Samstag, 12. April 2014

Jetzt ist Leben

Wir Menschen sind schon komisch. Wir schieben die einzige Gewissheit, die es für ein Leben gibt gerne in eine vielleicht nie eintretende Zukunft. Vergeben uns damit viele Chancen auf intensiv erlebte gemeinsame Momente (weil es ja nie die letzten gewesen sein können und noch so viel Zeit da ist)...

Die dem Leben innewohnenden starken Kräfte wirken zu lassen, ohne das Ruder umreißen zu wollen, das zu akzeptieren, was aus sich heraus zu gegebener Zeit entsteht braucht manchmal viel Mut. Dem Unausweichlichen ins Gesicht zu schauen und ja dazu zu sagen ist nicht leicht, wenn es um Leben und Sterben geht.  

Zu den schönsten Zeiten in meinem Leben zählten die intensivsten, wenn wir mit Babys lebten oder Menschen in schwierigen Zeiten helfen mussten und konnten. Einen anderen Menschen ins Leben und aus dem Leben zu begleiten bringt ein tiefes Gefühl von sinnvollem Tun. Und es verbindet auf eine tiefe Weise mit ihm.



Schmerz und Freude liegen oft sehr nah beieinander, das erlebe ich in diesen Tagen immer wieder. Und eines gehört manchmal zum anderen. Zurzeit meine fast täglich erlebte Realität. Ich möchte es nicht missen. Ich suche es nicht, aber wenn es da ist, ist es auf eine Art schön. Es beschreibt das Leben hier auf der Erde und es verbindet uns mit ALLEM WAS IST.



Danke für eure mitfühlenden Worte zum letzten Post. Wir sind hier auf  *kleine freude*, wo jetzt auch die andere Seite, das Traurige, zu Wort kommt.

Nur zwei Tulpen dieser Sorte sind dieses Jahr zur Blüte gekommen, vielleicht mag ich sie deswegen auch so sehr. Vielleicht werden sie nächstes Jahr ganz verschwunden sein. Jetzt sind sie da. 

Jetzt ist Leben.


Kommentare:

  1. Jetzt ist Leben, liebe Elisabeth, wie schön, dass du das so bewusst fühlst.
    Diese wunderbaren Tulpen, sie jetzt genießen, sie ansehen, sich bewusst sein, dass sie jetzt sind, jetzt sich zeigen in ihrer ganzen Schönheit. Wer weiß, was morgen ist.
    Alles Liebe
    Heidi

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  2. wie oft ich es schon gesagt habe nach dem ich meine Therapie abgeschlossen habe und meinen neuen Lebenspartner gefunden hatte jetzt ist Leben angesagt und nicht auf morgen starren sondern auf das jetzt was vor einem liegt und die Augen umher schauen zulassen was man sieht ganz dicht bei sich und noch heute sage ich immer wieder jetzt leben und im jetzt alles leben tief und hoch Traurigkeit und Freude.
    Diese Tulpen sind Symbole sie jetzt zu geniessen jetzt gerade heute da gebe dir Recht...so erlebe ich das jetzt genauso ich find man erlebt die Welt total anders die kleinen Dinge werden gross..

    Lieben Gruss Elke

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  3. Liebe Elisabeth,
    viele liebe Gedanken von mir sollen dich auf diesem Weg begleiten!
    Herzliche und MITfühlende Grüße von
    Christine

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  4. Ja, du Liebe, ich stelle das derzeit auch ganz besonders fest: "Einen anderen Menschen ins Leben und aus dem Leben zu begleiten bringt ein tiefes Gefühl von sinnvollem Tun. Und es verbindet auf eine tiefe Weise mit ihm." Hättest du mich vor ein paar Jahren gefragt, ob ich Lust dazu hätte, meiner Mutter die Füße einzucremen und zu massieren, hätte ich dich vermutlich verständnislos angegrinst und mir meinen Teil gedacht. Jetzt gehört es zu unserem Ritual. Viel zu besprechen gibt es ja nicht mehr, aber sie freut sich darauf, dass ich ihre trockene Haut mit der Kräutercreme, die mir meine Kollegin eigens für diesen Zweck gemacht hat, einschmiere - die Füße, die Hände ... danach wackelt sie immer mit ihren Fingern und meint, das fühlt sich viel besser an (mit den Zehen wackeln kann sie nicht mehr) - und ich freue mich, dass sie sich freut. Das ist auch eine Form von JETZT LEBEN. Das tun, was jetzt gerade notwendig ist und nicht mit dem Schädel bei 100 anderen Dingen sein, die man gerade lieber tun wollte oder die auch noch getan werden müssen. All diese Gedanken sind irgendwie weg, wenn ich bei meiner Mutter im Pflegeheim bin. Mein Bruder ist täglich "auf einen Sprung" dort, er wohnt in der Nähe und ist schon in Pension, ich komme zwei, dreimal die Woche, nach der Arbeit und am Wochenende, auch immer nur für ein halbes Stündchen oder so, die Aufmerksamkeitsspanne meiner Mutter ist nicht mehr sehr groß. Das bedeutet, entweder von daheim eine halbe Stunde hin, eine halbe Stunde zurück für eine halbe Stunde dortsein (und manchmal schläft sie und bekommt nur wenig bis gar nichtsmit) oder vom Büro aus zuerst per Öffis dorthin, wo ich das Auto an solchen Tagen parke und dann von dort zum Heim, eine ziemlich blöde Herumfahrerei also, und ich kann Umwege normalerweise nicht ausstehen. Aber hier kommt es mir ganz normal vor, es ist momentan ein Teil meines Lebens, der mir tatsächlich sinnvoll erscheint. Sie ist jetzt wie ein Kind, das Eincremen erzeugt Nähe und man verzeiht dabei auch einiges. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die den Tod verdrängen, aber ich lebe so gern, dass ich ihn gern weit weg wissen möchte. Meine Mutter hat seit kurzem eine Zimmerkollegin, die 93 und geistig noch sehr rege und auch recht positiv gestimmt ist - offenbar ist sie nach einem Spitalsaufenthalt im Pflegeheim, aber mit dem Ziel, wieder in ihr Appartment zurückzukehren. Ich denk mir, das ist eine Perspektive... Sie tut meiner Mutter gut, sie ist die erste Mitpatientin, mit der sie sich auch ein bisserl unterhalten kann... Ich hätt mir gewünscht, dass Hildekind auch noch richtige Lust entwickelt, den Frühling zu genießen, sich mit dem Rollstuhl rausfahren zu lassen, aber das scheint nicht der Fall zu sein. Ich hingegen genieße ihn doppelt und dreifach, den Lenz - und deine wunderwunderschöen Tulpenfotos, die geben mir Freude, auch wenn die Grundstimmung deines Posts zur Zeit traurig ist...
    Fühl dich herzhaftest umärmelt!
    Alles Liebe, Traude

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