2014 ist Geschichte und damit mein letzter Geburtstag, den frau noch mit viel gutem Willen mit dem 5er vorn als weniger alt bezeichnen könnte. Meine Mutter sagte immer wieder: Die Diskrepanz zwischen dem, wie ich mich fühle und was ich im Spiegel sehe nimmt von Jahr zu Jahr zu. Ich hatte vor einem Jahr beschlossen, eine innige freundschaftliche Beziehung zu meinem äußeren Erscheinungsbild aufzubauen. Meine Motivation: Ich mag einfach im Alter ein zufriedener Mensch sein und möglichst viel Freude leben.
Ich möchte mich einfach in meinem Körper und mit meinem Gesicht gut fühlen, egal wie alt ich bin. Ich wollte dazu kommen, etwas anderes in den Vordergrund treten zu lassen, als die vordergründige Angst, als irgendetwas abgestempelt zu werden. Wir älter werdenden Frauen können es klein reden oder resignieren, aber zum Mainstream-Schönheitsideal gehören wir schon längst nicht mehr. Eine Freundin erzählte mir einmal, sie merkte dass sie alt wurde daran, dass ihr keine Männer mehr nachpfiffen oder -schauten, sie war etwa 35 zu der Zeit. Abgesehen von der Tatsache, ob das wirklich der Bringer ist, haben wir uns als junge Frauen schon ein Stück Selbstwert daraus geholt, oder? Egal wie, die Zeiten sind längst vorbei.
Ich hatte mir also vor einem Jahr vorgenommen, jeden Tag ein Foto von mir zu machen, wenn es mir gerade einfällt, bad-hair-day hin oder her, gute oder schlechte Laune sollte alles keine Rolle spielen. War ganz schön schwer und forderte manchmal eine große Überwindung. Was ich zu sehen bekam, war ziemlich anders, als das was wir an Bildern täglich vorgesetzt bekommen und ich muss zugeben, es dauerte einige Zeit, bis ich nicht begann drüber nachzudenken, dieses und jenes Bild zu löschen. Nie sollte das irgend jemand zu Gesicht bekommen. Ist das nicht verrückt? Alle anderen sehen mich dauernd so und ich selbst kann nicht ja dazu sagen??? Schön blöd.
Arbeitsname für dieses Projekt war 365. So viele Tage brauchte ich nicht, viel viel weniger reichten, um eine ziemlich neue Beziehung zu meinem Körper und meinem aktuellen Aussehen zu bekommen. Um es vorwegzunehmen, dieses Projekt war sehr erfolgreich und es endete irgendwie schleichend, indem ich immer öfter merkte, dass ich die Fotos von mir einfach normal fand. So war und bin ich eben, so sehe ich aus.
Ich merkte nach und nach, dass ich mir immer weniger Gedanken um die Zeichen der Alterung machte, nichts wegredete oder hinzufügen wollte. Es beschäftigte mich weit weniger, ob eine Falte da oder zu sehen war. Auf eine Art fühlte ich mich freier als davor.
Ich begann mich gut im Jetzt zu fühlen, besser in meiner Haut, als davor. Nicht auf bessere Tage hoffen, auf wirkungsvollere Cremen, so in der Art. Nach einem Jahr muss ich sagen, dass ich mich bei Weitem freier und lebendiger fühle als noch vor Jahren, als die Angst da war, jemand könnte mich aufgrund meines Aussehens uninteressant und langweilig finden.
Im Juli machte ich dieses Foto in einen Spiegel, es ist mein schönstes Lachfaltengesicht und es zeigt, dass ich mich mag, so wie ich bin, umrahmt mit ein bisschen Wimperntusche und Lippenstift.
Mit dem letzten Foto verschwestere ich mich mit dem Projekt von Traude in ihrem Blog *Rostrose* Rettet die Lachfalte! (klick). Wir beide treffen uns von Zeit zu Zeit im Schlosspark Laxenburg und tun alles dafür, um unseren Lachfalten gemeinsam Raum zu geben, und ganz allgemein dem Leben aktiv soviel Freude abzuringen wie es nur irgendwie geht. Das Brummige und Grantige hab ich auch und es ist natürlich auch in mein Gesicht geschrieben, das gehört dazu. Es lässt sich jederzeit ändern, immer öfter immer früher (ich bleibe dran). Ist das nicht ein Erfolg auf ganzer Linie?
Hier gehts noch mal zum Projekt von Traude. Am Ende ihres Postings findet ihr Beiträge anderer BloggerInnen zum Thema. Wir sagen ja zum lachen, koste es so viele Falten, wie es mag!!!!!


