Sonntag, 26. Juli 2015

Radwelthauptstadt Kopenhagen

Ehrlich gesagt hatte ich davon nichts gehört bevor ich nach Kopenhagen gekommen war. Und wieder mal ist da ein riesiges Fragezeichen, warum wir so wenig von interessanten, innovativen Projekten, die quasi vor unserer Haustüre stattfinden über unsere Medien mitbekommen. Ich lernte unter anderem, dass "to copenhagenize" eine Zielsetzung bezeichnet, nach der Stadtplaner eine essentielle Verbesserung des Fahrradverkehrs gegenüber dem Autoverkehr anstreben und entsprechende Maßnahmen setzen. 



Es genügte, sich einen Tag als Fußgängerin in der dänischen Hauptstadt aufzuhalten, um zu sehen, wie anders sich hier die Menschen in der Stadt fortbewegen. Bitte, ich habe höchste Achtung davor bei fast jedem Wetter diesen Untersatz zu verwenden (zwei Tage während meines Aufenthaltes wehte hier ordentlich böiger Wind) und muss "AscheaufmeinHaupt" zugeben, dass ich selbst das Rad nicht gerne benütze! Was ich hier in Kopenhagen sah, übertraf meine Vorstellung davon, wie man üblicherweise in einer Stadt von A nach B gelangen kann. Kopenhagen ist mit dem Ziel unterwegs bis 2025 CO2 neutrale Bedingungen zu schaffen und arbeitet sehr gezielt in mehreren Bereichen darauf hin, dieses Ziel auch zu erreichen. Hier ein weiterführender Artikel dazu. 



Auf *kleine freude* gibts zum Thema Fotos zum staunen. Mir ging es jedenfalls so. Ich sah elegante Damen auf dem Rad. Väter die ihre Kinder chauffierten, Fahrradtaxis, abgestellte Räder in atemberaubenden Mengen, Menschen die ihr Rad in der Menge suchten. Räder hinter Balkonfenstern und allgemein Räder in jeder Blickrichtung. Eine wunderbare Erfahrung, die meine Vorstellung vom leben in einer Stadt etwas zu verschieben vermochte. Aber seht selbst!

Abstellplätze beim Hauptbahnhof



Wo ist es doch schnell abgestellt ??


Auf dem "Laufsteg" Straße ( hier ist auch die Breite des Radweges gut zu erkennen)...



Gibt es ein besseres Beispiel, um zu demonstrieren, wer hier die Nase vorn hat? In Wien muss man sich vor Taxis selbst als Fußgänger am besten gleich in Luft auflösen...



Würde mir durchaus auch gefallen..


Die nächste Generation ist unterwegs zu einem neuen Verständnis ...


Christiania bikes sind die Lastenräder par excellence, seit 30 Jahren ein preisgekrönter Designklassiker aus Dänemark. Damit wird alles transportiert, vom Kind bis zur Tuba!




Hotels und Betriebe, die etwas auf sich halten stellen Leihräder bereit, in besonders eleganter oder auch schlichterer Ausführung. Verspielt und an die 70er Jahre der Flower Power Zeit erinnern die (plastik-)blumenbekränzten Fahrradkörbe, offenbar bei jungen Mädels durchaus beliebt.




"Heiligs Blechle" ist hier sicher geparkt...


Beeindruckend die Breite der Radwege. Oft doppelt so breit wie der Fußweg, zwei Radfahrer fahren da bequem nebeneinander, überholen ist gar kein Problem, sodass man eigentlich von einem zweispurigen Radweg sprechen kann. 


Ich war drei Tage lang sehr viel zu Fuß in der Stadt unterwegs und fand mich zeitweise verunsichert im Straßenverkehr wider. Anfangs hatte ich das Gefühl, dass die stillen zweirädrigen Flitzer aus jeder Richtung kamen und man gar nicht genug aufpassen konnte, um erstens nicht dauernd falsch auf einem Radweg herumzustehen und zweitens nicht mal schnell umgefahren zu werden. Die meisten Radler hatten allerdings recht viel Nachsicht, bremsten ab und klingelten höflich, wenn sie bemerkten, dass man nicht mit ihnen gerechnet hatte.

Taxi driver der besonderen Art: Die Zeit zwischen seinen "Fuhren" vertrieb sich dieser junge "Guru" mit spielen auf seiner indianischen Flöte. 



Zu guter Letzt ein romantisches Bild in diesem speichenlastigen Beitrag, auch hier darf das Rad nicht fehlen. Kein Witz, nur wenige Fotos aus Kopenhagen schafften es ohne Fahrräder auszukommen...



Und weil das alles doch ein bissl zu statisch ist, hier ein beindruckendes Video aus dem Jahr 2010 (die Anzahl der Räder im Straßenverkehr hat inzwschen noch zugenommen). Viel Spaß!





   
  

Kommentare:

  1. Das wußte ich nicht - ein toller Ansatz. In Holland sieht man ja auch viele Räder. Da ist auch alles platt,wir hier am Berg haben damit ein Problem. Die Älteren kaufen dann - wenn sie modern sind - ein E-bike, die anderen Älteren schieben das Rad den Berg hoch, sie haben kein Auto. Und wir - fahren mit dem Auto. Jeder hat eines, aber anders geht es hier wirklich nicht. Wir hatten früher nur einen Wagen, hier zwei. Zu Fuß kommt auch keiner hoch, nur wenn es gar nicht anders geht.

    Sigrun

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  2. Das erinnert mich alles sehr an Amsterdam! Ich fand es auch total faszinierend und habe gefühlte 1000 Aufnahmen nur von Radlern gemacht :) Ob Anzüge, schicke Kleidchen, Jeans - alles paßt auf den Fahrradsattel! Bei uns in der Region sind gerade Fahrradschnellstraßen im Gespräch. Es tut sich anscheinden wirklich was in Sachen Drahtessel. Wird ja auch langsam Zeit....

    Sehr schön wieder.....Deine Rundfahrt in Kopenhagen :)

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  3. Hallo Elisabeth,
    das wusste ich noch gar nicht, dass das eine so fahrradfreundliche Stadt ist.
    Einer Studie zufolge sollen Radfahrer umso sicherer sein, je mehr Radfahrer es gibt. Die Autofahrer achten dann mehr drauf, weil sie es gewohnt sind.
    VG
    Elke

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  4. Ach wie schön ist dieser Radlbericht! Als ich letztes Jahr in K. war, war ich auch total hin und weg von dem zweirädrigen Lebensgefühl dieser Stadt.
    Hier, falls es dich interessiert:
    http://threefivesix.blogspot.de/2014/10/tourismus-in-kopenhagen.html
    Deine Fotos sind bezaubernd, die werde ich sicher noch öfter anschauen.

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  5. ich dachte Münster wäre so "Radlintensiv" ..
    hier in Wien geht es gemächlicher dahin, wenn ich ins Büro radle, begegnen mir vielleicht .. naja, maximal 10 Leute mit Rad, das werd ich morgen gleich zählen :)
    Tolle Bilder hast du da gemacht!
    liebe Grüße
    Sophie

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  6. Whow,das ist vorbildlich,mal sehen,wann wir in unseren Großstädten auch so weit sind,besonders in Berlin ist noch viel Nachholbedarf...
    Du hast wunderschöne Fotos gemacht,besonders der Flötespieler gefällt mir! Kat

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  7. schöne bilder und guter blick!

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  8. Fahrradlstädte ob Kopenhagen oder Venlor als ich dort war amüsierte ich mich auch über die Fahrradstapelung überall und ich finds toll dass dies so ist ich finds auch nicht gut die Elektrofahrräder die bei uns überall explodieren für Urlauber und gerade die jungen genauso, wo bleibt die Fitniss ich würde mir keins kaufen wa sgibt es besseres wie sen Fahrrad mit Körperenergie zu bewegen in frischer Luft.
    Beeindruckend deine Fotos und ich hoffe dass die Städte in Deutschland auch mehr machen und die Devise Fahrrad hat Vorfahrt! Umweltschonener wird alles.
    Lieben Gruss Elke

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  9. Liebe Elisabeth,
    wirklich ganz, ganz großartige Aufnahmen hast du aus Kopenhagen mitgebracht! Ich wußte übrigens auch nicht, dass es sich dabeium die Rad-WELTHAUPTSTADT handelt - hätte ich raten müssen, wäre fürmich Amsterdam ganz klar die Favoritenstadt gewesen, denn dort bin ich selbst schon herumgeradelt und weiß, zuerst kommen die Radfahrer, dann kommt lang nix, dann die Fußgänger und erst zum Schluss hast du als Autofahrer ein paar Rechte. Und wenn man dort als Autofahrer einem Radler auch nur ein Härchen krümmen würde, würde man vermutlich um sein Leben rennen müssen... ;o) Besonders amüsant fand ich das Foto von der Dame im grünen Kleid (ob sie weiß, wie ihr Po darin von hinten auf dem Radel aussieht ;o)) und den rothaarigen Flötenguru. Ja, Kopenhagen ist schon eine schräge Stadt, ich muss da unbedingt wieder hin.
    Und ich finde, dein Bericht muss unbedingt zur Fahrradfrau - als Gastbeitrag zu world wide wheelers! http://bikelovin.blogspot.de/p/world-wide-wheelers.html
    Ganz liebe Grüße aus Rostrosenhausen und daaaanke für deine lieben Zeilen bei mir!
    (Übrigens hab ich heute Karten für "Ewig jung" für den 15.8. gebucht! :o))
    Traude
    (die auch sehr froh ist, dass es jetzt ein bisserl abgekühlt hat!)

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  10. Tolle Fotos, Elisabeth, hab ich auch nicht gewusst, dass auch in Kopenhagen die Räder die Nase vorn haben. - Von Holland ist mir das ja schon bekannt, aber Kopenhagen - klasse. Ich wär froh, wenn in meiner Umgebung die Radwege radfahrertauglich wären. - Leider ziemliche Holperpisten. - Da fällt mir grad ein: Meine Freundin hat eine Radfahrervase aus Porzellan an ihrem Gefährt, immer ist ein frisches Blümchen drin, wenn sie sich auf Tour begibt.
    Kopenhagen - da muss ich hin, kann ich ja quasi mit dem Rad hinfahren :-)
    LG Heidi

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  11. Ich bin auch jedes Mal erstaunt, wie viele Radfahrer, selbst bei richtigem Dreckswetter unterwegs sind. Ich find's super, dass ihnen so viel Platz im Stadtverkehr eingeräumt wird. Das Beispiel sollte Schule machen.
    Liebe Grüße.

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