Donnerstag, 14. April 2011

Ivy und der Amselmann / Teil 2

Eine Fortsetzungsgeschichte in loser Folge.

                                                Ivy umgarnt Herrn Birnbaum

Aber nun immer schön der Reihe nach. Ivy hatte sich mit Herrn Birnbaum eingelassen. Er war ganz in der Nähe zu hause und ein Baum von einem Mann. Er hatte alles, was einer wankelmütigen Frau Halt geben konnte. Klar, er gehörte zu einer ganz anderen Welt. Alle wussten das. Man vertraute darauf, dass die ersten Hindernisse sie zum Nachdenken bringen würden.


                  Herr Birnbaum im Liebestaumel, von Ivy umgarnt

Aber das Schicksal wollte es anders. Oberhammer war krank geworden und der Rasentraktor blieb für fünf Wochen in der Scheune. Äonen Zeit, um vom Zaun über das kurze Stück hohe Wiese zu Birnbaum zu gelangen. Herr Birnbaum fühlte sich geschmeichelt und Ivy streichelte mit ihren tastenden Triebspitzen seinen rauen Stamm entlang. Zuerst waren noch leichte Bedenken da, aber als ihm Ivy versicherte, nicht zur Familie Efeu zu gehören, wie ihr Name übrigens fälschlicherweise suggeriert hatte, entspannte er sich wieder. Sie war so glatt, so süß und schlank. Es war Liebe auf den ersten Blick gewesen.
Familie Wilder Wein, Ivy´s Vater und ihre Mutter, hatte sie mit Wuchsfreudigkeit ausgestattet, sie war so stolz darauf. Ihr könnt euch vorstellen, was für eine Sause sie zur Verlobung feierten. Herr Birnbaum war anfänglich ziemlich steif dagestanden, doch Ivy umgarnte seine Äste mit ihren Trieben und bald war klar: Herr Birnbaum feierte seinen zweiten Frühling.

Fortsetzung folgt!

Wer Teil 1 versäumt hat: Hier könnt ihr nachlesen

Dienstag, 12. April 2011

Bilderflut und ein kleines Geständnis

Viele, viele Bilder sind in meinem Kopf eingebrannt.

Es gibt natürlich auch die Auffassung, dass Leute, die oft mit der Kamera unterwegs sind, gar nicht richtig zum Erleben kommen. Das Gegenteil ist der Fall. So Vieles springt ins Auge, will mit.
Eine wichtige Motivation diesen Blog zu beginnen war, wenigstens ein paar von den unzähligen Fotos aus dem Archiv zu teilen. Nicht weil die Bilder so gut oder einzigartig sind, sondern weil sie Emotionen und Erlebnisse transportieren. In mir lösen sie etwas anderes aus, als in dir, auch wenn das Erlebnis recht ähnlich sein mag. 




Ich muss gestehen, für mich sind innere Bilder wichtig. Alles, was ich erlebe, löst eine Flut davon aus und muss in irgendeiner Weise bearbeitet werden. Seit ich viel fotografiere gibt es da ein schönes Gegengewicht. Mein Handicap, eine mittelstarke Kurzsichtigkeit zwingt mich noch mehr, genau hinzuschauen, dem Autofokus sei Dank ist es heutzutage einfacher geworden.


                                     New London, Connecticut, USA  Ende Mai 2009


Viele solcher Ab-Bilder innerer Landschaften finden sonst keine Bühne, stauben im Archiv vor sich hin. Manchmal machte ich mir Sorgen, ob ich alles erinnern könnte, früher hatte man ja die Papierabzüge und sah sie sich ab und zu an. Ja, dann kommt ein Anstoß von außen und im Kopf gerät eine Maschinerie in Gang: Da war doch was...


                               Kamelienblüten   Dereen Gardens, Irland  Anfang Mai 2010

Heute morgen, bevor es zu regnen begann, hat ein starker Wind Mengen von weißen Blütenblättern durch die Luft gewirbelt. Zeit für einen Auftritt von Bildern, die sonst nie gezeigt worden wären.

                               Es schneit Blütenblätter im Nachbarsgarten

Heute gibt es keine Assoziationen von mir. Sondern die Frage: Was machen die Bilder mit dir?  

Meine Bilder - deine Träume - unsere gemeinsame Freude.


Rhododendrenblüten auf einem Weg in Ardnageshel, Bantry Bay, das mir Eliane von Creativity and Inspirations in Ireland voriges Jahr Anfang Mai gezeigt hat. 


Ich liebe es, Bilder in anderen Blogs anzuschauen. Das gibt so viele Anregungen und knüpft an eigene Träume an. 
Wir müssen dringend mehr träumen, unsere Welt ist viel zu geschäftig und an Geld machen orientiert. Was geht verloren? Was wollen wir wirklich erschaffen?

Schönheit, Inne halten und träumen: Ein Häuflein auf der anderen Waagschale.






Montag, 11. April 2011

Ivy und der Amselmann / Teil 1

Eine Fortsetzungsgeschichte in loser Folge.

Der Amselmann hatte sein schönstes Werbelied aufgelegt. Er hatte einen wiederkehrenden Traum. Vor Allem aber hatte er ziemlich genaue Pläne. Ivy war noch nicht eingeweiht. Sie hatte viele Triebe, alle wuchsen in eine Richtung, nur geringfügig voneinander abweichend. Das machte sie stark.


Die Natur hatte ihr Brautkleid angelegt. Auch ein Traum, wie die Menschen sagen, traumhaft nämlich. Aber wie die Hochzeit und der schönste Tag im Leben schnell vorüber geht, so schnell ist auch diese Zeit passé. Die Blütenblätter lösen sich, der Wind schneit sie im Sonnenlicht davon.

Ich habe das mit dem schönsten Tag nie verstanden, sagte Ivy. Wie so oft stand eine Strategie gegen die andere. Eines Frühsommermorgens fiel eines ihrer Triebe dem flutenden Grün entgegen, es hatte für einen Moment auf das Streben vergessen. Der Amselmann war zufrieden. Er flog weg, irgendwie blieb er aber auch. 
Ivy kümmerte sich tagelang nicht darum, erst als sich die kleinen Klammern wieder an den Stamm irgendwo in den unteren Stockwerken hefteten, wurde sie aufmerksam. Soll sie halt von vorne wieder anfangen, auch kein Problem, dachte sie. Einen widersprüchlichen Ansatz ihres Wesens würde sie wohl nie hinterfragen. Immer hinauf, der Sonne entgegen, aber das grelle Licht schlecht vertragen. Andererseits, es war Brautkleidzeit und da macht man sich traditionell keine Sorgen.
Amselmann kam und sang sein Lied, diesmal etwas verändert. Nur leicht, wenn ihr wisst, was ich meine. In etwa so, wie wenn die Filmmusik sich zu verändern beginnt, während die Bilder noch einen Augenblick bei der letzten Szene verweilen.

Fortsetzung folgt.

Samstag, 9. April 2011

Donnerstag, 7. April 2011

Der Ahorn

Jeder 7. eines Monats ist einem Baum gewidmet.

Eines der faszinierendsten Baumarten ist für mich der Ahorn. Allerdings noch nicht sehr lange, denn ich habe mit den gekeimten Samen eines Ahornbaumes, der knapp außerhalb unseres Gartens steht, jede Menge Arbeit. Dutzende junge Keimlinge müssen jährlich im Frühjahr entdeckt und zwischen den Rosen herausgeholt werden, sonst könnten wir unseren Garten demnächst als Baumschule verwenden.
Bei uns in Österreich fühlt sich der Spitzahorn (Acer platanoides) sehr wohl. Jetzt im Frühling erkennt man ihn leicht an seinem starken, gelblichen Blütenflor. Dieses Jahr blüht er besonders schön und stiehlt als einer der ersten sämtlichen Bäumen seiner Umgebung die Show.




Feldahorn (Acer campestre) ist bei uns auch sehr verbreitet, hier der neue frühlingsgrüne Austrieb.

Meine Liebe zum Ahorn entdeckte ich also erst vor etwa zwei Jahren, als wir für eine Woche Neu England nördlich von New York besuchten. Da wurde mir bewusst, wie vielseitig Ahornbäume sind. Mir ist nicht bekannt, ob es noch eine andere Baumart gibt, die so viele verschieden Farben spielt, nicht nur bei den Blättern, auch bei den Blüten und natürlich bei den Früchten und der Herbstfärbung. Bei Blattaustrieb und Baumblüte im Mai schimmert dort der Wald in allen Gelb-, Grün-, Rosa-, Braun- und Rottönen. Manche Arten treiben tiefrote Blätter aus, die sich dann mit der Zeit in grün verwandeln oder auch dunkelpurpurbraun bleiben. 


In der Bildmitte im Hintergrund ein wunderschöner Blutahorn auf einem Friedhof in New London.


 Hier ein eher buschiger, niedriger Ahorn mit fächerförmigen Blättern und leuchtendroten Blüten und Früchten.



Ein bekannt romantisches Motiv: In diesem Prototyp eines Japanischen Gartens mit Seerosenteich darf der rotlaubige Fächerahorn (Acer palmatum) nicht fehlen. Dieses Bild zeigt eine neuenglische Interpretation dieser beliebten Gestaltung. 



Kürzlich entdeckte ich ganz in unserer Nähe in Laxenburg diesen jungen Eschenahorn (Acer negundo), als er gerade blühte. Der Baum ist noch so klein, dass ich bequem stehend die Blüte fotografieren konnte. Wenn es nur öfter so einfach wäre!



Noch ein Bild aus Neu England. Wieder zu hause zurück, kam mir unsere Landschaft merkwürdig eintönig vor. Dort gestaltet man offensichtlich bewusst viel mehr mit Farben. Es gibt kaum einen Blickwinkel, wo nicht ein Baum oder Strauch mit besonderer Färbung zu sehen wäre. Im Frühjahr mit all den blühenden Azaleen und Rhododendren eine unglaublich Pracht!



Hier seht ihr mich mit meiner Schwägerin inmitten eines Farbrausches, die Farben auf dem Foto sind nicht verstärkt, wir mussten uns mit unserer Kleidung angleichen, als hätten wir geahnt, dass wir sonst im Bild verschwinden würden? 



Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so spektakulär erscheint, hat doch auch unser gewöhnliche Feldahorn seine Ton in Ton - Schönheit und ich möchte ihn nochmal vor den Vorhang bitten. Dieses Foto entstand erst vor ein paar Tagen im Laxenburger Schlosspark.

Inzwischen habe ich den Ahorn lieben gelernt, nicht nur seiner Schönheit wegen. Es ist kein Zufall, dass er in Japanischen Gärten Verwendung findet. In seiner Nähe fühlt es sich entspannt an. Friedliche Stimmung breitet sich aus. Viel zu selten packen wir im Sommer einen Picknickkorb und begeben uns in den Schatten eines mächtigen Ahornbaumes und genießen die Zeitlosigkeit eines vor Hitze flirrenden Sommertages. Ob bei uns oder in Neu England oder sonstwo, in seiner Nähe zu sein tut gut.
Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Ich liebe Ahornsirup, den besonderen Saft des Zuckerahorns (Acer saccharum) und den bekommt man ja zum Glück auch bei uns zu kaufen. Morgen gibt es ihn wieder zum Kaiserschmarrn!

Mittwoch, 6. April 2011

Gebannt...

Die Postings der letzten Tage gelingen recht frühlingslastig. Bevor heute die Sonne untergeht, was erfreulich spät der Fall ist, versuche ich auszublenden, was mich ein wenig quält. Seit gestern tragen die Birken sichtbar blühende Kätzchen. Pures Glück mit Stachel drin. Macht auch nichts, rinnt eben die Nase und niesen wollte ich sowieso schon so lange Mal wieder! 

Aber im Ernst: Bilde ich mir das ein, oder ist das diesjährige Frühjahr wirklich schöner, als alle vorhergehenden? Egal, es IST jetzt und es macht mich glücklich, trotz Pollenallergie. 
Es wird hier auch wieder andere Inhalte geben, als Bäume und Blüten und aufspringende Knospen, aber im Moment kann ich nicht anders. 
Die Macht der Entfaltung hat mich in ihren Bann gezogen.





Sonntag, 3. April 2011

Flaum an bronze-grün

Drei Tage um die zwanzig Grad und ich würde mich am liebsten hinstellen und nur schauen und schauen. Den ganzen Tag. Die Natur entfaltet sich im wahrsten Sinne des Wortes, wie hier die Blätter und Blüten einer Blutbuche im Eilzugstempo.





Die Bäume sind am blühen, mehr oder weniger gleichzeitig. Es gibt viele Farbnuancen in allen Etagen. Nach dieser Phase wird es bald grün werden und all die pastelligen Töne von gelbgrün bis violett scheinen sich in einsilbigem grün aufzulösen. Die Blutbuche macht da nicht mit, noch schimmert es grünlich zwischen den Blattrippen, aber bald wir sie sich für bronzebraun entschieden haben. Nicht, dass ich etwas gegen grün habe, ganz und gar nicht! 
Jetzt tritt einmal dieser und dann jener Baum in den Vordergrund, wie die einzelnen Darsteller beim Schlussapplaus im Theater. Später sagt man dann Wald, jetzt ist es ein Ahorn dort und eine Esche oder Kirsche da, sie strahlen mit ihrem Blütenkleid um die Wette.



Hinaus, hinaus, hinaus, lautet die Devise. Nie fällt es leichter, als in diesen Tagen.
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