Sonntag, 8. Mai 2016

Lebens-Tag

Zuerst das gefällige Bild zum Muttertag. Üppige Blumenpracht, Herzen und Kerzen. Ein bisschen Silber, ein bisschen was Edles und Schönes. Durchaus schön! Gesehen in Wetzlar.


Entlarvend und interessant fand ich die Interpretation dieser Brunnenfigur im Sprudelbad Bad Nauheim, wo ich unlängst zur Fortbildung war. Die sehr nette Frau, die die Führung machte sprach von einem "erotischem" Werk, sich wundernd, dass man in einem Heilbad vor Hundert Jahren auf solch ein Motiv Bezug nahm. Was sagt es über eine Kultur aus, wenn sie die lebensspendende heilende Kraft des Wassers mit dem Weiblichen und Mütterlichen archetypisch verbunden, nicht als solches erkennt und als frivol uminterpretiert? Erschreckend irgendwie. Sofort fiel mir die Debatte in den Staaten jenseits des Atlantik ein, wo das eigene Kind in der Öffentlichkeit zu stillen mittlerweile von Müttern als revolutionärer Akt gesehen wird, weil sie mit Beschimpfungen rechnen müssen. 


Nun, wir sind hier auf *kleine freude* und wollen uns auf unser Kernthema der Inspiration und positiven Ausrichtung besinnen. Ist es nicht wunderbar zu sehen, wie der Jugendstilkünstler das Thema des Nährens und Heilens hier aufgeschlüsselt hat?! Ich habe nie Kunstgeschichte studiert, aber genau das sollte ja keine Rolle spielen. Entgegen dem Kontext, dass die Darstellung von Brüsten (fast ausschließlich) der Lust dient, verbindet diese Figur das Wasser unserer Mutter Erde mit dem Wunder des Lebens, das sich immerfort verändernd neu erschafft. Jede noch so kleinste Tat der Liebe und Fürsorge trägt sich weiter, schafft neue Grundlagen für kraftvolles Leben und Fülle. Wie das Wasser, das aus der Quelle aufsteigend nie versiegt, die Erde hat mehr als genug davon.
Wenn ich mich nur für eines entscheiden müsste, wofür ich Dankbarkeit empfinde, dann ist es die Tatsache, dass ich Kinder bekommen konnte. Ich wollte das erleben und es klappte glücklicherweise.


Muttertag - ein Tag, den ich im Stillen auch für mich feiere, wie die Geburtstage meiner Kinder. Muttertag als Lebens-Dankbarkeits-Tag.



Kommentare:

  1. Dein Text rührt mich tief an. Liebe Grüße Petra

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  2. Du sprichst aus dem Herzen, und obwohl ich keine Mutter bin und nie eine sein wollte, schließe ich mich Pepe an - ein berührender Text.

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  3. so ist es richtig und so habe ich es für mich auch getan .. schön dein Posting dazu!
    Lieben Gruss Elke

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  4. Was für schöne Gedanken. Wir feiern - also ich - Muttertag nicht, weil ich lieber das ganze Jahr Mutter bin und diesen Tag nicht möchte. Der Brunnen ist scharf, ich mußte direkt zweimal hinschauen. Wenn du mal wieder in Wetzlar bist, besuch mich, ich wohne nur eine Stunde davon entfernt!

    Sigrun

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  5. Toll. Deine Fotos sind klasse, ganz besonders das zweite.
    Gruß
    susa

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  6. Liebe Elisabeth,
    deine Interpretation der Jugenstilfigur gefällt mir auf jeden Fall um Klassen besser als die "offizielle". Was "die Debatte in den Staaten jenseits des Atlantik" betrifft - ich kann mich auch hier noch gut an Zeiten erinnern, da war das Stillen von Kindern in der Öffentlichkeit "uuuuh - hast du DAS gesehen!?!?!" Dann waren ein paar moderne Mütter "jung und frech" und plötzlich wurde es gesellschaftlich anerkannt. Und seit einigen Jahren schwappt, wie ich glaube, verstärkt die Prüderie von drüben zu uns rüber - man sieht nicht nur viel seltener Frauen, die ihre Kinder stillen, sondern (obwohl erlaubt) auch kaum noch "oben ohne" in Bädern oder Frauen, die T-Shirts ohne BH tragen... Eine Zeitlang war das quasi "alltäglich", vielleicht kehrt das auch eines Tages zurück, wie manche andere "Mode", aber da müssten die Frauen wohl wieder etwas frecher und selbstbewußter werden...
    Ganz herzliche rostrosige Grüße von der Traude

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  7. Das ist schon ein besonderes Kunstwerk. - Es erinnert mich an den Brunnentanz, den ich beim meditativen Tanzen gelernt habe. Die Mutter, die Frau als lebensspendendes Wesen. - Beim Tanzen schöpften wir gedachtes Wasser und zerstreuten es über die Erde - der Tanz war sehr berührend. - Muttertag - Yahyah - unser "Tante-Emma-Türke" erzählte mir heute, er wäre gestern mit seinen beiden Jungs im Schwimmbad gewesen, damit die Mama mal frei hat. - Das hat mir sehr gefallen.
    Ich war allein am Muttertag - das war auch gut so, hab mich besonnen auf mein Mutter/Omasein.
    Das letzte Foto - hätte ich auch sein können. Die Puppenwiege mit Puppe Uschi unterm Tannenbaum - ach ja, wie schön.
    LG Heidi

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