Mittwoch, 23. September 2015

Von Bäumen begleitet / 14

In früheren Beiträgen dieses Monats gab es schon die ersten Andeutungen, jetzt folgen Bilder von meinen Erlebnissen mit Bäumen im August auf der Mecklenburgischen Seenplatte. Da schlägt jedes Baumfreundes Herz Purzelbäume! Besonders erfreuten mich zwei Begegnungen mit Ulmen. Wer sich mit Bäumen beschäftigt weiß, dass diese Baumart in der europäischen Landschaft stilgebend war, bis dahin, wo das große Ulmensterben begann, immerhin schon vor etwa hundert Jahren!



Die erste Überraschung gab es, als ich auf der Wanderkarte im Areal des Müritzer Nationalparks las: "Ulmenallee". So machten wir uns also auf den Weg, nicht wissend, ob es diese Allee überhaupt noch gibt. Einheimische die wir befragten, konnten uns keine Auskunft geben und so mussten wir ein wenig suchen bis wir schließlich fündig wurden. Von der ehemals einige Kilometer langen Allee (wenn die Angaben auf der Karte stimmen) ist nur mehr ein kleiner Abschnitt erhalten, hier führt ein idyllischer Radweg durch.



Bei einer Recherche in weltweiten Netz stieß ich auf einen lesenswerten Artikel  aus "Die Zeit", in der die Zusammenhänge des Ulmensterbens sehr gut beschrieben sind. Der Artikel ist aus dem Jahr 1982!, seither ist nicht viel zum Thema zu finden. Es verschwindet, wie die Ulmen selbst langsam aus unserem Bewusstsein. Zwar sollen junge Bäume noch nicht gefährdet sein und sich relativ früh reproduzieren können, die erwartete kurze Lebensdauer macht diese Baumart wahrscheinlich zu unattraktiv um sie im großen Stil zu pflanzen.



Auch auf diesen Bäumen gab es im August schon gelbe Blätter, ein Indiz für das Schadbild, es ist also durchaus möglich, dass auch der letzte Rest dieser wunderschönen Allee bald der Vergangenheit angehört. 

Es liegt eine Stille in der Landschaft. Kein Verkehr, der leichte Wind lässt das Gras auf diese ihm eigene, mir aus Kindertagen vertraute Art summen, die entsteht wenn die vielen langen Halme gegeneinander stoßen. Auch die Blätter der Bäume rascheln sanft, hie und da eine Fliege oder ein anderes Insekt. Ein feines Naturkonzert, das augenblicklich entspannt und eine Trance auslösen könnte, würde ich mich hier hinsetzen und einfach nur auf alles rundherum vergessen.





Am Ende der Allee finden wir diese Infotafel, einfach genial. In mir keimt die Idee, bei uns zuhause am Bach eine Ulme zu pflanzen. Ich habe mich verliebt...



Nun aber zur richtig alten Ulme, auch sie finden wir über einen Eintrag in der Wanderkarte. Hier fährt man mit dem Rad, die Landschaft ist flach, vielleicht ein wenig eintönig (nicht für mich), um sich zu Fuß die Gegend zu erschließen. So gehen wir etwa eine Stunde an Feldern entlang, dann im einen Eichen und Kiefernwald, bis wir dieses Schild entdecken.


Und das steht die von allen Schadpilzen und Käfern übersehene Pracht von einem Baum, der allerdings schon deutlich seinem Verfall entgegengeht. Ein Zauberbaum, auf einer Seite geschützt von einer Düne, im Schatten einer riesigen Buche, von Kiefern umgeben, also mitten im Wald.
Es hat nun ein wenig zu tröpfeln begonnen, dementsprechend schlecht ist das Licht, die Fotos geben hoffentlich trotzdem die Stimmung wider...



Was für ein charaktervoller Baum!


Von dieser Seite sieht man die Breite des Stammes, diese Ulme hat viele hundert Jahre auf dem Holz (leider findet sich kein Hinweis auf ihr Alter). Was sie wohl schon alles erlebt hat? Da geht die Fantasie schon wieder mit mir durch. Vielleicht haben sich hier unter der Ulme zwei Menschen die ewige Treue geschworen, oder einander verflucht, vielleicht wurde hier ein Kind geboren oder weggelegt? Vielleicht ein Vertrag geschlossen und vieles andere mehr...



Noch ein Blick in die Krone, ich stehe auf der Düne, von hier kann man fast in das Kronendach greifen. Ein ganz eigenartige Stimmung, ehrfurchtgebietend und zum Innehalten anstiftend liegt in der Luft...


Hier findet ihr einen Hinweis auf die alte Ulme in der Nähe des Amalienhofes. So viel Freude haben diese Bäume in mir ausgelöst und nicht nur diese....

Hier findet ihr alle 13 bisher erschienen Beiträge zur Serie





Kommentare:

  1. Liebe Elisabeth,
    so schön, dieser urururalte Baum. Und so traurig, dass diese Baumart vermutlich ausstirbt. Was hältst du von guerilla-Ulmen-planting in Laxenburg? Oder sonstwo? :o))))
    Busserl, die Traude
    http://rostrose.blogspot.co.at/2015/09/irland-reisebericht-bantry-und-bantry.html

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  2. Faszinierend....diese Ulmenallee und erst der Riesengroße Baum. Schade das sie immer weniger werden. Vielen Dank für den schönen Post.

    Liebe Grüße Eva

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  3. Guten Morgen, liebe Elisabeth,
    das sind traumhaft schöne Baumriesen ...diese Ulmenalle ist auch herrlich! Es ist schön, zu sehen, daß es doch nochwelche gibt. Auch ich habe traurig festgetellt, daß es immer weniger werden ...
    Dnake für diesen wunderbaren Post!
    Ich wünsch Dir einen schönen und fröhlichen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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  4. wunderschön sind diese bäume, liebe Elisabeth!
    auch insgesamt ist dieser post sehr interessant, mit tollen bildern. da hab' ich wieder was dazugelernt :-) echt.
    herzlichst
    margit

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  5. Liebe Elisabeth ... ich kannte die Allee als sie noch sehr, sehr lang war. Meine Tante wohnte in der Nähe, ich durfte 2 Mal noch zu DDR-Zeiten zu ihr reisen. Es war wunderschön dort. Leider "durfte" ich damals keine Fotos machen, es war tatsächlich so, dass wir ständig unter Beobachtung waren.
    Es ist so schade, dass nun so wenig überblieb. Deine Bilder sind faszinierend. Und trotzdem sollte man dort stehen und mit allen Sinnen diese kraftvolle Baumwelt spüren. Es ist schön, dass Du dort warst und mittendrin gestanden bist. Spüren kann man diese Kräfte, diese Natur auf den Bildern irgendwie nicht ....
    Danke für den Post, er hat mich fast 30 Jahre zurückgeführt. Meine Güte, wie die Zeit vergeht ...
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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    1. Wow Elisabeth, das ist ja wunderbar! Freut mich sehr! Du hast recht, die direkte Eerfahrung kann mit den zweidimensionalen Bildern nicht mithalten und trotzdem mag ich sie und wenn jemand der das liest die Möglichkeit findet dahinzukommen und es selbst zu erleben, dann freut es mich doppelt!

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  6. ich finde die Baumbilder wunderschön und man kann sich die Stimmung und Kräfte unter den Riesen wenigstens vorstellen, wenn auch natürlich nicht direkt erleben...
    Ich lese momentan in dem wunderbaren Buch "Das geheime Leben der Bäume" von Peter Wohlleben, wenn du es noch nicht kennst, kann ich es dir absolut empfehlen. Es geht vor allem das "Sozialleben" von Bäumen und wenn ich solche alten Baumriesen wie deine sehe, macht mich das froh!
    lg

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    1. Danke Friederike, ja das Buch kenne ich, möchte als nächstes "Der Biophilia Effekt" lesen, steht schon in der Warteschleife und klingt vielversprechend.

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  7. Hallo Elisabeth,
    das sind wirklich Prachtexemplare! Ich habe bewusst noch nie eine Flatterulme gesehen, vielleicht weil ich sie unbewusst schon abhake, so selten wie sie ist. Feld-Ulmen findet man ja noch recht oft, die haben so lustige Samen.
    VG
    Elke

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  8. Sehr interessant, liebe Elisabeth! Dass muss ein richtiges Paradies für Dich gewesen sein.

    lg kathrin

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  9. Was für eine Kraft in diesen alten Bäumen steckt. Da möchte man einfach stehen und
    still sein und genießen.
    Es sind wunderschöne Bilder. Vielen Dank für diesen Post.
    Herzliche Grüße
    Rita

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