Da ist es nun, das neue Jahr und von vielen hörte ich, dass es heiß ersehnt und willkommen geheißen wurde. 2014 (auch schon das Jahr davor) brachte nicht nur mir Möglichkeiten durch Herausforderungen zu wachsen und die neue Jahreszahl im Kalender birgt eine, wie auch immer begründete Hoffnung, dass manches besser werden würde. Bitte, ich mag ja die 16, wie ich finde eine wunderschöne Zahl, ich kann mich also in Vorfreude üben. Findet ihr auch manche Zahlen sympathischer als andere? Ganz unabhängig von persönlichen Zahlen?
Es tat gut, ein paar Tage aus den täglich gewohnten Abläufen und Verpflichtungen auszusteigen und dabei einfach nur zuhause zu sein. Zeit zu haben, um auch Fotos im Archiv durchzuschauen und dabei wiedermal festzustellen, dass ich ein Faible für Wege, Straßen und weite Ausblicke habe.
Warum drückt man auf den Auslöser, in einem bestimmten Moment und wählt genau diesen Ausschnitt und keinen anderen? Für mich sind es oftmals Gegenstücke von inneren Landschaften, die ich im Außen wiedererkenne. Wie wunderbar, dass mit moderner Technik auch nach Lust und Laune experimentiert werden kann. Das Ergebnis zeigt sich unmittelbar und bringt eine innere Realität in Farben und Formen zum blühen. Auf dem Bildschirm dann flutet Licht durch die Bilder und verbindet bildhafte Erinnerungen mit inneren Seinszuständen zu einer beglückenden Einheit. Ich könnte manche Bilder stundenlang anschauen, tu es dann doch nie, aber das innere Auge verliert sie ja nicht.
Manchmal fragen mich andere Fotonarrische (also Leute, die auch viel fotografieren), ob und wie ich meine Bilder katalogisiere oder verstichworte und ich muss ihnen sagen, dass mir das zu viel Arbeit oder die benötigte Zeit nicht wert ist. In Wirklichkeit finde ich meist mit schlafwandelnder Sicherheit zu Fotos zurück, die in mir auf die eine oder andere Weise eingehakt sind. Ein innerer Kompass führt mich zu ihnen, vielleicht weil ich sie so liebe, ich weiß es nicht.
Die Welt um mich in Bildern zu sehen ist mir Lebenselexier und häufig Quelle der Freude. Immer öfter nehme ich Schönheit wahr, wo ich früher nur "etwas" gesehen habe, sei es die Kombination der Farben oder Formen oder einfach nur dieser eine Augenblick des Seins und Erlebens, den mitzunehmen es gelingt. Aus der Fülle etwas zu verdichten oder herauszuschälen ist oft schwer aber immer öfter scheint das "Es" auf sich aufmerksam zu machen, mich zu rufen:
"Sieh her, da bin ich".
Wir fahren mit dem Auto, ich drücke bei hoher Geschwindigkeit auf den Auslöser und dieser eine Moment passt, sitzt und hält, ich mag das Bild, so wie es ist. Es spricht zu mir.
Wäre das nicht auch ein schönes Motto für das noch so junge Jahr? Mit Vertrauen in alle Lebenslagen hineingehen. Erkennen, was im Moment wichtig ist und handeln, wenn die Zeit gekommen ist? Warten können auf den richtigen Moment und nicht hadern mit dem, was wir vorfinden? Nicht immer leicht, oder? Dabei gibt es Zeichen auf dem Weg. Jede/r hat die ureigenen, die ihm oder ihr etwas sagen.
Ähnlich einem Vision Quest können wir im Alltag mit kleinen Hinweisen spielen. Sie tauchen aus unserem Unterbewusstsein auf und lassen uns genau dorthin sehen oder hören, wo ein kleines oder großes AHA wartet.
Auf dem Bild oben seht ihr eine Person im Hintergrund gehen. Wir wurden in der Wildnis Arizonas eingeladen, etwas zu finden, was zu uns sprechen würde. Zu meinen Füßen entdeckte ich plötzlich diese zwei winzigen Nelken, es war Mitte Oktober und alles ehemals Grüne eher verdorrt und trocken. Ich sah es nicht als Wunder, nein, aber schön war es und es sprach zu mir. Es zeigte mir, dass schon alles da ist, was uns glücklich macht, wir müssen es "nur" entdecken können und den Augenblicken ihre Fülle zurückgeben wollen.
In diesem Sinne wünsche ich allen Leser/nnen von *kleine freude* ein von unzähligen erfüllten Momenten geprägtes 2015. Lasst uns in allen möglichen Situationen Freude empfinden, sie teilen und damit vermehren!
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Samstag, 3. Januar 2015
Montag, 10. November 2014
In den Himmel wachsen
Dem lateinischen Namen nach sind es Riesenkerzen (Carnegiera gigantea), im Englischen heißen sie Saguaros (sa-wahr-o gesprochen). Diese beeindruckende Säulenkakteenart wächst ausschließlich in einem kleinen begrenzten Gebiet im südlichen Arizona und angrenzenden Mexico in der Sonora Wüste. Keine eigentlich echte Wüste, sondern eher eine Buschsteppe mit geringer, aber eindrücklicher Artenvielfalt.
Bevor ich in einem eigenen Post einen Rundgang durch den Desert Botanical Garden von Phoenix mache, soll diese besondere Kaktusart ihren ganz eigenen Auftritt bekommen. Auf Berghängen und neben den Highways stehen die Saguaros, weithin sichtbar, sind streng geschützt und dürfen nicht ausgegraben oder verpflanzt werden. In öffentlichen Raum der Städte schmücken sie dennoch die Streifen zwischen den Fahrbahnen und unzählige Vorgärten, sie sind omnipräsent.
Abendstimmung im Desert Botanical Garden Phoenix, Arizona
Eine Hauptstraße in Schottsdale im Großraum von Phoenix
So sieht die Landschaft aus, wenn man von Phoenix Richtung Norden fährt, ein Wald an Saguaros links und rechts der Fahrbahn, so wachsen sie also in "freier Wildbahn". Faszinierend insofern, da diese Giganten sehr sehr langsam wachsen und etwa 20! Jahre brauchen, bis sie daumengroß geworden sind. Erstaunlich, dass es trotzdem so viele schaffen durchzukommen. Die ersten Arme bilden sich erst ab einem Alter von mindestens 70 Jahren und die ersten Blüten erscheinen ab dem 40 Lebensjahr. Soweit ein paar Zahlen, die allerdings zeigen, wie empfindlich diese Pflanzenart sein kann, wenn ihr Lebensraum nicht geschützt ist!
Heiß geliebt sind sie ganz offensichtlich, fast möchte ich sagen, wie die Autos und Straßen hier. Unten im Bild ein Beispiel von einer neu ausgebauten Interstate bei Phoenix. So sieht es aus, wenn die Saguaros verpflanzt werden. Man kommt hier nirgends vorbei, ohne stattliche Exemplare zu sehen. Dabei ist das Verpflanzen ohne behördliche Genehmigung bei hoher Strafe verboten, nicht jedes Exemplar überlebt den Standortwechsel. Der Saguaro ist als Art gefährdet, trotzdem er als Nationalsymbol für Arizona hier allgegenwärtig erscheint.
Heraus aus der Stadt und hinein in die "Wüste". Ein paar Schritte von der Straße weg und schon steht der erste Riese vor uns, einer der hier keimen und ungestört aufwachsen konnte. Er könnte zwischen 150 und 200 Jahren alt sein und etwa 7m hoch gewachsen sein, wie der Größenvergleich zeigt.
Unglaublich beeindruckend! Im Inneren des Stammes verlaufen verholzte Röhren, in denen das Wasser aufsteigen kann, es regnet hier im Winter und Sommer, nicht viel aber doch immer wieder.
Und so siehts aus, wenn sich ein neuer Arm herausbildet.
Hier sieht man, wer für die Löcher im Stamm verantwortlich ist: Der Gila-Specht. Er gestaltet sich Höhlen, in denen Sommer wie Winter gemäßigte Temperaturen herrschen.
Die Blüten dieses besonderen Kaktus kenne ich nur von Bildern und würde sie gar zu gerne mal live sehen!
Eine Welt zum staunen eröffnet sich in diesem weit südlich liegenden Teil der USA. Faszinierende Fauna und Flora! Obwohl wir in Mitteleuropa in einer Zeit stehen, die thematisch ganz andere Schwerpunkte hat, möchte ich hier noch das eine oder andere Foto in weiteren Posts zeigen. Ein bisschen Wärme und Sonne, Stacheln und faszinierende Pflanzen und Landschaften ins Bild rücken, bis zum Advent ist ja noch ein wenig Zeit!
Hier gehts zu einem früheren Post zum Thema.
Bevor ich in einem eigenen Post einen Rundgang durch den Desert Botanical Garden von Phoenix mache, soll diese besondere Kaktusart ihren ganz eigenen Auftritt bekommen. Auf Berghängen und neben den Highways stehen die Saguaros, weithin sichtbar, sind streng geschützt und dürfen nicht ausgegraben oder verpflanzt werden. In öffentlichen Raum der Städte schmücken sie dennoch die Streifen zwischen den Fahrbahnen und unzählige Vorgärten, sie sind omnipräsent.
Abendstimmung im Desert Botanical Garden Phoenix, Arizona
Eine Hauptstraße in Schottsdale im Großraum von Phoenix
So sieht die Landschaft aus, wenn man von Phoenix Richtung Norden fährt, ein Wald an Saguaros links und rechts der Fahrbahn, so wachsen sie also in "freier Wildbahn". Faszinierend insofern, da diese Giganten sehr sehr langsam wachsen und etwa 20! Jahre brauchen, bis sie daumengroß geworden sind. Erstaunlich, dass es trotzdem so viele schaffen durchzukommen. Die ersten Arme bilden sich erst ab einem Alter von mindestens 70 Jahren und die ersten Blüten erscheinen ab dem 40 Lebensjahr. Soweit ein paar Zahlen, die allerdings zeigen, wie empfindlich diese Pflanzenart sein kann, wenn ihr Lebensraum nicht geschützt ist!
Heiß geliebt sind sie ganz offensichtlich, fast möchte ich sagen, wie die Autos und Straßen hier. Unten im Bild ein Beispiel von einer neu ausgebauten Interstate bei Phoenix. So sieht es aus, wenn die Saguaros verpflanzt werden. Man kommt hier nirgends vorbei, ohne stattliche Exemplare zu sehen. Dabei ist das Verpflanzen ohne behördliche Genehmigung bei hoher Strafe verboten, nicht jedes Exemplar überlebt den Standortwechsel. Der Saguaro ist als Art gefährdet, trotzdem er als Nationalsymbol für Arizona hier allgegenwärtig erscheint.
Heraus aus der Stadt und hinein in die "Wüste". Ein paar Schritte von der Straße weg und schon steht der erste Riese vor uns, einer der hier keimen und ungestört aufwachsen konnte. Er könnte zwischen 150 und 200 Jahren alt sein und etwa 7m hoch gewachsen sein, wie der Größenvergleich zeigt.
Unglaublich beeindruckend! Im Inneren des Stammes verlaufen verholzte Röhren, in denen das Wasser aufsteigen kann, es regnet hier im Winter und Sommer, nicht viel aber doch immer wieder.
Und so siehts aus, wenn sich ein neuer Arm herausbildet.
Hier sieht man, wer für die Löcher im Stamm verantwortlich ist: Der Gila-Specht. Er gestaltet sich Höhlen, in denen Sommer wie Winter gemäßigte Temperaturen herrschen.
Die Blüten dieses besonderen Kaktus kenne ich nur von Bildern und würde sie gar zu gerne mal live sehen!
Eine Welt zum staunen eröffnet sich in diesem weit südlich liegenden Teil der USA. Faszinierende Fauna und Flora! Obwohl wir in Mitteleuropa in einer Zeit stehen, die thematisch ganz andere Schwerpunkte hat, möchte ich hier noch das eine oder andere Foto in weiteren Posts zeigen. Ein bisschen Wärme und Sonne, Stacheln und faszinierende Pflanzen und Landschaften ins Bild rücken, bis zum Advent ist ja noch ein wenig Zeit!
Hier gehts zu einem früheren Post zum Thema.
Freitag, 7. November 2014
Saguaro im Kreisverkehr
Wenn ein Saguaro im Kreisverkehr steht, dort wo man angekommen ist, reißt man sich in jedem Fall mehrere Schichten Kleidung vom Leib, sobald man den Flughafen verlassen hat. Ziel: Eine Konferenz und dann noch ein paar Tage die Natur genießen, aber hier ist einfach alles anders.
Für uns kaum vorstellbar monatelang vor der Hitze in klimatisierte Räume flüchten zu müssen. So Räume kühlen wie wir sie heizen ist in Phoenix, im Süden Arizonas normal.
Scottsdale, Arizona, USA
Im Oktober beginnt es draußen erträglich zu werden, immerhin noch Temperaturen jenseits der 30°.
Zwei Autostunden weiter nördlich ist jetzt Hochsaison, aus den Staaten im Norden flieht man vor der Kälte und die Einheimischen genießen den Herbst, Sedona liegt immerhin auf 1500m Seehöhe, an den Ausläufern des Coloradoplateaus und die Blattfärbung der Laubbäume setzt auch hier ein.
Man lebt wieder mehr draußen, heiratet zu Füßen majestätischer Berge oder rutscht durch ziemlich kalte natürliche Rutschen in einem Bachlauf.
Red Rock Crossing, Sedona, USA
Slide Rock, Oak Creek, Sedona
Den Tag im Freien verbringen zu können, das allein macht mich schon glücklich, verbindet mit starkmachenden, ausgleichenden Energien. Die wunderbare Landschaft vor Augen zu haben, die würzige Luft der vielen Wacholder und Kiefern zu atmen, der Stille zu lauschen und direkten Kontakt mit der Erde zu haben macht außerdem entspannt und baut Reserven auf.
Auf dem steinigen Boden zu gehen machte meinen Füßen weniger Probleme als mit den High Heels gestern Abend.
Keine Nachrichten, weder persönliche, noch weltweite störten unsere Tage. Wir lebten eine Woche in einer Zeitblase und tankten auf. Ein bisschen davon möchte ich hier weitergeben, indem ich Fotos dieser wunderbaren Landschaft zeige, wenn ihr mögt, stellt euch vor, selbst eure Füße im kühlen Wasser zu haben und das Feuer der roten Erde unter euch zu spüren.
Red Rock Crossing am Fuß des Cathedral Rock, Sedona
Bei uns hier in Mitteleuropa liegt die Qualität der Zeit im scheinbaren Rückzug der Farben, der Lebendigkeit. Das tut gut und kann uns zu mehr Tiefe und Ruhe führen. Ich liebe beides, die Fülle und das Leere. Die Schönheit der Natur hat so wunderbar unterschiedliche Gesichter!
Für uns kaum vorstellbar monatelang vor der Hitze in klimatisierte Räume flüchten zu müssen. So Räume kühlen wie wir sie heizen ist in Phoenix, im Süden Arizonas normal.
Scottsdale, Arizona, USA
Im Oktober beginnt es draußen erträglich zu werden, immerhin noch Temperaturen jenseits der 30°.
Zwei Autostunden weiter nördlich ist jetzt Hochsaison, aus den Staaten im Norden flieht man vor der Kälte und die Einheimischen genießen den Herbst, Sedona liegt immerhin auf 1500m Seehöhe, an den Ausläufern des Coloradoplateaus und die Blattfärbung der Laubbäume setzt auch hier ein.
Man lebt wieder mehr draußen, heiratet zu Füßen majestätischer Berge oder rutscht durch ziemlich kalte natürliche Rutschen in einem Bachlauf.
Red Rock Crossing, Sedona, USA
Slide Rock, Oak Creek, Sedona
Den Tag im Freien verbringen zu können, das allein macht mich schon glücklich, verbindet mit starkmachenden, ausgleichenden Energien. Die wunderbare Landschaft vor Augen zu haben, die würzige Luft der vielen Wacholder und Kiefern zu atmen, der Stille zu lauschen und direkten Kontakt mit der Erde zu haben macht außerdem entspannt und baut Reserven auf.
Auf dem steinigen Boden zu gehen machte meinen Füßen weniger Probleme als mit den High Heels gestern Abend.
Keine Nachrichten, weder persönliche, noch weltweite störten unsere Tage. Wir lebten eine Woche in einer Zeitblase und tankten auf. Ein bisschen davon möchte ich hier weitergeben, indem ich Fotos dieser wunderbaren Landschaft zeige, wenn ihr mögt, stellt euch vor, selbst eure Füße im kühlen Wasser zu haben und das Feuer der roten Erde unter euch zu spüren.
Red Rock Crossing am Fuß des Cathedral Rock, Sedona
Bei uns hier in Mitteleuropa liegt die Qualität der Zeit im scheinbaren Rückzug der Farben, der Lebendigkeit. Das tut gut und kann uns zu mehr Tiefe und Ruhe führen. Ich liebe beides, die Fülle und das Leere. Die Schönheit der Natur hat so wunderbar unterschiedliche Gesichter!
Dienstag, 29. November 2011
Baumwolle und Koriander in Pima County
Baumwolle umhüllt jeden Tag 24 Stunden meinen Körper, wir haben also ein recht intimes Verhältnis sie und ich, nicht wahr? Wie sie da so an meinen Körper kommt, habe ich mir noch nicht oft überlegt. Ja, in der letzten Phase, vom Geschäft in das Einkaufsackerl, in gefälliger Verarbeitung natürlich. Eh klar.
So kehre ich noch mal zurück nach Arizona, weil ich da zum ersten Mal in meinem Leben vor zwei Wochen gesehen habe, dass Baumwolle nicht von den Bäumen fällt. Weiß man, ja. Aber weiß man, WIE sie wächst? Ich wusste es nicht wirklich.
Gleich neben dem Highway, wo links ein Golfplatz nach dem anderen wächst, liegen die Felder und gerade jetzt wird die Baumwolle geerntet, wir sehen Baumwollfelder, wo das weiße flauschige Etwas nur so aus den Kapseln quillt. Die Büsche sehen vertrocknet aus und so strahlt das Weiß der Samenfäden noch stärker.
Die weißen Felder im Bildhintergrund sind Container mit der gepflückten Baumwolle
Die Indianer nützen hier ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem ihrer Vorfahren, das immerhin schon an die 2000 Jahre alt ist, das Land ist intensiv bewirtschaftet. Hier gedeiht die hochwertige, langfädige Pima-Baumwolle und noch manch anderes.
Unreife Samenkapsel: Ein Kunstwerk der Natur. Die Baumwolle gehört unverkennbar zur Familie der Malvengewächse.
325 Tage scheint die Sonne hier im Jahr, ungefähr 200 davon hat eine Baumwollpflanze im Laufe ihres Lebens genossen. Wieder zurück im nebelgrauen Wiener Becken versuche ich die gespeicherte Sonne in meinen T-Shirts zu fühlen. Ein tröstlicher Gedanke, wenn es draußen so kalt und unfreundlich ist.
Neben der Baumwolle entdecken wir aus dem Auto ( wir sind auf den Sandpisten des Reservats unterwegs) riesige Flächen mit etwas leuchtend Grünem. Ich rätsele zuerst, was das sein könnte und bin mir nicht sicher. Als ich aus dem Auto steige, wirft es mich fast um: KORIANDER! Den intensive Geruch dieses Krautes mag ich, aber wehe, wenn das nicht so wäre.
Hier ist man zweifellos mit einer hochtechnisierten Landwirtschaft erfolgreich, die neben dem allerorten in Indianerreservaten zu findenden Kasinos eine Einnahmequelle für diese Community bietet.
Am Abend wird Wasser in den Hauptkanal gelassen und in die vielen Furchen geleitet, Korianderpflänzchen, soweit das Auge reicht!
Ja, auch der Rollrasen für all die Golfplätze muss irgendwo wachsen. Etwas skurril, bei uns gibt es das ja auch, aber die Größe der Flächen machen sprachlos.
Ihr fragt euch sicher schon die ganze Zeit, wo das Wasser herkommt, mir ging es auch so. Die Berge sind nicht weit, dort wird es in riesigen Stauseen gespeichert, auch Las Vegas funktioniert so.
Wir sind geneigt, uns immer wieder die Augen zu reiben ob dieser Gegensätze. Hier leuchtendes Grün, dort hinter dem Zaun sandiger Boden mit Trockenbüschen und Kakteen.
Vielleicht denkt ihr, ich sei noch nicht ganz wieder zurück aus der Wärme und dem weiten Land. Es ist Advent hier bei uns, wir sind auf Kälte und Dunkelheit eingeschworen und verbinden mit gemütlicher vorweihnachtlicher Stimmung, wenn wir mit dampfendem Atem am Punschstand stehen und unsere klammen Finger am Becher wärmen können. Wenn dann noch Schnee dazukommt, umso besser.
Zugegeben, ein bisschen Sonne, Wärme und Licht hängt noch an den Zipfeln meiner Jeans und ist herzlich willkommen. Ich bin ein Kind der Weite und wenn die Erde Wärme atmet, bin ich glücklich.
Dieses Foto ist gänzlich unbearbeitet und zeigt den abendlichen Himmel nach Sonnenuntergang an den Hängen der Catalina Mountains bei Tuscon.
Donnerstag, 24. November 2011
Ganz langsam dem Himmel entgegen
Jetzt im November ist es hier in Tuscon, Arizona angenehm warm. Aus dem schon kalten Mitteleuropa kommend empfinden wir es als reine Wohltat, ein paar Tage hier erleben zu können. Nach ein paar Gesprächen mit Einheimischen, auch ausgewanderte ÖsterreicherInnen treffen wir, kehrt sich die Sicht ein wenig um. Die meisten Monate des Jahres herrscht hier unerträgliche Hitze um und jenseits der 40°C. Beeindruckend zu erleben, wie vielfältig das Leben in einer wüstenähnlichen Umgebung gestaltet werden kann.
Besondere Leitpflanze dieser Gegend und auch anderer Gebiete innerhalb der Sonora-Wüste ist der Saguaro Kaktus, den viele von euch sicher von Bildern kennen. Eine 80-jährige Deutsche, mit der wir ins Gespräch kamen, sprach von ihnen als Wesen mit einer Persönlichkeit, zu denen sie immer noch Jahr für Jahr zu einem Besuch aus Deutschland wiederkehrt.
Diese mächtigen Pflanzen sind durchaus mit Bäumen vergleichbar. Das Exemplar oben muss mehr als 200 Jahre alt sein, die ersten Seitenarme kommen in sehr trockenen Gebieten erst nach etwa 100 Jahren zum Vorschein, ältere Exemplare sind 10 oder mehr Meter hoch. Zu Beginn wachsen diese Kakteen extrem langsam, die Alten haben all ihre Stacheln im unteren Bereich eingebüßt. Manchmal bauen sich Vögel, eine Spechtart, Nisthöhlen in den mächtigen "Stamm". Allerdings geht die Mär, dass in den Bergen schon mal Einschüsse für Löcher verantwortlich sind. Straßentafeln wiesen dort tatsächlich kaum welche auf, andernorts müssen Schilder schon mal für Schießübungen herhalten.
Aller Anfang ist schwer, hier im Saguaro Nationalpark sind kaum kleine Kandelaberkakteen zu sehen, allzu leicht latscht mensch darauf. 20 bis 30 Jahre hat dieser Winzling schon auf dem Buckel.
Auch ein Seitenarm fängt klein an, nona!
Nur zum Größenvergleich! Neben einem solchen erst mittelalten Saguaro mutiert Mann zum jungen Hupfer.
Ihr ahnt vielleicht schon, was zu guter Letzt kommt? Genau: *Ein Saguaro ist auch nur ein Mensch* und in diesem Fall waren schon viele Pflanzenflüsterer vor mir da! Besser kann es nicht ausgedrückt werden, als es auf diesem T-Shirt zu lesen ist:
Rückgrat zeigen, visionär sein und bleiben, ressourcenschonend leben, langfristig denken, zur rechten Zeit erblühen und den Biss behalten: Jede Botschaft für ein Lebensmotto gut.
Oh, stimmt, eins hab ich ausgelassen, eben: Das mit der Geduld ist nicht so meine Sache, fragt meinen Mann. Wenn *be patient trough the dry spells* allerdings mit *Durchhaltevermögen beweisen* übersetzt wird, bin ich vielleicht doch dabei?!
What about you?
Dienstag, 22. November 2011
Rotbraun, sand und silbrig grün
All plants are our brothers and sisters. They talk to us and when we listen, we can hear them.
(Arapaho)Aus vielen Worten der Native Americans spricht ihre Einstellung zur Erde, ihre traditionell starke Verbindung zur Natur, die sie ehren. Wir wissen alle, dass ideale Vorstellungen über das Leben der Indianer der heute gelebten Realität aus vielerlei Gründen nicht standhalten kann. Was ich persönlich inspirierend finde, ist die Weisheit, die aus einer starken Verbindung mit den elementaren Kräften der Erde erwächst.
Viele "westliche" Krankheiten und Imbalancen mögen daher rühren, dass wir zu wenig unmittelbaren Kontakt mit den vier Elementen und allgemein der Natur haben. Sich in den Atem der Erde einfühlen fällt vielleicht sogar in einer für uns fremden Umgebung leichter. Wir nehmen bewusster wahr, was da ist. Alles ist interessant, weil ungewohnt und neuartig.
Im Süden Arizonas, hier um Tuscon und Phoenix siedeln Menschen nachweislich ununterbrochen seit 14.000! Jahren. Über viele Tausende Jahre lebten Indianerstämme hier im Einklang mit der Natur, das ist immer noch spürbar und auch sichtbar.
Ob einfach oder teuer gebaut, Einkaufszentrum oder Ranch, viele Häuser fügen sich farblich und formal schön in die Landschaft ein, oft begegnen wir alten Namen, auch "Tuscon" ist indianischen Ursprungs und bedeutet "Schwarze Vorberge" in der Sprache der Tohono-O`Odham Indianer.
Die Farben rotbraun bis sand und türkise Farbtöne finden sich an Gebäuden, in Teppichen und Schmuck wieder. In dieser Gegend wurde eine Zeit lang Kupfer, Türkis und Silber abgebaut. Es sind die Farben dieser Region. Aber es gibt auch grün und silbriges grün hier.
Die Villa im legendären "Adobe" Stil liegt an den Hängen der Catalina Mountains, hier schön von der abendlichen Sonne bestrahlt.
In dieses Haus habe ich mich verliebt, perfekte Farbharmonie und in der Bauweise so typisch für diese Gegend. Kleine Fenster, die meiste Zeit des Jahres gilt es, sich vor der Hitze zu schützen. Es steht in unmittelbarer Nachbarschaft des Presidio Inn, einem B&B im Historic District von Tuscon, wo wir bei Patti, einer entzückenden alten Dame übernachtet haben.
Zur vorgestrigen Rätselfrage: Die Pflanze, die auf dem Foto abgestorben fotografiert ist, findet sich in lebendiger Form auf einigen Bildern in diesem Post wieder. Ja, ich mach es noch ein bisschen spannend. Aber es ist ja verrückterweise Fasching in Österreich, und zwar seit dem 11.11. Mein Bilderrätsel ist allerdings keine Scherzfrage und ich werde sie selbstverständlich bald auflösen. Vielleicht erwacht ja in Eine/r oder Andere/r von euch eine Ahnung? Nur zu, es darf geraten werden!
Samstag, 19. November 2011
Back again...
There is no death, only a change of worlds
(Duwamish)Mit Sprüchen von Native Americans verschiedener Stämme im Gepäck wiedergekehrt. Mit vielen Fotos sowieso. Der Teil meiner Seele, der für sein Leben gerne *wandert*, ist mit wunderbaren Eindrücken gesättigt noch auf dem langen Weg zurück, so dankbar für diese Gelegenheit. Mein Körper ist da, zu Hause und werkt, weil er kann und muss.
Geht es euch auch so? Nach einem Abtauchen in eine Welt, die so anders ist als die gewohnte: Alles ein wenig anders sehen, leicht verschoben, der Blick hat sich geweitet.
Zehn Tage aus dem Alltag gegangen und wieder eine Seite dieser schönen Erde ein bisschen kennengelernt.
Wo ich war? Das Foto gibt einen Hinweis auf die *Bäume*, die dort wachsen. Es wird noch das eine oder andere folgen.
Zum Spruch oben:
Dieser Einstellung sind wir ja schon mehrfach im Keltischen Baumkreis begegnet. Sie entspricht wohl einer Lebensweise, die eng mit der Natur verbunden ist. Ja, doch: Ein bisschen nachdenklich sitze ich wieder zwischen meinen vier Wänden. Mit all den Dingen darinnen.
Aber von all den Bäumen, Blumen und Gräsern, Steinen und Bergen, die ich begrüßt und bestaunt habe, ist ein *Stückchen* Pflanzenseele mitgekommen. Freiwillig, weil ich sie liebte und sie mich auch.
Aber von all den Bäumen, Blumen und Gräsern, Steinen und Bergen, die ich begrüßt und bestaunt habe, ist ein *Stückchen* Pflanzenseele mitgekommen. Freiwillig, weil ich sie liebte und sie mich auch.
Habt ihr eine Idee, wie diese mächtige Pflanze auf dem Bild lebendig aussieht?
Ein kleiner Hinweis: Sie mag Erde nicht so gerne wie Sand und sie lässt sich beim wachsen Zeit, viel Zeit.
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