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Samstag, 7. Juli 2012

So ein Theater!

Bei einem Kurztrip nach Dresden hatte ich das Glück zwei angehenden Kunstpädagoginnen bei ihrer Arbeit in der Puppenwerkstatt über die Schulter zu schauen. Jetzt versuche ich mich als Reporterin, als kleines Dankeschön für den wunderbaren Tag auf einer mir bis jetzt fremden, faszinierenden Bühne.

So macht studieren sichtlich Freude. In der Puppentheaterwerksstatt von Karla Wintermann entsteht von der ersten Skizze bis zur fertigen Kulisse und den Puppen alles unter den Händen von Karla, Jana und Kriemhild, die begeistert an ihrem Projekt arbeiten. Karla, Dozentin und Puppenmama begleitet die beiden Studentinnen mit großer Fachkompetenz und Leichtigkeit. Das ausgewählte Stück, in diesem Fall "Das Kalte Herz", wird anschließend einstudiert und bald auch vor Publikum aufgeführt. Die Aufregung darüber ist schon spürbar und schon während die Figuren entstehen wird darüber nachgedacht, wie sie dann in der Kulisse bewegt würden und welche Effekte erzielt werden könnten.



In der nächsten Collage rechts seht ihr die beiden Gesichter des Kohlenmunk-Peters, bevor und nachdem er sein Herz verkaufte, um reich und erfolgreich zu werden. Bei uns in Österreich ist das Wilhelm Hauff - Märchen vom kalten Herz kaum bekannt und als ich das Skript überflogen hatte und die Mädels mir die Geschichte erzählt hatten, war ich von der brisanten Aktualität des Themas berührt.

Hauff hat das Märchen vor etwa 200 Jahren geschrieben, die Welt hat sich seither weitergedreht und neue Varianten zu einer alten Versuchung hervorgebracht. Im Unterschied zu früher kann heute die ganze Welt echtzeit zusehen wie das Drama von Gier und fehlender Solidarität auf der Erde ihren Lauf nimmt. Im Märchen gibt es ein Happy-End, die Protagonisten lernen aus ihren Handlungen. Mehr Liebe und Solidarität auf der Bühne der Weltpolitik und im Leben des einzelnen Menschen? Wäre doch auszuprobieren! Das andere hatten wir schon...

Im Bild rechts unten und in der Mitte könnt ihr das Gesicht des Holländer Michel sehen, das zwar nur zweidimensional gefertigt wurde, aber an Gruseligkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Es bekommt noch Haare und Kleidung aus Seidenpapier, ähnlich wie die Puppen und wirkt jetzt schon fast lebendig! Dem Michel verkaufen im Märchen Menschen ihr Herz, um fortan mit einem kalten Herz selbst-herrlich und reich durchs Leben zu gehen.



Das kaltherzige Streben nach Status und Reichtum, aber auch Läuterung und die Option auf ein gutes Ende machen dieses romantische Märchen aus dem Schwarzwald interessant und wert zu thematisieren. Im Puppentheater geschieht das auf eine spannende und doch anrührende Art und Weise, beeindruckend für Kinder und Erwachsene.

 »Das kalte Herz« ist auch der Titel eines 2011 erschienenen Sachbuchs des Münchner Psychoanalytikers Wolfgang Schmidbauer. Es trägt den Untertitel »Von der Macht des Geldes und dem Verlust der Gefühle«, was etwas pathetisch klingt, aber leider exakt das Hier und Jetzt charakterisiert. 
(ziitiert aus http://www.maerchenatlas.de/kunstmarchen/das-kalte-herz)

Seidenpapier wird mit Acrylfarbe bestrichen oder betupft und erhält so nach dem Trocknen eine leichter formbare Struktur. Hier könnt ihr sehen, wie Teile der Kulisse entstehen. Ich durfte beim Malen ein bisschen mitwirken, die Geschichte begann mich mehr und mehr in ihren Bann zu ziehen.

So schade, dass ich bei der Aufführung von "Das Kalte Hez" nicht dabei sein kann. Ich wünsche Jana, Kriemhild und Karla eine schönes und spannendes Spiel und sollte jemand von euch in der Nähe sein, seht es euch an. Es wird wunderbar!




Karla Wintermann gibt auch Kurse in ihrem Atelier auf einem alten Bauernhof, in der Nähe von Dresden. Für mehr Info seht mal auf ihre Webseite: Wintermannhof


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