Dienstag, 27. Juli 2010

Das Andere

Eine spannende Frage, die mich immer wieder beschäftigt: Was ist "die Realität" 
Es könnte das Leben einfacher machen, könnten wir uns auf eine Realität, eine Wirklichkeit einigen.

                       alle Bilder: Hass Haus, Stephansplatz, Wien. kurz vor Sonnenuntergang

Möglicherweise gibt es aber soviele Realitäten wie Menschen auf der Erde und auch diese ändern sich von Tag zu Tag mit jeder neuen Erfahrung, die wir machen?


Möglicherweise sind wir alle in unserem eigenen Universum unterwegs?
Eigentlich eine schöne Vorstellung. Ich schaue aus meinem Universum zu anderen Universen und tausche mich mit ihnen aus.
Mehr das Erkennen, weniger das Beurteilen machte Sinn.
Das Zusammenleben wäre viel interessanter, wir würden alle forschen und uns  alle irgendwie ein wenig ineinander verlieben, weil jeder etwas anders und daher aufregend wäre.
Eigentlich eine schöne Vorstellung. Wenn es nur nicht so oft an der Realität scheiterte.

Sonntag, 25. Juli 2010

I take tea

Der Temperatursturz der letzten Tage von über 15° verbindet mich gedanklich wieder mit meinem geliebten Irland. Westwetter, Wind und gelegentliche Regenschauer bringen frische Luft und das Gefühl, wieder tief durchatmen zu wollen.

                                alle Bilder: Leap, County Cork, Irland

" I don´t drink coffee, I take tea, my dear"  ( Sting/Englishman in New York ), eines meiner Lieblingslieder bringt ein wenig Melancholie ins Hier und Jetzt. In Irland trinkt man auch Tee, zu jeder Tageszeit, in jeder Lebenslage.
Wir sprechen von einer tiefbraunen Brühe, die ich sonst nirgendwo auf der Welt akzeptieren würde. Länger als zwei Wochen genossen, und die Zähne lassen sich nicht mehr weiß machen, weiß Gott!  Das Aliengefühl läßt sich damit allerdings vorzüglich wegtrinken und ein paar Gänge zurückschalten auch.


Auf dem Weg in den Südwesten auf der N 71 in Leap landen. In einem winzigen Cafe, geführt von einer italienischen Mamma, schon vor langer Zeit hierher ausgewandert. Solltest du einmal dort vorbeikommen, nimm den Chocolat Almond Cake. Eine unerwartete Gaumenfreude. Unerwartet? Pardon, hier schaltet und waltet italienisches Now how!


Fremde hin oder her, einbringen, was man/frau am besten kann und was am meisten Freude macht.
Sorry, liebe Iren, backen können die ItalienerInnen immer noch ein wenig besser, das kann die Liebe zu euch aber niemals trüben!

Why do we have always in mind, where somebody is from, what age he or she is and how his or her behaviour is different from ours. Let us share our energies freely and lovingly!

Samstag, 24. Juli 2010

Fülle

Mit dem Wahrnehmen von Fülle verhält es sich ja meist so, dass sie zu Bewusstsein kommt, wenn sie nicht mehr da ist. Außer es handelt sich um einen zu vollen Magen, den  bemerkt man eher gleich.
Die mit Licht vollen Tage Ende Juni, Anfang Juli zeigen schon erste Ermüdungserscheinungen, wenn am Abend das Gefühl da ist, es wird nie finster, der Tag ist so schön lang.
Als Nachteule bereiten mir diese Tage jedes Jahr im Frühsommer den Eindruck von purem Luxus. Ich liebe es, am Abend draußen zu sein.

    in unserem Garten

Auf den ersten Blick drängt sich eine überbordende Pracht auf, genauer hingesehen macht sich schon eine Ahnung von Welke breit und erinnert an zukünftige Tage, an denen wir nur mehr wissen und nicht mehr sehen.
Oft habe ich mich schon gefagt, ob das nicht essentiell zum Erlebnis der Fülle dazugehört? Ich denke da an Orchideenblüten, die über Monate hinweg immer gleich aussehen, sodass man sich ihrer fast schon überdrüßig wird und sich auch noch dafür schämt!

                                aus unserem Garten

Manchmal kommt Fülle dann auch noch als Zuviel daher. Bei den Himbeeren wäre es praktischer, über einen längeren Zeitraum immer nur ein paar reif zu haben, grad richtig fürs Joghurt. Denn frisch und roh schmecken sie einfach am besten.
Um zum Magen zurückzukommen: Möglicherweise hat Fülle ja etwas mit Verhältnismäßigkeit zu tun und in diesem Wort steckt ja auch Mäßigkeit drin. Wer hätte das gedacht.
Jetzt fällt mir grade ein, dass ich heuer noch keine Marillenknödel gemacht habe, die Marillensaison ist aber recht kurz, schon wieder Stress mit der Fülle, und auch kein Marillencrumble.
Mmmh, lecker, sei´s wie´s sei, Plan für die nächsten Tage. Denn auslassen wäre auch nicht fein.

Donnerstag, 22. Juli 2010

Heißes Blut

Grosse Hitze erlebten wir auch  heute vor einem Jahr in der ungarischen Tiefebene.
Dort kommt sie sonderbar gliederlähmend daher. Man schaut hinaus in die weite Ebene und denkt sich eine Luftigkeit, die angenehm sein könnte.
Kaum ist man dann aus dem Baumschatten  in die Landschaft  hineingetreten, würden die Knie am liebsten gleich nachgeben. Der Rest oberhalb kann damit nicht recht einverstanden sein, nirgendwo im Blickfeld ist etwas auszumachen, das Linderung verspricht.

   Grosse ungarische Tiefebene bei Hortobagy

Der für mich heißeste Tag des letztjährigen Sommers ist auch wegen einer Reitershow in lebendiger Erinnerung geblieben. Akrobatik bei 37° Lufttemperatur im gleißenden Sonnenlicht in der alten Tracht der Hirten kann einem nur Bewunderung abringen. 

   Kiskunmajsa, Kleine ungarische Tiefebene

Im berühmten 5-er Gespann gehts im Galopp rund und es wundert, dass bei so viel Staub in der Luft das Fell der Tiere noch immer so schön glänzt. 

Nebenbei konnte ich meine Kenntnisse des ungarischen Fluchens wieder auffrischen. Ich glaube, in keinem anderen Land wurde das zu so einer Perfektion entwickelt. Müßten diese Leute alle entsprechenden Wörter und Halbsätze von heute auf morgen weglassen, käme nicht mehr viel an verbaler Kommunikation daher. Andererseits: Da Frauen bestimmte Ausdrücke nicht verwenden, wirkt Mann äußerst cool und männlich dabei.

Ein verlängertes Wochenende auf einer Tanya wäre eigentlich ein Geheimtipp und erstaunlich nahe zu Wien.

www.Somoditanya.hu

Mittwoch, 21. Juli 2010

Leichtigkeit

Den Sommer mit Leichtigkeit verbinden. Das fällt nicht schwer, wenn es nur einen Rock und ein T-Shirt braucht, um vor die Tür zu gehen. Prinzipiell natürlich richtig. Fragt sich nur, ob das bei prognostizierten 35° auch noch gilt. Da bin ich froh, dass morgen Arbeit im kühlen Untergeschoss angesagt ist.
Apropos Leichtigkeit: Wie wärs mit ein wenig abheben? Warten, bis zum Abend, dann ist es angenehmer und die Leute merken es nicht, muss ja nicht jeder wissen.

                      Kärnterstrasse, Wien  
Obwohl... Besen ist ja eh keiner im Spiel.

Ein Sprung und schon ist es fliegen. Wenigstens in der Vorstellung. Kommt ja schon bei den alten Griechen vor, der Traum vom Fliegen. Alter Schwede!

Spann deine Flügel, flieg Ikarus!
Nicht das Gelingen, nur der Versuch zählt am Schluss.

                      New London, USA

Für ein paar Augenblicke schafft er es auch, alle Achtung!

Meine Lieblingsflugkünstler: Papageientaucher!
Sehen so unwahrscheinlich tolpatschig aus, aber sie segeln souverän und holen sich im Sturzflug die Fische aus dem Wasser, beneidenswert.

Auf die beliebte Zeitschriftenfrage: " Mit wem würden sie gerne für einen Tag tauschen" wüßte ich sofort die Antwort und zumindest morgen schreckte mich auch nicht die Aussicht, dass ich dann in kühlere Gegenden abtauchen müßte.


                     Papageientaucher auf Skellig Michael, Irland

Dienstag, 20. Juli 2010

Zwei

Zwei
eng nebeneinander

   alle Bilder: auf einer Alm im Bregenzerwald

die einander mögen?
die ohne einander nicht sein wollen?
die miteinander konkurrieren?
die sich aneinander messen?
die beide den besten Platz an der Sonne suchen?
die miteinander zum Licht streben? ...
Prall gefüllt mit Energie -  alles geht - und es ist das Leben!



Zwei
eng nebeneinander

die einander mögen?
die ohne einander nicht sein wollen?
wo eine sich der anderen unterordnet?
wo eine mit der anderen mitwächst?
wo eine die  andere mitnimmt?
wo die andere die eine mitnimmt?
wo eine der anderen den Weg zeigt?...

Prall gefüllt mit Leben - alles geht -
und alles ist Energie im Ausstausch miteinander.







Zwei,
die wachsen und blühen...

Sonntag, 18. Juli 2010

Lange Weile

Ein Plädoyer für ein Gefühl, das wir auf den ersten Blick nicht mögen.

Mitbewohner in einem Kloster auf Zakynthos

Manchmal habe ich es in meiner Kindheit geliebt, ein wenig krank zu sein. Zuerst war es vielleicht ein wenig unangenehm, Schmerzen oder Fieber zu haben. Dann als mein Körper sich erholt hatte, breitete sich ein wohliges Gefühl der Langeweile aus. Ich starrte auf das Viereck des Fensters und genoss diese geschenkte Zeit, in der ich nichts leisten musste, weil ich ja noch rekonvaleszent war. Zwei Tage fieberfrei, bevor es wieder in die Schule ging, war die Devise meiner Mutter. Eine Zeit zum Träumen, fad haben und - siehe da: Plötzlich kam die Lust, wieder in den Alltag zurückzukehren mit grosser Macht zurück.

Kleine Sandbucht in den Klippen von Slea Head, Dingle, Irland

Viele Jahre und viele Pflichten später bekam ich wieder eher zufällig den Anschluss zu dieser Empfindung.
Ich hatte Zeit.
War viel herumgefahren, hatte viel gesehen.
Sass nun da und beobachtete, wie die Flut den Strand auffrass und das dauerte eine LANGE WEILE.


Was dabei herauskam?
Einmal raten. Mein kleines Mädchen-Ich war jedenfalls begeistert!
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