hundred years
niemand geht allein. – no borders between the lands.
Gestern, heut’ und morgen. – From now on, forever,
und für alle Zeit – all the joy we share.
Wo uns’re Fahne weht:
“Allzeit bereit”!


Auch ich war mal Pfadfinderin, hier der Beweis:


Das Jahr wird nicht verraten, nur soviel: Ich war 11 und sitze ganz rechts vor unserem mit Eichenlaub geschmückten Zelt.

Montag, 2. August 2010

Die Kärntnerstraße

Die Kärnterstraße verbindet die wohl für Wien am stärksten identitätsstiftenden Gebäude, die Oper und den Stephansdom miteinander. Sie besteht seit dem dreizehnten Jahrhundert, da eine wichtige Handelsroute nach Süden aus der Stadt durch das Kärntertor führte.
Die Anfänge als Fußgängerzone und die neue U-Bahn brachten vor etwas mehr als 30 Jahren einen Aufschwung und eine große Aufwertung mit sich. Seither setzten mehrere Umgestaltungen unterschiedliche Akzente. Was blieb, war die hohe Fußgängerfrequenz. Heute wird es wohl keinen Wienbesucher geben, der nicht einmal hier entlang geht.
Was er zu sehen bekommt, hat sich in den letzten 10 Jahren stark verändert.


Auch hier, wie in vielen anderen Metropolen greift eine Austauschbarkeit um sich, die mir, so muss ich ehrlich zugeben nicht immer gefällt. Das, was hier in einer der ältesten Wiener Straßen als wientypisch verkauft wird, würde ich unter Vermozartkugelisierung ablegen, und diese scheint wie ein Flächenbrand um sich zu greifen. Fast scheint es, als würde jeder Abtausch eines Geschäftslokales in ein Touristenkitschmekka umgewandelt.

                                             Ausverkauf der Identität in der Kärnterstraße?

Die letzte Umgestaltung des Straßenraumes wurde erst jüngst fertiggestellt, sie hinterläßt die Straße sehr kahl, die neugesetzten Bäume sind noch klein, der Blick bleibt auf den großen Granitplatten hängen.
Infolge großer Schäden durch den 2. Weltkrieg gibt es nur mehr wenige Anker, wie das Palais Todesco, das  Palais Eszterházy oder die Malteserkirche. Was nach dem Krieg schnell aufgebaut wurde, kann substantiell nicht an die Zeit davor anknüpfen. Man kann auf die Entwicklung  in den nächsten 10 Jahren gespannt sein.

 Es gibt sie aber noch, die letzten alten Traditionsbetriebe, unverwechselbar mit Wien verbunden.


Das Glashaus J&L Lobmeyr , gegründet 1823 steuere ich jedesmal an. Auf einer der nicht sehr großen Auslagenseiten ist immer Herend Porcellan ausgestellt. Handbemalte feinste Qualität aus einer der großen Manufakturen in Ungarn.

Wie könnte man die ehemals enge Verbindung zwischen Österreich und Ungarn erlesener feiern, als mit diesem durch die Jahrzehnte stillen Statement. Manchmal stellt sich mir angesichts des Treibens rundherum die bange Frage, wie lange noch?




Gerstner, K&K Hofzuckerbäcker versorgt die Wiener seit 1847 mit feinster Confisserie. Ich stelle mir gerade vor, wieviele Menschen seit der Zeit von Nestroy, Strauß und Liszt hier ein und aus gegangen sind.


Das und noch viel mehr Köstlichkeiten gilt es zu probieren, bei meinem nächsten Bummel durch die Kärnterstraße werde ich dort einfallen, wer kommt mit?

Mein Wien

Manchmal zieht es mich an meinen freien Tagen nach Wien. Ich liebe diese Stadt auch deswegen, weil es immer wieder etwas zu entdecken gibt. Vieles aus mehreren Jahrhunderten besteht nebeneinander und bildet mal mehr, mal weniger reizvolle Kontraste.


                                     Steinrosette,  Stephansdom links neben dem Riesentor

Manchmal steht zum Glück ein Tor offen, ich nütze den Augenblick und husche in den Innenhof hinein, wo mir aus Kellerfenstern der Hauch der letzten hundert Jahre entgegenschlägt und es so ruhig ist, dass ich es nicht glauben kann.



       alle Bilder: Wollzeile 25, erbaut 1901-02

Manchmal klettert mein Blick die Häuserfassaden hinauf. Dort sind die erstaunlichsten Dinge zu sehen. Besonders die inneren Bezirke werden von Heerscharen an steinernen Wächtern, SäulenträgerInnen und Brunnenfiguren in Form von antiken Frauengestalten, halbnackten kräftigen Männerkörpern, Engeln und diversen Köpfen bewacht oder geschmückt.

Graben
Stock im Eisen Platz
Brunnen am Albertinaplatz
 Der großen Ausbauzeit der Ringstraßenbauten sind viele mittelalterliche Gebäude zum Opfer gefallen. Seit dieser Zeit ist nun vieles erhalten geblieben, wie etwa Fliesen oder Beschläge oder Handläufe in Treppenhäusern der Gründerzeit und des Jugendstils.

Altes und Neues: Alles interessiert und macht neugierig auf jüngste Entwicklungen. So möchte ich in lockerer Reihenfolge eine bestimmte Straße oder einen Platz, ein Viertel von Wien recht subjektiv beleuchten.

Sonntag, 1. August 2010

Marillenknödel(n)

Gestern feierten wir unser traditionelles jährliches Marillenknödelfest.
Das sieht so aus: Pro Person fünf Knödel rechnen. (Seit Karl Valentins Knödel(n)sketch ist alles erlaubt, wobei für mein Gefühl knödeln als Verb den Vogel abschießt). Das geht sich mengenmäßig aus, wenn vorher eine dicke Suppe serviert wurde, schließlich sind es keine Zwetschkenknödel, da bräuchte man dann mehr. Der Topfenknödelteig ist ja schnell vorbereitet ( für den Erdäpfelteig fehlen mir die Nerven angesichts der Patzerei, die anschließend beim Formen zu bewältigen ist).



Eigentlich alles kein Problem, wenn genug Zeit zur Verfügung und eine helfende Hand zur Seite steht.
Dann zwanzig Minuten in leicht wallendes Wasser legen, bei fünfundzwanzig Knödeln entweder in mehreren Töpfen gleichzeitig oder hintereinander oder beides.


Tatsache ist, alle Knödel werden fertig und alle werden eine kurze Zeit später alle, denn das ist immer so: Gegessen ist unverhältnismäßig schneller als gekocht und das sicher nicht nur bei uns.

Los geht´s! Die Knödel sehen zwar nicht so perfekt aus, wie die aus dem Supermarkttiefkühlregal, sie schmecken aber um Klassen besser!


In den echten Wiener Marillenknödeln wird der Kern durch ein Stück Würfelzucker ersetzt, da könnte aber leicht übersehen werden, wer die meisten gegessen hat. 

Heuer konnte sich unser jüngstes Familienmitglied ganz vorne positionieren, als kleiner Ausgleich sozusagen.

Samstag, 31. Juli 2010

Abendstunden

Meine liebste Tageszeit: Die Abendstunden.
Alles entspannt sich, die rechte Gehirnhälfte beginnt zu arbeiten, sie darf jetzt zum Zug kommen. Untertags regiert die Vernunft und die Pflichten rufen. Am Abend bricht plötzlich die große Freiheit aus: Alles geht, alles ist erlaubt, auch wenn nicht ausschöpfend davon Gebrauch gemacht wird.

    Balaton, Hafen von Balatonboglar

Ein kurzes Zeitfenster, die blaue Stunde gibt wunderbares Licht zum Fotografieren. Natürlich , da gäbe es auch den Morgen, der kommt für eine Nachteule aber nicht oft in Frage, das sollen Andere machen, ich habe mich entschieden.
Dem Abend gehört unter anderem auch dem Schreiben hier, da fließt es mühelos dahin, der Abend ist meine Zeit.
Auf ein Glas Bier oder Wein mit Freunden oder zu Zweit, reden, Spaß haben, den Ernst ausblenden.

     Tokaj, Brunnen am Hauptplatz, Ungarn

Die Qualität, die mir am meisten fehlt ist wohl Leichtigkeit, am Abend finde ich am ehesten Zugang dazu. Wie Boote auf den Wellen läßt man sich treiben, wählt, was einem am meisten reizt, um dann auch mal nur auf dem Sofa zu sitzen. Das ist auch eine Form der Freiheit.

    Hafen von Plymouth, Neuengland, USA

Kommt ja eher etwas abgedroschen daher, aber so einen Sonnenuntergang am Meer erleben ist nicht umsonst so beliebt. Irgendwie breitet sich Frieden aus, der Tag war gut, wir gehen mit Vertrauen in die Nacht, nach so einem schönen Sonnenuntergang kann sie ja nur gut werden.

    County Kerry, Irland

Unterwegs sein

Unterwegs sein ist sowas wie lesen in 3D. Beides Lieblingsbeschäftigungen. Fotografieren? Vielleicht sowas wie ein Verbindungsstück zwischen beiden. Einige wenige Memoryteilchen, mit Hilfe derer auch die anderen, verdeckten, vergessenen sichtbar werden? Ja, vor dem inneren Auge jedenfalls. Und - das genügt ja schon oft einmal, um verlorene Impressionen wieder lebendig zu machen.

                                 unterwegs Richtung Westen

Unterwegs sein ist Inspiration, Herausforderung, Befriedigung von Neugier, Auftanken, Ermüden und vor allem große Lust.
Egal wo, egal wie, unterwegs sein ist auch erhöhte Konzentration, gespitzte Sinne, freudige Erregung.

 Unterwegs sein begegnet der Angst hinter den eigenen Gartenzaun zu blicken. Dieser wird ja zurückgelassen. Er ist zu vertraut und bietet keine Überraschungen mehr. Man hat sich an ihn gewöhnt.

                     Glengarriff, Blick auf den Sugarloaf, Irland

Mit der Natur in ihren vielfältigsten Erscheinungen, wild oder von Menschen gezähmt verbinden und Gastfreundschaft erleben - unterwegs sein.


                             Glengarriff, Blick auf die Bantry Bay, Irland

Unterwegs sein heißt auch manchmal bei Wind und Kälte durchbeißen und einen kleinen "Gipfelsieg" erringen.

Vom unterwegs sein kann ich einfach nicht genug bekommen.

Donnerstag, 29. Juli 2010

Bergkäse machen - Hauswalserstolz

Es gibt Menschen, die mit ihrer Lebenseinstellung und mit ihrem Tun Bewunderung verdienen.
Ein Ausflug in eine fast vergangene Welt hinterläßt in uns Dankbarkeit für den Einsatz, den manche Menschen bereit sind zu leisten.
Drei Stunden miterleben, wie die ersten Arbeitsschritte der Herstellung von Käse ablaufen.
Auf  heute noch bewirtschafteten Almen, in diesem Fall im Bregenzerwald, in Handarbeit.

                                  alle Bilder: Schausennerei Hauswalserstolz in Sonntag, Bregenzerwald

Sieben Tage die Woche, solange die Kühe in der Sommersaison auf der Alpe weiden, hochqualifizierte Arbeit eines Senn, der eigentlich für die spezielle Alp nicht ersetzbar ist, denn es gibt nur mehr wenige, die das können, was er kann.


Erwärmte Milch und Lab im Kupferkessel. Wir dürfen rühren, etwa zwei Stunden lang, was verteilt auf acht Leute nicht so schlimm ist. Zwischendurch muss die Temperatur kontrolliert werden, der Kessel wird mit Holz befeuert.


Mit einer einzigen Bewegung fasst der Senn Albrecht Bickel die bröckelige Masse mittels eines Stabes, den er in eine Seite des Leinentuches einwickelt, zusammen. Die Enden des Tuches werden zusammengeknotet und an einem Fleischerhaken fixiert.


Nun muss das Ganze in eine Form, die das spätere Aussehen bestimmt. Hier kann die Molke abfließen. Etwa 16 kg werden auf die Seite gewuchtet.


Mit dieser einfachen Konstruktion kann die Molke herausgepresst und der Käse seine schöne Form erhalten.


Nach kurzer Zeit ein erster Blick auf das Ergebnis der ersten Arbeitsschritte, denen noch einige folgen werden. Der Käselaib muss im Salzbad gewaschen, dann richtig gelagert und während der Zeit der Reifung immer wieder gewendet und abgewischt werden. 
Manche Käse haben so eine Reifezeit von vielen Monaten hinter sich gebracht und wir lassen sie ab und zu im Kühlschrank verschimmeln!
In den Sennereien unten in den Tälern ist die Automatisierung natürlich vollzogen, oben am Berg kann eventuell maschinell gemolken werden, was aber auch Dabeisein erfordert. Sollte der Senn ausfallen, kann die Milch dieses Tages nur mehr weggeschüttet werden.
Was dabei aber am meisten zu denken gibt, ist die Tatsache der extrem niedrigen Margen, damit verbunden finanzielle Sorgen und der Druck leistungsfähig bleiben zu müssen. Trotzdem steht die Freude an dieser Arbeit offensichtlich im Vordergrund. Er kann sich keine andere vorstellen, wie uns der Senn glaubhaft versichert.


Seit dieser Demonstration hingebungsvoller Handarbeit gilt meine Hochachtung den Menschen, die alles dafür tun, um so hochwertige Lebensmittel herzustellen.
Der Käse aus Sonntag und auch aus anderen Sennereien im Großen Walsertal  ist ein Hochgenuss, denn die Milch dafür kommt von der Alp, wo eine Vielzahl an Gräsern, Kräutern und Blumen die Grundlage für den würzigen Bergkäse bilden.


Dankbar genießen wir seitdem jedes Stück Käse, das auf diese Weise produziert wurde.
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