Selten, sehr selten schon anzutreffen. Das Einzelhandelsfachgeschäft mit Spezialisierung auf Qualitätware mit riesigem Angebot. Mal ehrlich, wie viele Geschäfte dieser Art kennt ihr in eurer Stadt?
In Treviso, einer kleinen Provinzstadt nördlich von Venedig bin ich über dieses Geschäft gestolpert. Wie aus einer anderen Zeit zurückgeblieben wirkt er, der ehemals elegante Laden, wo der Fachmann hinter dem Verkaufspult und Schneidetisch seine Kunden berät und jede Zeit der Welt mitbringt, um sein Klientel zufrieden zu stellen. Keine wild übereinander geworfenen Stoffballen auf Wühltischen, sondern fein geordnet in allen Farben und Qualitäten liegt die Ware gut sichtbar und übersichtlich in den Regalen. Viele Jahrzehnte dem Anschein nach wird hier in bewährter Manier gearbeitet und keinen kurzlebigen Strömungen nachgegeben, mit ein paar Ausnahmen vielleicht. Es gibt Polo-Shirts zum mitnehmen und die alte Registrierkasse steht als Schmuckstück in der Auslage. Das wars dann schon mit Modernität. Sehr sympathisch! Man muss nicht zu den Gestrigen zählen, um das zu mögen. Wie oft ist mir schon passiert, dass ich Verkäufer egal welcher Branche nach einem bestimmten Stück gefragt und eine Abfuhr bekommen habe, um dann, nicht aufgeben wollend, nach genauerem Schauen doch fündig zu werden. Nicht den Fehler machen, denjenigen dann zu suchen und aufzuklären, anschnauzen kann ich mich selbst, wenn ich mal dazu Lust habe.
Aber
zurück zu diesem Kleinod aus der Hochblüte der zweiten Hälfte des
vergangenen Jahrhunderts. Solche rar gewordenen Methusalems des
Einzelhandels müssten systematisch fotografisch dokumentiert werden. In nicht allzu ferner Zeit wird es auch dieses Geschäft wahrscheinlich nicht mehr geben, ein Stück Kulturgeschichte
der Wirtschaft der Vergangenheit angehören. Dann wird es nur mehr Fotos
und Erinnerungen davon geben, keine Stoffe mehr durch prüfende Finger
gleiten und für den neuen Maßanzug wird wohl ein kleines Stoffmuster aus dem Musterbuch beim Schneider ausreichen müssen.
Bei aller Begeisterung für viele Veränderungen in den letzten Jahren wünschte ich mir, dass manches Althergebrachte bestehen bliebe. Nicht weil ich hier jemals etwas kaufen wollte, sondern einfach nur, weil es auf seine Art schön und selten geworden ist...
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Dienstag, 17. Juni 2014
Montag, 2. August 2010
Die Kärntnerstraße
Die Kärnterstraße verbindet die wohl für Wien am stärksten identitätsstiftenden Gebäude, die Oper und den Stephansdom miteinander. Sie besteht seit dem dreizehnten Jahrhundert, da eine wichtige Handelsroute nach Süden aus der Stadt durch das Kärntertor führte.
Die Anfänge als Fußgängerzone und die neue U-Bahn brachten vor etwas mehr als 30 Jahren einen Aufschwung und eine große Aufwertung mit sich. Seither setzten mehrere Umgestaltungen unterschiedliche Akzente. Was blieb, war die hohe Fußgängerfrequenz. Heute wird es wohl keinen Wienbesucher geben, der nicht einmal hier entlang geht.
Was er zu sehen bekommt, hat sich in den letzten 10 Jahren stark verändert.
Auch hier, wie in vielen anderen Metropolen greift eine Austauschbarkeit um sich, die mir, so muss ich ehrlich zugeben nicht immer gefällt. Das, was hier in einer der ältesten Wiener Straßen als wientypisch verkauft wird, würde ich unter Vermozartkugelisierung ablegen, und diese scheint wie ein Flächenbrand um sich zu greifen. Fast scheint es, als würde jeder Abtausch eines Geschäftslokales in ein Touristenkitschmekka umgewandelt.
Ausverkauf der Identität in der Kärnterstraße?
Die letzte Umgestaltung des Straßenraumes wurde erst jüngst fertiggestellt, sie hinterläßt die Straße sehr kahl, die neugesetzten Bäume sind noch klein, der Blick bleibt auf den großen Granitplatten hängen.
Infolge großer Schäden durch den 2. Weltkrieg gibt es nur mehr wenige Anker, wie das Palais Todesco, das Palais Eszterházy oder die Malteserkirche. Was nach dem Krieg schnell aufgebaut wurde, kann substantiell nicht an die Zeit davor anknüpfen. Man kann auf die Entwicklung in den nächsten 10 Jahren gespannt sein.
Es gibt sie aber noch, die letzten alten Traditionsbetriebe, unverwechselbar mit Wien verbunden.
Das Glashaus J&L Lobmeyr , gegründet 1823 steuere ich jedesmal an. Auf einer der nicht sehr großen Auslagenseiten ist immer Herend Porcellan ausgestellt. Handbemalte feinste Qualität aus einer der großen Manufakturen in Ungarn.
Wie könnte man die ehemals enge Verbindung zwischen Österreich und Ungarn erlesener feiern, als mit diesem durch die Jahrzehnte stillen Statement. Manchmal stellt sich mir angesichts des Treibens rundherum die bange Frage, wie lange noch?
Gerstner, K&K Hofzuckerbäcker versorgt die Wiener seit 1847 mit feinster Confisserie. Ich stelle mir gerade vor, wieviele Menschen seit der Zeit von Nestroy, Strauß und Liszt hier ein und aus gegangen sind.
Das und noch viel mehr Köstlichkeiten gilt es zu probieren, bei meinem nächsten Bummel durch die Kärnterstraße werde ich dort einfallen, wer kommt mit?
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