Entzauberung. So kommt es mir vor. Und das Rad dreht sich immer schneller. In vielen Bereichen des öffentlichen Lebens kommen Dinge, Umstände und Vorkommnisse ans Licht, die man so nicht für möglich gehalten hätte. Wir möchten vielleicht nur ein ganz normales Leben führen, unsere Arbeit tun, unseren Verpflichtungen nachgehen, Spaß haben, Entspannung, Freude, Liebe empfinden, geben und nehmen. Aber so einfach ist die Welt nicht mehr (sie war es womöglich nie, wir konnten nur leichter wegsehen). Wenn wir einen positiven Fokus halten und dem entsprechend zu handeln versuchen, werden wir auch schon mal als Gutmenschen abgewertet, oder als Träumer. Wir hinterfragen plötzlich Charaktereigenschaften oder Gewohnheiten, die bis hierhin hingenommen worden waren. Es spielte keine Rolle. Auf welcher Seite stehst du?! Was denkst du über...? Längst unwichtig gewordene Fragen, dachten wir...

Eines Abends erzählte ein alter Cherokee seinem Enkel
über den Kampf, der in den Menschen tobt. Er sagte:
„Mein Sohn, es gibt
einen Kampf zwischen zwei Wölfen in jedem von uns. Einer der Wölfe ist
böse. Er ist Zorn, Neid, Eifersucht, Kummer, Bedauern, Habgier,
Arroganz, Selbstmitleid, Beschuldigung, Feindseligkeit,
Minderwertigkeitsgefühle, Lügen, falscher Stolz, Ueberheblichkeit und
Egoismus. Der andere Wolf ist gut. Er ist Freude, Friede, Liebe,
Hoffnung, Gelassenheit, Bescheidenheit, Freundlichkeit, Güte,
Menschlichkeit, Grosszügigkeit, Wahrheit, Mitgefühl und Vertrauen."
Der
Enkel überlegte eine Minute und fragte dann seinen Großvater: „Und
welcher Wolf gewinnt?“ Der alte Cherokee gab zur Antwort: „Derjenige,
den Du fütterst.“
Ein Motiv aus meinen Dorf. Dutzende Male dachte ich schon daran es mal zu fotografieren. Ein Relikt aus früheren Zeiten. Jedesmal, wenn ich es sehe wundere ich mich über ein Gartentürl, hinter dem nichts mehr, auch nicht im entferntesten darauf schließen lässt was die Aufschrift darüber verspricht. Die Buchstaben halten jahrein jahraus die Stellung und ich frage mich, ob überhaupt noch jemand bewusst wahrnimmt was da steht. Es ist wohl wie in jedem Haushalt, manches wird abgestellt und dann darauf vergessen, schließlich ausgeblendet. Niemand braucht es mehr, entsorgen wäre möglich, aber da liegt eine Geschichte von Menschen drin und der rote Faden reicht immer noch bis in die Gegenwart.

Magisch von vergessenen Zeiten in ihren physischen Überbleibseln
angezogen sehe ich oft genau das, was fast vergessen, aber auf eine Art
trotzdem immer noch sehr präsent da ist. Da ein
halb eingesunkenes Dach, dort ein überwuchertes Tor oder ein vergessenes
Fabriksgelände. Und eines Tages ist es dann doch Vergangenheit,
abgerissen, ausgetauscht, verändert. Wo wandern all die Erlebnisse, Gefühle, Gedanken hin, die mit dieser Wirklichkeit einhergingen?
Das Foto steht für all die Motive, die sich in ihren endlosen Wiederholungen banal anfühlen, bis, ja bis sie eines Tages verschwunden sind. Es ist immer einmal zu spät gewesen. Für das Foto des Autos, mit dem viele Jahre gefahren wurde oder der Lieblingsdecke. Bleibt noch die Frage, ob das festhalten wirklich so wichtig ist?! Ich denke ja und nein. Man weiß es immer erst, wenn etwas endgültig vergangen ist. Gut oder schlecht ist nicht die Frage, ob das Herz dranhing schon eher.
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In dieser Serie geht es um Fotos aus dem Vorjahr. Und zwar aus meinem normalen Leben. Nicht von
Reisen oder besonderen Erlebnissen, sondern von Motiven, die en passant
auf mich zukommen. Typisches und Schönes im täglichen Leben.