21. Februar, Dienstag
Osterinsel, geografisch: Polynesien, politisch: Chile
So
steht man sich nun gegenüber, jeden Früh bei Sonnenaufgang und denkt
sich seinen Teil ;-) Einige Touristen genießen die Kühle des Morgens und
das Schauspiel am Himmel, entspannt und still. Die Insel hat uns schon
mit ihrem Rhythmus eingefangen...
Eine Insel von paradiesischer Schönheit. leider wahrscheinlich nicht
zuletzt deswegen, weil sie so weit von jeglicher Zivilisation liegt...
Hibiskusblüten in den Straßen und Vorgärten und auf den Pareos
Die Main Road von Hanga Roa, die Inselhauptstadt ist ein Dorf.
Zum Schluss ein Blick in die Kathedrale
Gottvater
mit geschürtzten Lippen (anders kann ja Gott die Blödheit der Menschen
nicht aushalten), Jesus hält die Stellung und der Heilige Geist kann
sich über die Jahrhunderte wenigstens auf echten Federn ausruhen (bei
der Sisyphusarbeit auf Erden)
T: Also das waren die schönsten Fotos, die du uns von deiner Reise geschickt hast... will auch!!!
K: Ich kriege die Krise, die Fotos sind der Hammer!!!
Zum Schluss noch ein Foto von den Klippenfischern, seht ihr sie auf der Felsnase hinter der Gischt?
T: Was mach ich noch in Wien??
Wir sollten die Erde wieder zu dem Planeten werden lassen, der er sein könnte: atemberaubend schön..........
D: Wenn ich die Fotos sehe packt mich ein unbändige Lust dorthin zu fahren. Die Farben so klar und rein, die Natur so unberührt, wir wird ganz sentimental ums Herz, wenn ich sehe wie sehr die Menschen unseren wunderbaren Planeten durch Profitgier, Kriege und Gedankenlosigkeit zerstören.
Ja...... eigentlich eh überall, wo Menschen hinkommen......
Unser Zimmervermieter und der Ranger klagten beide über zu viele Einwanderer aus Chile, die Insel würde nicht viel mehr Menschen tragen können. Insofern ein Problem, das nicht nur bei uns in Mode ist. Ich habe den Eindruck, dass es allerdings sehr viel darauf ankommt, ob man bewusst auf ein Gleichgewicht achtet und bei auftauchenden Problemen über viele kleine Richtungsänderungen mit der Zeit zu einem besseren Ergebnis kommen kann. In Österreich hat man vor ca 50 Jahren auf die Qualität der Gewässer und Wälder zu achten begonnen und jetzt sind viele in einem besseren Zustand als davor...
Natürlich gehört die Osterinsel auch zur "Zivilisation". Die Kinder müssen die Grundschule besuchen. Für eine höhere Bildung müssen sie allerdings nach Chile gehen!!!
*****
Wir wollten den Sonnenaufgang bei einer großen Gruppe von Moais beobachten, stellten den Wecker auf 5 Uhr, packten schnell alles zusammen und fuhren eine halbe Stunde auf holprigen Straßen bei noch totaler Finsternis zu dem Platz, den wir schon gestern besucht hatten. Wir schafften es gerade noch rechtzeitig anzukommen, bevor sich der Himmel zu verändern anfing. Zu unserer Überraschung waren schon eine Menge Menschen da, hatten es sich gemütlich gemacht, Picknick vorbereitet, Thermoskannen standen herum. Eine angenehme Morgenkühle verriet noch nichts über die Tageshitze, die uns später erwarten würde.
Es herrschte ein unglaublich entspannte erwartungsfrohe Stimmung auf dem großen Platz vor den Statuen. Menschen, Land und Himmel schienen auf geheimnisvolle Weise zu verschmelzen. Man hörte kaum ein Wort, keine Ohhh´s und Ahhh´s. Menschen und Natur waren eingesogen in ein lautloses Lied des Universums, das unser ein- und ausatmen in einen viel größeren, sehr langsamen Rhythmus einwebte. Es fühlte sich in etwa so an, als würde etwas außerhalb von uns unseren Atem übernehmen und uns durch die Zeit tragen. Sie stand still, während der Himmel sich laufend veränderte. Für etwa eine halbe Stunde waren wir, Fremde aus vielen Ländern in einem gemeinsamen Zauber verbunden.
Ich lasse euch mit den folgenden Bildern allein...
Später beobachten wir Klippenfischer. Hier seht ihr, wie eine mächtige Welle anrollt. Es sah bedrohlich aus, schien den Männern allerdings keine großen Sorgen zu bereiten! Werden Männer unbesiegbar, wenn sie tagaus tagein neben solch riesigen Steinfiguren leben?
Am späten Nachmittag müssen wir zurück zum Hafen, wo einige Souvenirhändler Einschlägiges anpreisen. Ich bin leider keine Freundin von solcherlei Sachen. Wir haben aber unser Bestes getan, hier geschlafen, gegessen, haben ein Auto gemietet und Pareos für mich und als Mitbringsel und schließlich ein Hawaiihemd in Größe 6 Monate gekauft, nicht zu vergessen die Badehose vom W ;-)
Noch ein/zweimal den nächtlichen Himmel mit der Milchstraße betrachten zu können, untertags an magischen Plätzen zu sein oder im Meer zu baden hätte mir gefallen. Andererseits sind wir inzwischen mit Abschieden vertraut und nicht nur das: Wir ankern viel mehr im Hier und Jetzt. Die Stunden, die uns auf dieser Insel zur Verfügung standen haben wir in vollen Zügen genossen.
Noch eine kleine Geschichte zum Schluss:
Ich hatte unseren Zimmervermieter gefragt, wie es sei, wenn man sein ganzes Leben auf einer so kleinen Insel (162km²) verbringt und möglicherweise kaum jemanden der etwas mehr als 6000 Einwohner zumindest vom sehen her NICHT kennt. Für mich absolut unvorstellbar! Er sah mich an und sagte nichts, fing an über eingewanderte Chilenen herzuziehen und dass die Insel nicht mehr als ein paar tausend Einwohner tragen könne. Ich merkte, dass er meine Frage nicht verstanden hatte. Akustisch wohl, aber sonst? Wie soll man ja auch eventuell etwas vermissen, das man nicht kennt, nie erlebt hat?! Diese Frage hätte ich noch gerne anderen Menschen hier gestellt. Es interessiert mich wirklich, was das für ein Lebensgefühl sein mag, wenn man weiß, dass rundum mehrere tausend Kilometer nur Meer ist (die nächstgelegene Miniinsel ist Pitcairn ca 2000km weit weg). Kein anderes Land, in das man mal so für ein paar Tage fährt, einfach nur weil es da ist.
In
dieser Serie könnt ihr unsere Weltreise mit einem Kreuzfahrtschiff um
die Südhalbkugel Tag für Tag nachverfolgen. Im ersten Teil jeweils die
überarbeitete Fassung einer WhatsApp Gruppe, im zweiten Teil Ergänzungen
und weitere Fotos. Ich freute mich immer über Feedback aus der Gruppe,
es ergaben sich Impulse und weitere Informationen durch den Austausch,
weswegen auch manches davon hier (anonym) mit aufgenommen wurde. Alle Fotos im ersten Teil sind daher Handyfotos.
Diese Serie ist nicht dazu angetan Reiseführer zu ersetzen. Viel eher
persönliche Schlaglichter auf Orte, Menschen, Pflanzen und Tiere, die
uns für sich eingenommen haben zu zeigen und ein klein wenig nachvollziehbar und lebendig
werden zu lassen, was wir auf dieser Reise erlebt haben.
20. Februar, Montag
Osterinsel, geografisch: Polynesien, politisch: Chile
Osterinsel bei Sonnenaufgang
Die Osterinsel ist vulkanischen Ursprungs, schroffe Tuffklippen, spektakuläre Brandung, man könnte stundenlang zuschauen
kuchentellergroß!
D: Tolle Hibiskusblüte und eine so schöne Farbe
Wie zur Bekräftigung ihres Namens, den die Osterinsel von Europäern - die hier an einem Ostersonntag vor bald 300 Jahren landeten - bekommen hat, laufen auf der ganzen Insel Hendln (wienerisch für Hühner) jeglicher Größe herum. Unser Zimmervermieter meinte, man würde nicht immer alle Eier finden... also wild lebende Hühner... und wildlebende Pferde. An den Straßen, im Vulkankrater, im Gelände - überall sehen wir sie.
Die Naturbelassenheit und die Moai sind das große Kapital der Insel, die vom Tourismus lebt. Es passt alles wunderbar zusammen. Bisher hat die Verwaltung (die Osterinsel gehört seit 130 Jahren zu Chile) es geschafft Bananenplantagen oder Thunfischfabriken zu verhindern, wie uns unser Zimmervermieter erzählt.
Alles üppig grün und tropisch heiß, im Hintergrund ein Krater.
"Forget everything they told you about their history"
Der Ranger im Gelände der Moaiwerkstatt tupft W und mir abwechselnd auf den Oberarm: " It isn´t true!!!" Also nix mit den schönen Geschichten unseres Professors??? (der uns auf dem Schiff einen großartigen Vortrag über die Geschichte der Osterinsel und die Herkunft der Steinfiguren - den Moai - gehalten hat). Also doch noch Geheimnisse, was die Herstellung, den Transport, die Aufgabe, den Grund für die Existenz dieser beeindruckenden bis zu 16 Meter hohen Steinfiguren betrifft?! Was geklärt scheint ist das Alter. Beginnend vor etwa 1000 Jahren und in der Folge während mehrerer Jahrhunderte wurden die Figuren aus den Felsen gemeißelt, teilweise über weitere Strecken mittels Holzbalken transportiert und schließlich aufgestellt. Bis kein Holz mehr da war, das schließlich für den Bootsbau fehlte. Ob es magischen Zwecken diente oder einfach nur ein Beweis für die Kraft und das Geschick der jungen Männer im Wettbewerb der verschiedenen Clans diente, ist bis heute nicht mit Sicherheit geklärt.

Die Insel ist seit etwa 2000 Jahren von Polynesien her besiedelt worden, unser Ranger bringt Beweise in Form von gleichen Wörtern, die auch auf den Inselgruppen tausende Seemeilen westlich von hier verwendet werden. Wir hören die Singsangsprache mit den vielen Vokalen später am Strand.
Rapa nui, so der polynesische Name, eine Perle mitten im Südpazifik!
Die Fotos mit den Moais oben sind von der "Werkstatt" an eine Kraterrand. Dahinter sieht es so aus: Krater mit See und wilden Pferden.
K: Danke, darauf habe ich mich gefreut. Das ist wunderschön!
Für die Ausflugsgruppen vom Schiff bleibt zu wenig Zeit auch noch hierher ins Innere des Kraters zu kommen und auch sonst ist für eine kurze Zeit niemand da, so haben wir diese erhabene stille Schönheit innerhalb des Kraters ein wenig für uns allein. Wenn mir die Tränen runterlaufen, ist es fast unaushaltbar schön...
Gehört ab nun auf meine Liste "Schönste Orte auf Erden". Wilde Pferde grasen, ein so friedlicher und absolut stiller Ort.
Schürzt einmal eure Lippen wie dieser Moai und ihr wisst wie es sich anfühlen muss Jahrhunderte die Stellung zu halten ;-)
Ein paar Fakten gibt es doch
Anakena Beach. Am Abend haben wir hier am einzigen Strand der Insel gebadet, da war die Sonne nicht mehr so stark. Heller Sand auf einer vulkanisch dunklen Insel mit roter Erde.
Der mit der Froschhose ist der W.
Einmal gehts noch :-)
Er hat seine Badehose auf dem Schiff vergessen und besitzt nun eine auf der Osterinsel gekaufte :-)
*****
In meinem Tagebuch habe ich vermerkt:
Es war nicht sicher, ob wir auf dieser Seite der Insel ankern würden können, weil die Tenderboote zwischen schroffen Tuffklippen hindurch navigieren müssen und die Brandung enorm ist. Beides, im Hafen anzulegen und auch die Leute wieder sicher an Bord zu bringen ist für die Kapitäne der Tenderboote keine leichte Aufgabe. Es dauert, bis wir an Land sind. Ein Aufschrei von erschrockenen "Mama mia´s" geht durch das Tenderboot, wenn wieder eine Riesenwelle gegen das Ufer brandet und die Insel für einen Moment aus dem Blickfeld verschwindet.
Blick aus dem Tenderboot während der Überfahrt
Wir hatten uns schon vorab ein Zimmer in einem B&B für die kommende Nacht gemietet, um die kurze Zeit auf der Insel voll ausnützen zu können. Hier ein Blick in den Garten, das Mittagslicht ist so grell und es ist sehr sehr heiß! Ein Auto für 24 Stunden ist gecheckt, nun wollen wir uns ein wenig umsehen...
Teile der Insel sind nur mit einem Nationalparkticket zu betreten, welches wir gleich im Hafen kaufen können. Neben den Orten, wo Gruppen von imposanten Steinfiguren stehen, beeindruckt uns aber auch die Insel selbst. Immer wieder erscheinen Krater in der Landschaft, wilde Pferde stehen auf der Straße herum oder der Blick auf die Klippen wird frei. Gegen Abend spielt auch der Himmel mit :-)
Nach einem Abendessen in Hanga Roa fahren wir nochmal aus der Stadt, um den Sternenhimmel betrachten zu können. Auf den holprigen Straßen kommt man nur langsam vorwärts. Lang nach Mitternacht sinken wir erschöpft von der Hitze, den vielen Eindrücken und dem baden im Meer ins Bett, um dann kurz vor 5 Uhr morgens wieder aufzustehen. Aber davon morgen mehr....
In
dieser Serie könnt ihr unsere Weltreise mit einem Kreuzfahrtschiff um
die Südhalbkugel Tag für Tag nachverfolgen. Im ersten Teil jeweils die
überarbeitete Fassung einer WhatsApp Gruppe, im zweiten Teil Ergänzungen
und weitere Fotos. Ich freute mich immer über Feedback aus der Gruppe,
es ergaben sich Impulse und weitere Informationen durch den Austausch,
weswegen auch manches davon hier (anonym) mit aufgenommen wurde. Alle Fotos im ersten Teil sind daher Handyfotos.
Diese Serie ist nicht dazu angetan Reiseführer zu ersetzen. Viel eher
persönliche Schlaglichter auf Orte, Menschen, Pflanzen und Tiere, die
uns für sich eingenommen haben zu zeigen und ein klein wenig nachvollziehbar und lebendig
werden zu lassen, was wir auf dieser Reise erlebt haben.