Dieses Jahr ist nun schon fünf Monate alt und es spielt alle Facetten des Frühjahrs in epischer Breite, als gäbe es gar keine anderen Jahreszeiten mehr. Hatten wir überhaupt einen Winter, man versucht sich zurückzuerinnern und kann keinen Schnee aus keinem Winkel des Gedächtnisses hervorholen. Wie denn auch, es gab ja kaum Schnee und ja genau: Der Frühling begann irgendwann im Januar, nach ein paar Tagen winterlicher Kälte kroch er unauffällig aus den Beeten, setzte sich fest, um nie wieder zu gehen. So jedenfalls fühlt es sich bis heute an. Heute und auch schon gestern ist Sommer, Frühsommer. Gerade als ich aufgeben wollte. Mein Projekt, eine Pfingstrosenblüte bis zu ihrem aufblühen zu begleiten wurde ein wenig langweilig. Wochenlang das gleiche Bild. Geh bitte. Andererseits dankte ich dem Himmel für diese Zeit, denn was zunächst sehr früh begann, nämlich warme Tage, wendete sich im Laufe des April und Mai ins Gegenteil. Kühle Nächte und mäßig warme Tage verzögerten das Wachstum vieler wärmeliebenden Pflanzen. Ein später, wenn auch nur kurzer Frost jagte Schrecken durch die Gärten und die Landwirtschaft. Wenn ich es noch nicht gewusst hätte, jetzt ist es definitiv: Pfingstrosen brauchen für ihr aufblühen Wärme. Die Fotostrecke unten zog sich über ganze zwei Wochen und die letzten zwei richtig warmen Tage zündeten wie eine Rakete.
Vorfrühling, Frühjahr und Frühsommer. Hochsommer und Spätsommer, Altweibersommer. Herbst und Spätherbst. Winter. Kein Frühherbst und keine Frühwinter oder gar Spätwinter. Unsere Umgangssprache taucht durch die kalte Zeit, selbst wenn sie manche Jahre endlos lange scheint mit einem einzigen Begriff. Manchmal darf es tiefwinterlich sein. Aber damit ist auch schon genug.
Frühling 2016 war mein Lieblingsfrühling, mein role model. Alle folgenden werden an diesem gemessen werden. So viel Freude am langsamen aufwachen der Natur! So viel Zeit, um notwendige Arbeiten im Garten in aller Ruhe zu erledigen. So viel Lust am schauen und beobachten. Nun geht er. Geht er wirklich? Vielleicht bleibt er noch ein wenig, bringt noch kühle Tage, Regen und mehr Zeit für Blüten in den Frühsommer hinein. Jetzt sind die Rosen dran. Deren Blüten mögen Hitze nicht, allzu schnell verblassen die Farben, fallen die Blütenblätter. Wir werden sehen...