Sonntag, 8. November 2015

Beschirmt...

...von Kiefern und trotzdem auch Teppiche von Laub unter den Füßen.

Vor einer Woche dachte ich etwas wehmütig an unsere Reise im Oktober des vorigen Jahres zurück. Wir genossen die Sonne und die noch sehr warmen Temperaturen in geographisch weit südlichen Gegenden der USA. Wunderbare Naturerlebnisse, die doppelt zählten im Bewusstsein des nahenden Winters und der langen dunklen Tage, die uns in Mitteleuropa erwarteten. Manchmal denke ich, dass solche Zeiten des Wandels besondere Kräfte freisetzen, wenn man viel viel bewusster aufnimmt, was bald nicht mehr so ohne weiteres zugänglich sein würde.



Die Bilder in diesem Beitrag sind heute aufgenommen. In einer Gegend die ich seit meiner Kindheit kenne, hier streiften wir jedes Wochenende mit meinen Eltern durch die Wälder. 


                                               Meiereiwiese Vorderbrühl, Oktober 1959

Vertraute Bilder und Aussichten, vertraute Gerüche, kaum etwas hat sich in all den Jahren verändert. Außer eines und das mit deutlich zunehmender Signifikanz. Sieht man die Fotos erscheint alles ganz normal, im Mischwald dominiert die immergrüne Schirmföhre (eine Kiefernart) und Buchen, die inzwischen schon zum Großteil das Laub abgeworfen haben. Da leuchten die gelben Blätter der Birkengruppe als besonderes Element hervor und erfreuen von oben am Berg und unten an der Wiese das Auge. Ein Spaziergang durch den herbstlichen Wald bringt also durchaus zur Jahreszeit passende Eindrücke, wenn, ja wenn nicht doch alles anders wäre als gewohnt. Heute ist der 8. November und das Thermometer zeigt an die 20°, dazu gab es eine recht warme Nacht und auch die nächsten Tage sollen ungewöhnlich warm bleiben. Zu warm für unsere Breiten, geht es nach der Statistik.



Perspektivenwechsel und Flexibilität im Denken scheinen eine wachsende Forderung und Herausforderung zu sein. Das zeigt sich beim Wetter, aber auch bei vielen aktuellen Geschehnissen in Europa, die uns nach neuen Lösungen zu suchen veranlassen müssen. Eine überschaubare und kontrollierbare Welt ist nicht mehr (so es sie überhaupt jemals gab). 
"Das kann nicht gesund sein" sagte eine Frau am Nebentisch, als wir heute in Freien zu Mittag aßen, auf die ungewöhnliche Wärme anspielend und ich dachte, wir werden nicht gefragt. Hier nicht und woanders auch nicht. Und trotzdem müssen wir Wege finden, um mit veränderten Bedingungen klarzukommen. Es wäre theoretisch ganz einfach. Annehmen was ist und das Beste daraus machen. Ganz einfach, oder eben ganz schwer. Eines ist sicher: Wir finden jeden Tag Gelegenheit zu üben....



So viel kupfrig goldenes Laub auf den Wegen wo die Buchen stehen. Durch die Baumstämme sehen wir hinunter auf die große Wiese. Ein kleiner Raum und doch so viele verschiedene Eindrücke vom Selben. Von außen oder von innen betrachtet und von jedem einzelnen Standort unterschiedlich erscheinende Welten. Und doch alles Teil derselben Realität. 
Da macht es wenig Sinn zu sagen, was wahr und echt ist und was nicht. Viel eher machte es Sinn zu schauen, was unter den gegebenen Bedingungen möglich ist. Das wäre schon Aufgabe genug...

   

Kommentare:

  1. Liebe Elisabeth,
    da kann ich nur beipflichten jeden Tag das beste so zu nehmen was der Tag uns bringt aber auch das Selbe zu fühlen zwischen all dem Bäumen die genauso Menschen sein können die Realität zeigt doch dass wir alle durch Blicken egal wer es ist,wenn wir davor stehen ..... das des Augenblicks das muss gesehen werden das jetzt ... anscheinend ist oft der Verstand so einzwängend anstatt die Gefühle die die Augen weinen lassen die Hoffnung walten zu lassen .. diese Wiese könnten alle sehen und erleben ... warum ist das so schwer nicht zu tun oder wenigstens zu üben wollen!
    Ich übe und mich kann keiner dran hindern... sehen -hören-sprechen nicht wie die drei Affen es tun!
    Lieben Gruss Elke

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  2. Das muss ein herrlicher Spaziergang gewesen sein. Wir wollten gestern einen Ausflug machen, aber da spielte das Wetter nicht mit und heute ging es nicht.

    lg kathrin

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  3. liebe Elisabeth, was soll ich sagen: wieder ein schöner und berührender post. dankeschön!
    dort wo ich aufgewachsen bon (baden) sieht es ähnlich aus...anninger, kurpark, usw.
    alles liebe
    margit

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  4. Was für ein schöner Herbstspaziergang! Und die kleine Elisabeth war auch dabei :) Also im Moment bin ich auch für jeden milden, sonnigen Tag dankbar und genieße ihn. Und ja......was ist schon normal? Das Wettergeschehen ist - denke ich - zu kompliziert, daß wir es verstehen können. Nächstes Jahr kann schon wieder alles anders sein. Schöne Woche noch :)

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  5. Kinderbilder sind so rührend privat, und doch ähneln sie sich auch so! Der Spaziergang ist der Hammer. Dieser Herbst hat ziemlich viele Menschen glücklicher gemacht.

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    1. Hattest du auch solche Strümpfe? Ich habe sie gehasst, sie rutschten immer! runter...

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  6. Da hast du recht, wir müssen in Zukunft sehr flexibel sein, in vielen Bereichen unseres Lebens. Sei es das Wetter, oder die Lage in Europa. Niemand weiß, was auf uns zukommt. Wir können es nur ahnen und versuchen, das Beste für uns daraus zu machen. Manchmal graut mir ein wenig.

    Sigrun

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  7. Wieder ein Post der guttut! Wie alle Deine Post, ich mag sie!
    Das Kinderbild ist so süss. Ja, auch ich hatte solche Strümpfe. Wer bist Du auf dem Foto? Hattet Ihr Zwillinge in der Familie?
    Ich les noch ein bisserl in Deinen "alten" Posts, das mach ich so gerne
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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    1. Danke Elisabeth! Ich bin die, die oben hängt :-), rechts mein Bruder. Wer da zwischen uns steht, weiß ich nicht, vielleicht eine Kindergartenfreundin? oder Kind einer Bekannten meiner Mutter? Ich habe keine Ahnung... ich bin knapp vier Jahre alt auf diesem Bild, ich kenn die Stelle genau, an der wir hier sind. Ist das nicht schön?!

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    2. Es ist ein Bild, dass mich an meine Kindheit erinnert. Ich hatte wirklich Zwillingsbrüder, 16 Monate jünger als ich.
      Auf einigen Fotos "häng" ich nicht obendrüber, sondern steh hinter, daneben etc. .... weil die Mama ja beide Arme voll hatte.
      Später als sie dann laufen konnten war ich meistens mittendrin.
      Leider ist vor vielen Jahren ein Bruder verunglückt. Es wird nie mehr Fotos von uns Dreien geben ....
      liebe Grüsse
      Elisabeth

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  8. Wie gefällt mir das!
    Vor allen Dingen, dass da noch die Natur gewertschätzt wird, gewandert wird, durch Kindheitswälder gestreift...außergewöhnlich für viele heute lebende Menschen. Ein Grundschulkind fragte ich mal, ob es mit seinen Eltern manchmal im Wald spazieren gehe. Die Antwort: Was soll ich da. Sind doch nur Bäume. Daheim vor meinem Computer isses geiler....
    Dir einen anerkennenden Gruß von Sonja

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