Mittwoch, 18. November 2015

24x abgeklatscht

Ein Sonntag im September in Wien. Gruppen von Menschen mit Kameras, Equipment und jede Menge Utensilien wuseln durch die Innenstadt. In Parks und auf Plätzen, in Kirchen und auf dem Rummelplatz, in Kaffeehäusern und Müllsammelstellen sieht man sie werkeln, posen, einstellen und abklatschen, wenn wieder ein Bild geschafft und auf der Liste abgehakt werden kann. Dieses Jahr hatte ich wieder mal Lust mitzumachen, sehr viel Lust und das innere Kind jubelte. Versuchen die bekannte Welt mit anderen Augen zu sehen und einfach für einen Tag das normale Leben ausblenden und Spaß zu haben. Spaß machte es ungeheuer, mit dabei der Mann an meiner Seite und eine liebe Freundin, wir waren ein Super Team.

Inzwischen ist der Wiener Fotomarathon so beliebt und bekannt, dass Leute aus anderen Teilen Österreichs eigens anreisen, um teilzunehmen. Solche Events gibt es auch in anderen Städten, hier in Wien jedes Jahr mit weit mehr als tausend Teilnehmern. Anspruch und Ehrgeiz und letztlich das Können, gute Fotos zu machen, die auch aus der Masse herausstechen, bringen eine große Bandbreite in die Ergebnisse und ich finde es jedes Jahr spannend, wenn dann Mitte November alle Fotos, die es in die Wertung geschafft haben veröffentlicht werden. So viel geballte Kreativität auf einmal! Natürlich sind Profis dabei, warum auch nicht, wer etwas kann, soll ruhig eine Bühne bekommen und dabei andere inspirieren.

Das Foto unten ist aus meiner Strecke, es erreichte unter meinen 24 Bildern die beste Wertung, nämlich den 10. Gesamtplatz beim Thema "ausgedient". Ich hatte Glück und das "Richtige" dabei, um diesem Thema einen passenden Auftritt zu geben. Alte Fotos, die ich einige Male in die Bilder einbaute, kamen nicht so gut an, ich fands stimmungsvoll, die Jury weniger. Letztlich spielt das aber keine Rolle, hier ist für mich der Weg immer noch das Ziel. Trotzdem finde ich es interessant Feedback, wenn auch nur als Punktezahl zu bekommen, man kann sich immer weiterentwickeln und Neues lernen, vor allem auch durch Fehler, aber auch durch das vergleichen mit anderen Teilnehmern: Wie haben andere das eine oder andere Thema umgesetzt, welchen Aufwand haben sie getrieben, welche Techniken verwendet? 




Die Aufgabe ist spannend und durchaus anspruchsvoll. Beim Vollmarathon muss man 24 Bilder zu am Morgen bekanntgegebenen Themen fotografisch umsetzen, in richtiger Reihenfolge auf der Speicherkarte spätestens zur Deadline beim Treffpunkt abgeben. Bilder im Nachhinein zu verändern ist strikt verboten und führt zur Disqualifikation. Wie und wo man die Aufgaben löst, steht einem frei, doch Kreativität hat schon hohe Priorität. Das mag ich und genau das spornt auch an! Man hat knapp 12 Stunden Zeit, was zunächst gut klingt, in der Praxis aber bedeutet, dass man im Schnitt alle halbe Stunde ein Foto machen muss, dazwischen von dort nach da fahren, Motive finden oder kreieren, auch mal was essen und trinken und nicht zu knapp auch einen Plan haben. Denn Chancen vorne mitzumischen stehen nur gut, wenn man es schafft ein möglichst neues und spektakuläres Konzept in Serie durch alle Themen durchzuziehen. Eine ganz schön große Herausforderung also. 

Als wir bei Bild 8! auf die Uhr schauten und feststellen mussten, dass wir zu lange (im Kaffeehaus bei Ham and eggs, Kaffee und Croissants) frühstückend gemütlich geplant hatten, wurde es eng und es mussten in kurzer Zeit einige Fotos gezaubert werden, um überhaupt noch eine Chance zu haben, alle 24 Fotos auf die Speicherkarte zu bekommen. Der Zeitdruck groß!

In diesem Moment denke ich daran, wie wunderbar es ist, sich in einer Großstadt frei bewegen zu können, unorthodoxe Dinge zu tun, die niemanden aufregen oder stören, Freude und Kreativität mit vielen anderen zu teilen, einfach weil man es tun kann und es die Welt ein bisschen fröhlicher und bunter macht.





Kommentare:

  1. Herrlich, einfach herrlich und schön (anzusehen). Kann mir vorstellen, das es interssant war, liebe Elisabeth! Gratulation.
    glg
    margit

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  2. Das ist ja toll, Elisabeth, ist ja mit richtiger Arbeit verbunden. Das würde mich auch interessieren. Der Sieger - diese "schwarz-weiß-Fotos" sind ja der Hammer.
    Klasse. Ich kann mich dir und deine Crew richtig vorstellen bei der Motivsuche. Ein Foto gefällt mir auch bei "ausgedient" - es zeigt eine Telefonzelle und einen Handytelefonierer, der sich an das ausgediente Stück anlehnt.
    Tolle Sache. ich werd da mal ein bisschen weiterstöbern.
    Liebe Grüße aus dem orkan- und regengeplagten Norddeutschland.
    Heidi

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  3. Ach die guten alten Schilling - smells like childhood holidays...
    Der Marathon ist doch eine Supersache. Mir gefällt deine "Pause" natürlich besonders gut, vor allem das Akkordeon im Hintergrund.

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  4. Liebe Elisabeth,
    ein wunderschönes Bild, herzlichen Glückwunsch zum tollen Gesamtplatz! Das war sicher eine aufregende und sehr schöne Sache!
    Ich wünsch Dir noch einen gemütlichen Abend!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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  5. Liebe Elisabeth
    was für ein Abenteuer doch auch ganz schön eingeengt in dieser Zeitspanne , aber das muss man ausprobieren mal so wie du und dein Foto finde ich auch toll und dickes Lob darunter zu sein den ersten Dutzend. Was da alles zustande kam ist hochinteressant und die Themen ,,,
    aber so wie du zu letzt sagst ist da sbeste zwanglos so dahin schlendern und was gerade das Auge sieht zu fotografieren und mit keinem inneren Druck beobachten so .... ja das ist was tolles so wie du oftmals diene Posting setztst!
    Lieben Gruss Elke

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  6. Das klingt spannend und sehr gut umgesetzt. Bei mir allerdings hben die Stofftaschentücher noch nicht ausgedient. Ich sage immer, ich bin gerne mal in der Stadt, aber leben möchte ich dort nicht. Dafür erlebst du sicher viele spannende Dinge in der Stadt, die mir verborgen bleiben.

    Sigrun

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  7. Toll, Dein Marathon! Und daß die Zeit knapp wird, kann ich mir sehr gut vorstellen....Mir gefällt auch das Akkordeon-Foto am besten. Erinnert mich an meinen Akkordeon-spielenden Papa. Wir haben oft und gerne dazu gesungen - meine Schwestern, die Mam und ich :)

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