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Freitag, 20. Mai 2011

Ivy und der Amselmann / Teil 3

Eine Fortsetzungsgeschichte in loser Folge.

Roland, Wahlcousin vom Amselmann war praktisch von einer Minute zur anderen obdachlos geworden. Verlassen hatte er sich bisher immer auf seine Kreativität können, diesmal reichte sie nicht über die Schnabelspitze hinaus. Verlassen war er jetzt auch von IHR. Misserfolg auf der ganzen Linie.
Über ein riesiges Gestell, das zu seinem neuartigen styroporverkleideten Nest an die Hauswand hingestellt worden war, ist der Flügellose mit einem Kübel gekommen. Flugs war vom Eingang zu seiner Behausung nichts mehr zu sehen. Alles schön glatt gemacht, hier wollte er es nicht noch mal versuchen. Die Höhlen im Stamm vom Herrn Birnbaum wiederum waren inzwischen alle belegt. Er hatte also ein Problem, vielleicht sogar mehrere.
So trafen sich die zwei von Zeit zu Zeit auf Herrn Birnbaums Hauptast, um zu beratschlagen, was es für Möglichkeiten geben würde rasch eine neue Bleibe zu finden. Ivy freute das, nach ein paar Wochen erster rosaroter Zuckerzeit wickelte sich manchmal eine Langeweile um ihre Triebe, die sie nicht als solche erkannte, war sie doch im höchsten Glück, basta.



Sie schlug Roland eine unkonventionelle Lösung vor. Dieser wiegte den Kopf hin und her und war skeptisch, das war deutlich zu sehen. Amselmann hielt sich vornehm aus der Diskussion, er hielt Ivy sowieso für viel zu leicht begeisterbar, aber das musste man ja nicht gleich hinausträllern.
" Ich könnte dir aus einem meiner Triebe ein schönes Nest aufwickeln, ganz oben", dort wo das Beste von Herrn Birnbaum wohnte und keine Katze mehr den Aufwand auf sich nehmen würde. Katzen wägen das ab, unterm Strich muss der Wohlfühlfaktor siegen, sonst gäbe es ja Stress und der ist Menschenjägern vorbehalten.



Roland glaubte noch daran, dass er ein verlassenes Baumloch vom Vorjahr finden würde und suchte ganze Tage lang, bis zur Erschöpfung, bis er Ivy richtig Leid tat. Aber er brauchte einen festen Boden unter seinem Bauch des Nachts und eine dunkle Höhle. Ein paar hingepfuschte Zweige, das war nicht seine Sache.

Bisher erschienene Folgen findet ihr:  Hier weiter unten.

Donnerstag, 14. April 2011

Ivy und der Amselmann / Teil 2

Eine Fortsetzungsgeschichte in loser Folge.

                                                Ivy umgarnt Herrn Birnbaum

Aber nun immer schön der Reihe nach. Ivy hatte sich mit Herrn Birnbaum eingelassen. Er war ganz in der Nähe zu hause und ein Baum von einem Mann. Er hatte alles, was einer wankelmütigen Frau Halt geben konnte. Klar, er gehörte zu einer ganz anderen Welt. Alle wussten das. Man vertraute darauf, dass die ersten Hindernisse sie zum Nachdenken bringen würden.


                  Herr Birnbaum im Liebestaumel, von Ivy umgarnt

Aber das Schicksal wollte es anders. Oberhammer war krank geworden und der Rasentraktor blieb für fünf Wochen in der Scheune. Äonen Zeit, um vom Zaun über das kurze Stück hohe Wiese zu Birnbaum zu gelangen. Herr Birnbaum fühlte sich geschmeichelt und Ivy streichelte mit ihren tastenden Triebspitzen seinen rauen Stamm entlang. Zuerst waren noch leichte Bedenken da, aber als ihm Ivy versicherte, nicht zur Familie Efeu zu gehören, wie ihr Name übrigens fälschlicherweise suggeriert hatte, entspannte er sich wieder. Sie war so glatt, so süß und schlank. Es war Liebe auf den ersten Blick gewesen.
Familie Wilder Wein, Ivy´s Vater und ihre Mutter, hatte sie mit Wuchsfreudigkeit ausgestattet, sie war so stolz darauf. Ihr könnt euch vorstellen, was für eine Sause sie zur Verlobung feierten. Herr Birnbaum war anfänglich ziemlich steif dagestanden, doch Ivy umgarnte seine Äste mit ihren Trieben und bald war klar: Herr Birnbaum feierte seinen zweiten Frühling.

Fortsetzung folgt!

Wer Teil 1 versäumt hat: Hier könnt ihr nachlesen

Montag, 11. April 2011

Ivy und der Amselmann / Teil 1

Eine Fortsetzungsgeschichte in loser Folge.

Der Amselmann hatte sein schönstes Werbelied aufgelegt. Er hatte einen wiederkehrenden Traum. Vor Allem aber hatte er ziemlich genaue Pläne. Ivy war noch nicht eingeweiht. Sie hatte viele Triebe, alle wuchsen in eine Richtung, nur geringfügig voneinander abweichend. Das machte sie stark.


Die Natur hatte ihr Brautkleid angelegt. Auch ein Traum, wie die Menschen sagen, traumhaft nämlich. Aber wie die Hochzeit und der schönste Tag im Leben schnell vorüber geht, so schnell ist auch diese Zeit passé. Die Blütenblätter lösen sich, der Wind schneit sie im Sonnenlicht davon.

Ich habe das mit dem schönsten Tag nie verstanden, sagte Ivy. Wie so oft stand eine Strategie gegen die andere. Eines Frühsommermorgens fiel eines ihrer Triebe dem flutenden Grün entgegen, es hatte für einen Moment auf das Streben vergessen. Der Amselmann war zufrieden. Er flog weg, irgendwie blieb er aber auch. 
Ivy kümmerte sich tagelang nicht darum, erst als sich die kleinen Klammern wieder an den Stamm irgendwo in den unteren Stockwerken hefteten, wurde sie aufmerksam. Soll sie halt von vorne wieder anfangen, auch kein Problem, dachte sie. Einen widersprüchlichen Ansatz ihres Wesens würde sie wohl nie hinterfragen. Immer hinauf, der Sonne entgegen, aber das grelle Licht schlecht vertragen. Andererseits, es war Brautkleidzeit und da macht man sich traditionell keine Sorgen.
Amselmann kam und sang sein Lied, diesmal etwas verändert. Nur leicht, wenn ihr wisst, was ich meine. In etwa so, wie wenn die Filmmusik sich zu verändern beginnt, während die Bilder noch einen Augenblick bei der letzten Szene verweilen.

Fortsetzung folgt.
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