Montag, 15. Dezember 2014

Das Ding mit der Weihnachtsfreude / 3

"Ich bin heuer noch gar nicht in Weihnachtstimmung, obwohl es nicht mehr lange bis dahin ist" . Oft höre ich diesen Satz, in meinem persönlichen Umfeld und auch über die Medien. Viele führen ihre fehlende Einstimmung auf das Fest der Liebe, des Friedens und der Freude auf das Wetter zurück. "Es ist zu warm, es schneit nicht, die Weihnachtsmärkte sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren..." 
Ich kratze etwas an der Oberfläche und habe das Gefühl, dass die Ursachen viel tiefer liegen.



Die Euphorie nach der Jahrtausendwende, wir kämen mit dem Beginn des Einundzwanzigsten Jahrhunderts in eine weltweit weit entwickelte solidarische, einer positiven Zukunft zusteuernden Weltgemeinschaft ein großes Stück näher, weicht nicht erst seit September 2001 einer ungläubigen Gewissheit, dass alles ganz anders läuft. Wir verlieren gerade im fast vergangenen Jahr 2014 massiv an Vertrauen in alles was die Welt am Laufen hält. In der Wirtschaft, im Finanzwesen, in der Politik, im Gesundheitswesen, in der Ernährung, überall sehen wir in immer neu aufbrechenden Skandalen, Kriegen und Verlust von Freiheit, Selbstbestimmung und Arbeit, dass wir weit weg davon sind bestehende Probleme gelöst zu haben, im Gegenteil. Sich diesen Wahrheiten zu stellen ist nicht leicht. Alle möglichen Strategien werden angewendet, um nicht hinschauen zu müssen: Verleugnung, Erstarren, das eigene Kleine zu retten versuchen, sich einreden, dass alles ja gar nicht so schlimm sein kann.



Bevor ihr hier, meine Lieben zusammenbrecht oder abschaltet oder auch nur fragt, was das alles mit *kleine freude* zu tun hat, gebe ich Entwarnung. Es geht nicht darum, sich niederdrücken zu lassen oder zu verzweifeln. Ich denke aber, es ist wichtig die Dinge nicht kleinzureden und sich der Notwendigkeit zu öffnen, dass sich Vieles verändern muss. UM BESSER ZU WERDEN. Damit wir ein glückliches, solidarisches, liebevolles Miteinander schaffen können, muss vorher beendet werden, was unsere Welt ausblutet und kaputtmacht.

Ich glaube, wir alle spüren diese Notwendigkeit zu einer Umkehr im Denken und Handeln. Was uns Angst macht und zögern lässt, ist wahrscheinlich die gefühlte gewaltige Größe dieser Notwendigkeit. Menschen haben aus vielerlei Gründen Angst vor Veränderung, besonders wir hier in den so genannten reichen Ländern Europas. Wir könnten ja etwas verlieren, woran wir uns schon so gewöhnt haben.



Ob wir uns fürchten oder nicht, wenn sich etwas überlebt hat, stirbt es sowieso. Wenn die Zeit reif ist, geschehen Veränderungen, Umwälzungen und der Boden für etwas Neues formt sich. Wir stehen an einer solchen Wende in der Entwicklung der Menschheit. Die Zeichen sind unmissverständlich da, unser tiefgreifender Vertrauensverlust in herrschende Systeme zeigt das deutlich.  
Wollen und können wir uns eine bessere Welt vorstellen? Das wäre der erste Schritt. Danach käme die innere Bereitschaft, alte gewalttätige Strukturen zu verabschieden und bereit zu sein für das Neue, bevor wir dann beginnen können es zu bauen.

Indem wir den inneren Wandel zulassen, erlauben wir unserer äußeren Wirklichkeit sich zu wandeln. Wir stellen uns nicht gegen notwendige Veränderungen und gehen vertrauensvoll in eine zwar ungewisse, aber hoffentlich bessere und friedlichere Zukunft, als Menschheit auf unserer wunderbaren Erde.



Ein ernster Post heute, ich habe lange gezögert, diese Gedanken auszudrücken. Wer will das schon in der kekserlpunschundchristbaumkugelseligen Zeit hören oder lesen! Und doch ist es das, was mich beschäftigt, was ich sehe. Weit weg von pessimistischem Denken, drückt es im Gegenteil meinen Wunsch für tiefen und nachhaltigen Frieden aus, nicht nur für die Weihnachtszeit. 
Es gibt den Spruch: Friede, Freude, Eierkuchen. Er beschreibt das Falsche im Verharren auf der Oberfläche, unter der die Monster auf ihren Auftritt lauern. Ich wünsche uns allen echten Frieden, echte tiefgreifende Freude. Wir erkennen es an einem alles durchdringenden Gefühl von Dankbarkeit. Dann spielt das Wetter keine Rolle mehr für die richtige Weihnachtstimmung.

In diesem Sinne: Lasst uns abwägen, was wichtig ist, alles andere sein lassen und die letzten Tage vor dem Fest mit unseren Mitteln mit Liebe und Frieden füllen....

Die früheren Folgen dieser Serie findet ihr in Beiträgen des Dezember 2014.


  
  



Kommentare:

  1. Liebe Elisabeth, finde ich gut, dass du das Thema ansprichst. Auch wenn es jetzt unpopulär klingt...ich bin kein Freund dieser heilen, alles ist in Ordnung, wir machen jetzt mal auf Familie und singen süßer die Glocken nie klingen - Weihnachts-Welt. Und ich brauche das ehrlich gesagt überhaupt nicht. Ich versuche das ganze Jahr über bewusst und besinnlich zu sein, meine Familie sehe ich, wann immer wir es übers Jahr einrichten können. Geschenke? Bei uns Fehlanzeige. Also auch kein hektisches Herumrennen bis in letzter Minute. Das ganze Drumherum wird doch von den Medien aufgebauscht - "so und so hast du zu sein und bitte kauf das und das, damit es einfach perfekt wird" - wie in irgendwelche künstlichen Werbespots mit superfein gedeckten Tischen, bei dem alles aber wirklich alles arrangiert ist. Wofür, frage ich mich? Schöner Schein statt offenes und herzliches Miteinander. Das ist nichts für mich.
    Das letzte Bild ist übrigens der Knüller! :-)

    Liebe Grüße
    Nina

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  2. Und wieder: Danke, auch für diesen ernsteren Post und gerade, wie du es nennst (wieder so eine tolle Wortschöpfung), in dieser kekserlpunschundchristbaumkugelseligen Zeit. Ich teile dein Gefühl, dass ein Wandel ansteht und merke, wie einfach es ist, nur zu kritisieren anstatt was Neues zu kreieren und ins Leben zu bringen. Kleine Schritte machen ist für mich gerade die Lösung. Liebe Grüße Petra

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  3. Danke für diesen Post! Ich glaube, Deine Gedanken tragen viele Menschen (auch ich) mehr oder weniger bewusst mit sich herum. Dass wir vor Veränderungen stehen, dürfte auch immer mehr Menschen klar werden, das ist gerade in diesem Jahr unübersehbar geworden. Hoffen wir, dass unsere Sehnsucht und unser Wunsch nach tiefgreifendem Frieden sich erfüllt - nicht nur zur Weihnachtszeit!
    Liebe Grüße
    Inge

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  4. Just vorhin, als der Verkehr dermaßen übervoll von Autos nur noch zäh dahin floss, fragte ich mich, was das für eine verkehrte Welt ist. Die TV-Werbung verspricht bei Abschluss `dieses` Vertrages jedes Jahr ein neues Handy (wer gewinnt dafür noch gleich für einen Hungerlohn das Metall und kocht es später dann gesundheitsschädigend wieder aus den alten Platinen heraus?), muss in uns Frauen wieder einmal das alljährliche und unbändige Verlangen nach Gold und Klunkern gestillt werden...? Wo das Verlangen draußen nach immer mehr zu wachsen scheint, wird es zuhaus jedes Jahr weniger wird, das tut uns gut.
    Liebe Grüße zu dir und friedvolle (nicht nur) Weihnachts-Tage, Birgit

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  5. Doch, ich will das lesen, trage ich mich doch mit den gleichen Gedanken. Die Welt ist im Umbruch, wir müssen das zur Kenntnis nehmen. Gestern hab ich seit Wochen das erste Mal wieder eine Nachrichtensendung gesehen, es hat mich fast erschlagen. Wir müssen nehmen was kommt, eine andere Realität haben wir nicht.

    Sigrun

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  6. Doch, es ist genau der richtige Zeitpunkt. In dieser stillen Zeit, ohne Garten ;-), wenden wir uns vermehrt nach Innen. Ich glaube, Veränderungen beginnen bei jedem Einzelnen. Und ich meine, es werden immer mehr, die mehr mit der Natur leben möchten, die Wirtschaftlichkeit nicht mehr als oberste Priorität anerkennen, die Menschlichkeit pflegen. Lasst uns Veränderung fröhlich leben und Andere motivieren. Dann wird es irgendwann eine Welle, vielleicht ein Tsunami?

    Liebe Grüße
    Sigrid

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  7. Recht hast Du! Es ist schön, diese Zeit zu erleben und auch selbst ein wenig zur Gestaltung beizutragen. Aber wenn die Deko wichtiger wird als der Inhalt, wird das Ganze nur noch abstoßend. Dass wir alle über unser Leben nachdenken müssen, das ist doch schon offensichtlich, wenn wir nur einmal die Nachrichten schauen. Wenn wir alle ein wenig wach werden, dann könnte es schon helfen. Dir eine gute Zeit!
    Magdalena

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  8. Liebe Elisabeth, deine Fotos -und Worte- sind 100 % zutreffend auf meine "Weihnachtsgefühle".
    Ich wurde heute total reingeschmissen in den vorweihnachtichen Trubel. "Shopping mit Enkeltochter samt Freundin in Hamburg, Innenstadt" - Momentan fehlen mir die Worte, aber ich werde dir
    eine mail schreiben.
    Bis dahin Dir alles Liebe
    Heidi

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  9. Da fällt mir grad ein kleines Geschichtchen ein.

    Es fahren zwei Leute während der Vorweihnachtszeit die fifth avenue entlang, Stau ohne Ende "Unglaublich, für 100 m Strecke benötigen wir eine halbe Stunde" - "Unglaublich, dass ein Ereignis vor mehr als 2.000 Jahren, 5.000 km von uns entfernt heute noch solch einen Stau verursachen kann." - "Wahrlich unglaublich"
    Ist doch wirklich unglaublich, nicht wahr?
    LG Heidi

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  10. Liebe Elisabeth, Du hast ja sowas von Recht! Ich wünsche Dir aber trotzdem einen wunderschönen, besinnlichen 4. Advent.

    lg kathrin

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