Mittwoch, 30. März 2016

Ei ei

Ein bisschen Osterstimmung nachträglich auch hier bei *kleine freude*. Es sind ja auch noch nicht alle gefärbten Eier verspeist und ein Rest vom Striezl auch noch da. So wie die Narzissen in beheizten Räumen nicht lange auf sich warten lassen, verändert sich auch draußen in kurzer Zeit viel. Herrlich, dieses leuchtende Gelb und Rot. Manche Zeitfenster schließen sich so schnell, kaum hat der Frühling begonnen gibt es auch schon wieder einiges, das schon verblüht ist. Im Garten tut sich mächtig viel und ich muss sagen, es macht riesig Freude da zu werkeln, obwohl Pollen die Augen reizen. Bald werden die Tulpen im Garten auch schon aufgeblüht sein und ich muss keine mehr kaufen. Ich mag diese kräftigen Farben jetzt sehr. Ei ei.






     

Samstag, 26. März 2016

Friede, Freude, Eierkuchen

"Irgend etwas ist ganz und gar nicht in Ordnung, ich lache so selten in letzter Zeit..." kommt als Antwort auf meine Frage, wie es ihm ginge. Im Laufe unseres therapeutischen Gespräches werden mögliche Ursachen angesprochen. Wir erarbeiten Strategien für eine Rückkehr zu mehr Lebensfreude. An erster Stelle besprechen wir die Bereitschaft etwas verändern zu wollen und in Folge die not-wendenden Schritte dahin. Was so schlüssig und einfach klingt steht manchmal als uneinnehmbare Festung auf dem Weg. Kann man sich vorstellen eine Angst loszulassen, ins Vertrauen zu gehen, ein Recht auf Freude zu haben, wenn es rundherum Leid und Not gibt oder tief drinnen etwas aufgegeben hat?



Während ich diesen Beitrag zusammenstelle, erreicht mich die Nachricht vom Tod meiner ältesten Freundin. Wir hatten zwölf Schuljahre gemeinsam durchgestanden, viele dieser Jahre saßen wir nebeneinander in einer Bank und all die vielen Jahre seither ist unsere Verbindung nie abgerissen. Mit schwerem Herzen ging ich durch die vergangenen Tage.



Dazu kommen jeden einzelnen Tag schlechte Nachrichten über die Medien zu uns und ich merke, wie die Stimmung sinkt, wie Viele inne halten und nachdenken. Über das Leben, über Prioritäten, über das "wie-wird-es-wohl-weitergehen".
Die Zeitqualität tut ihr übriges. Ostern hat eine Verbindung zu den Tiefen der Kultur in die wir eingebunden sind. Nicht nur zu der des Christentums, da schwingt viel älteres auch mit. Alles nah beieinander. Sterben und geboren werden. Transformation als Lebensprinzip. Dagegen kann man sich nicht versichern...


               alle Fotos bearbeitet, aufgenommen im Schlosspark Laxenburg

Und dann ist da Frühling, Lebenskraft, Lebensfreude, überwältigend schön. Und ich denke mir:
 
Du hast alles was du brauchst und noch viel mehr. 
Du wirst nie den Glauben an das Gute und die Liebe verlieren, soweit kennst du dich mittlerweile selbst. 
Und du wirst herbeigeredeten Gefahren nicht angstvoll nachgeben, warum denn auch, es macht einfach keinen Sinn. 
Du wirst pflanzen, in der Erde wühlen und ernten, 
Du wirst dich jeden Tag daran erinnern, dass es in deinem Leben so viel gibt, wofür du dankbar bist. Neben den Dingen, die dich verlassen können und werden.
Und du bist dankbar für all das, was du von Menschen bekommen hast, es ist in deinem Herzen gespeichert, niemand könnte das wegnehmen. 

Du weißt aus Erfahrung, dass echte Dankbarkeit zu tief empfundener Freude führt. Von der kleinen Freude zur stillen, das Herz auskleidenden.
Du vertraust auf die ordnende Kraft, die allem Sein zugrunde liegt. Das ist manchmal schwer, aber du weißt, dass es auch immer wieder gelingt.

Du weißt, dass manche diese Freude kleinreden, du weißt, dass dich das nicht kümmern muss. Es ist deine Freude. Mit und ohne Eierkuchen. Zu Ostern aber mit, es duftet schon aus der Küche. 
Du liebst und du wirst geliebt. Heute Jetzt Dein Leben. 


Diesen Beitrag widme ich meiner Freundin Elisabeth, in tiefer Dankbarkeit für alles was wir geteilt haben.


       


Dienstag, 15. März 2016

Eintausend / 3

Kilometer in den Südwesten.

Genua kennen wir vom Wetterbericht. Wenn große Mengen an Niederschlag von Südwesten her ins Land strömen, brauen sie sich im gleichnamigen Golf zusammen bevor sie die gespeicherte Feuchtigkeit über unsere südlichen Landesteile ergießen. Italien hat so viele wunderschöne Regionen und Städte zu bieten, dass man eher nicht auf die Idee kommt gerade diese, an die Hänge des Appenin angelehnte Stadt am nördlichsten Ende des Ligurischen Meeres zu besuchen. Vor dreißig Jahren hatte diese für Italien wichtige Hafenstadt auch kaum etwas außer Verkehr, Dreck und heruntergekommene Viertel zu bieten. Das hat sich gründlich geändert, ein schönes Beispiel für Visionen in der Stadterneuerung und die Wirkung von klugen Stadtentwicklungskonzepten und deren Umsetzung.


                        Blick von einer der schmalen Gassen der Hafenaltstadt Richtung Hafen

Warum fährt man im Winter von Wien dahin? Eigentlich nur, um dort ein Schiff zu besteigen und dann plötzlich überrascht festzustellen, dass diese Stadt zwar keinen lieblichen, aber durchaus einen ganz eigenen Charme und einiges zu bieten hat, was wir zuhause nicht haben und auch manches, das ich hierzulande vermisse. 
Um ehrlich zu sein, allzuviel Zeit hatten wir nicht und doch bekam ich nachhaltige Eindrücke von dieser quirligen Großstadt, ganz besonders vom Hafenviertel. Alte Paläste erinnern an vergangenen Glanz und Reichtum, dem gegenüber steht eine gelungene Erneuerung und Revitalisierung des Stadthafens mit Attraktionen wie einem modernen Meerwasserzoo (seit 1992) und einem Schifffahrtsmuseum (seit 2004).



Im alten Hafenviertel tut sich mächtig was. Es gibt fast nichts, was man hier nicht erwerben könnte. In einem kleinen Umkreis von verwinkelten Gassen findet die bunte Vielfalt an Kunden alles, was man so zum Leben braucht in teilweise winzigen Geschäftslokalen. Man kann einwenden, dass hier nicht viele reich werden können, aber leben und wirtschaften können hier viele und ein bisschen was geht ja schließlich immer.






Unter den Arkaden gegenüber vom Hafen verbergen sich allerlei winzige Fachgeschäfte, kleine Fastfoodbuden und Cafés, hier sitzt man schon im Februar draußen, wenn es das Wetter erlaubt.





Fisch, frisch oder fertig zum genießen in der Mittagspause. Raum ist in der kleinsten Hütte (oder davor).





Mit der Stadterneuerung zu Ende des letzten Jahrhunderts kam man hier zu atemberaubenden Lösungen für den Verkehr. Im ersten Moment bleibt einem der Mund offen stehen. Zu sehen, wie auf engen Raum eine Hochstraße zwischen dem neuen Hafen und einem alten Stadtteil diese Bereiche in der Höhe durchschneidet ist gewöhnungsbedürftig (an den Lärm werden sich die Bewohner wahrscheinlich nie gewöhnen können), die Vorteile dieser Lösung liegen allerdings auch auf der Hand.




In den nächsten Bildern gehen wir zu eine andere Perspektive. Kreuzfahrtschiffe sind von ihrer "Einwohnerzahl" wie kleine Ortschaften und von ihrer Größe wie mehrere Hochhäuser nebeneinander. Vom "14. Stock" her gesehen verliert die auf ebener Erde bedrohlich wirkende Stelzenstraße ihren Schrecken und zeigt ihre Vorzüge, der Verkehr fließt hier ungehindert. Der Hafen selbst besteht aus unzähligen einzelnen Hafenbecken und Bereichen, verschiedene Terminals für große Fähren und Schiffe. Yachthäfen, Werften, Frachthäfen, Lagerhallen und Büros wechseln sich ab, ein eigenes faszinierendes Universum.


Die Stadt legt sich über mehrere Hügel, auf den ersten Blick sieht man nur große Gebäude. Kaum kleine Häuser, Kirchen muss man suchen, sie verschwinden fast im Häusermeer. Man hat fast den Eindruck, dass alle, die hier wohnen morgens beim ersten Blick aus dem Fenster aufs Meer schauen wollen. Auf dem Bild oben sieht man die Zufahrten zu den Kreuzfahrtterminals, auf der oberen Etage ist neben Zu- und Abfahrten ein breiter Boulevard zum flanieren entlang des Hafens entstanden. Im Bild unten blicken wir über die Hochstraße hinweg zu einem Palazzo mit barocken Brunnen und Gartenanlage, die ehemals wohl imposante Aussicht von den Fenstern aus auf den Hafen und aufs Meer ist verstellt, das tut schon weh.




Zwischen diesen beiden Bildern mit derselben Blickrichtung liegen 10 Tage und ein zweites großes Schiff, das sich gerade auf seine Parkposition schiebt. Wie immer man zu dieser Art von Reisen steht, Fakt ist, dass so manche Stadt die seit den letzten ungefähr zehn Jahren von Kreuzfahrtschiffen angefahren wird einen sichtbaren Aufschwung erlebte. Hier in Genua spielte der Tourismus vor ein paar Jahrzehnten keine Rolle. Nun hat man hat den Eindruck, die Stadt hätte ihre Chance genützt. 



In Genua leben mehr als eine halbe Million Menschen, die Stadt lebt von und mit seinem Hafen, er gibt ihr ihre Identität und ihr Selbstbewusstsein. Der Springbrunnen vor dem schönen Gebäude der Stazione Marittima zeugt davon. 



So ganz nebenbei hat sich diese Stadt in mein Herz geschlichen. Sie strahlt etwas Unverwechselbares aus, Vielfalt auf engem Raum und Ausdehnung in Richtung Meer geben eine spannende Mischung, die Lust auf ein näheres Kennenlernen macht. Ob ich wiederkommen und mehr Zeit haben werde? Ich weiß es nicht. Es sind doch etwa an die 1000 Straßenkilometer von Wien entfernt und damit ein weiteres Ziel auf dem gedachten Kreis mit dieser Entfernung von Wien. 
Da fällt mir eben ein, es gab schon lange keinen Beitrag mehr von meiner Hauptstadt. Sträflich vernachlässigt! Wenn aber die Welt rundherum doch auch so interessant ist!

Hier sind alle bisherigen Folgen der Serie Eintausend nachzulesen. 

Genua in der Provinz Ligurien, Italien
Deruta in der Provinz Umbrien, Italien
Mecklenburgische Seenplatte in Mecklenburg Vorpommern, Deutschland








Montag, 7. März 2016

Plädoyer für das Weibliche / 9

Zum Frauentag ein paar Worte sagen wollen, Gefühle ausdrücken wollen, intensiv wahrnehmen und das aushalten wollen. Schwer - eine Fülle an Gedanken erschlägt mich beinahe. Ich suche Fotos von meiner letzten Reise heraus und da springt er mir gleich ins Auge. Ein riesengroßer Schmetterling, in einem Augenblick vom Wind gemacht. Im nächsten Moment vergessen, verloren, in sich zusammengefallen. 
An keinem Tag des Jahres fällt es mir so schwer meine Gedanken zu ordnen, eine Auswahl zu treffen, die Hoffnungen und Wünsche zu formulieren oder es sein zu lassen. Ist nicht alles was wir sagen im nächsten Schritt eine Selbstverständlichkeit, ein tausendfach geäußertes Anliegen, eingeengt in ein kurzes knappes Wort?! Ist die Gefahr nicht groß wie sonst nie, missverstanden oder fehlinterpretiert zu werden?!



Würden Gefühle der Ohnmacht und Resignation all der Frauen, die Gewalterfahrungen hinter sich haben einen sichtbaren Ausdruck auf der Erde finden, würde hier niemand mehr leben wollen. Veröffentlichte Zahlen kann ich meist kaum glauben. In was für einer Welt leben wir, es ist zu schrecklich, wegschauen und ausblenden liegt nahe, sich damit zu konfrontieren ist dann wiederum kaum auszuhalten
....


Was können wir tun? Können wir überhaupt etwas tun, verändern? Wenigstens ein bisschen etwas, auch wenn es nur ein schnell verdampfender Tropfen auf dem berühmten heißen Stein ist? Dieses viel strapazierte Bild mag allerdings eine zu bequeme Ausrede sein. Spüren wir, dass jede von uns gefragt ist wenn, ja genau wenn wir doch noch an die Chance glauben, dass es eine Veränderung hin zum Positiven geben kann? Ich zähle mich zu dieser Gruppe, was also kann ich selbst tun? 
Ich glaube an die Puzzlepolitik. Jede/r hat seine/ihre eigenen Talente und Fähigkeiten, die ihn und sie von allen anderen unterscheidet und genau da setze ich an. Keine/r kann die Welt alleine retten, aber mit Veränderungen in jedem einzelnen Leben könnten große Veränderungen auf den Weg gebracht werden. 



Als Mädchen war ich brav und angepasst, das ging noch eine lange Weile so. Wenn ich anderer Meinung als mein Gegenüber war sagte ich nichts, lächelte, immer freundlich und nett, naja jedenfalls so in der Art. Als ich begann mehr und mehr mit dem Umweg über mein Herz zu denken, begann die innere Not. Es war schwer ehrlich zu sein und zu dem zu stehen was ich als richtig empfand. Ich eckte an und gab Menschen die mich schon lange kannten manche Rätsel mit meinem Verhalten auf. In manche Angst, etwa nicht mehr geliebt zu werden, fiel ich kopfüber hinein und musste mich irgendwie durchkämpfen, bis ich merkte, dass nichts Schlimmes passierte. Menschen die mich wirklich liebten, waren bereit sich einzulassen. Ich bin dankbar für jede/n einzelne/n.



Warum ich das erzähle? Ich denke es ist wichtig als Frau Grenzen zu setzen. Ganz konkret in meinem Alltag, bei dem, wie mir Menschen begegnen, nicht nur Männer, auch Frauen. Wenn ich finde, dass Menschen respektvoll miteinander umgehen sollten, kann ich nicht zulassen, dass mich jemand schlecht behandelt, oder?! Genauso sollte ich für andere einstehen, wenn ich sehe, dass jemand schlecht behandelt oder über jemanden schlecht und respektlos geredet wird. Es gibt so viele Gelegenheiten dazu. Auch bei mir selbst. Wie schnell spricht man gedankenlos etwas Abwertendes über jemanden aus, der sich gerade nicht wehren kann.



Es ist wenig und dann manchmal auch wieder viel, es ist im echten Leben verankert. Ich mag einmal als eine Frau enden, die unter- und oberhalb des hübschen Kleides präsent und echt war! Auch am Schmetterling muss ich noch üben. Daran zu glauben und es zu leben, dass ein Flügelschlag in eine neue Zukunft führen kann, dass eine echte Metamorphose möglich ist, wenn die Zeit dafür reif ist, fällt mir manchmal schwer. Und doch müssen wir immer wieder darauf zurückkommen, wir haben keine andere Wahl.


Frauen bringen so viel Schönheit und Fülle in die Welt. Sie gering zu schätzen, auszubeuten, abzuwerten, ihnen Gewalt anzutun macht die Welt arm, hässlich und wenig lebenswert. Tun wir alles was wir nur können dafür, dass sie, wir unsere Kraft und Macht und Schönheit lieben und ausdrücken können!

Hier ein Link zu einem interessanten Bericht über mutige Frauen und deren Initiativen 


 

Montag, 29. Februar 2016

Rot, Pink, Orange und viel Grün

Selbst wenn man nie auf die Idee kommen sollte einen Botanischen Garten zu besuchen, würde man es in Funchal nicht bereuen. Sollte es der einzige sein, den man je betrat, dieser lohnte sich auf jeden Fall! Eines der Wahrzeichen Madeiras: Die Paradiesvogelblume (Strelitzia reginae) ist im Februar schon aufgeblüht. Ich mag sie hierzulande in der Vase gar nicht, sie wirkt mir zu steif oder fast unecht. So zwischen den hohen fleischigen Blättern thronend wirkt sie wunderbar frisch und erinnert tatsächlich an einen Vogelkopf.



Eindrucksvoll die Lage: Funchal breitet sich über mehrere Hügel, die vom Meer relativ steil rund um eine Bucht ansteigen, aus. Der Botanische Garten scheint fast oben drüber zu schweben, von vielen Stellen ergibt sich ein weiter Blick über das Meer, den Hafen, die ganze Stadt.



Über mehrere Terrassen und Hänge lassen sich die sehr verschieden anmutenden Bereiche im Jardim Botanico erkunden. Ein Arboretum, ein Palmengarten, ein eindrucksvoller Kakteengarten, ein Bereich mit Nutzpflanzen, Bäumen, Stauden und Kräutern und einiges mehr erschließt sich nach und nach beim durchgehen. Hunderte tropische und subtropische Pflanzen. Man ist so eingetaucht in die Üppigkeit, dass es jedesmal aufs Neue erstaunt, welche andersartigen Bereiche sich plötzlich auftun.
Auf dem Bild unten eine Kamelie in Vollblüte, im Übergang vom Arboretum in den nächsten Gartenteil. 



Wie gefällt euch das? Die Freude des Gärtners für diese Arbeit springt über, die Symbolik lässt nichts offen.


Gleich daneben eine Pergola mit Bougainvilleen, die es an anderen Stellen in vielen Farbvarianten zu sehen gibt. Die Untersicht ist ja nicht schön, aber mit dem riesigen Kugeln von Geweihfarn dann doch eine Augenweide.





Auf dem nächsten Bild entsteht ein ganz guter Eindruck von der Üppigkeit, aber auch der Ordnung. Sicher eine herausfordernde Aufgabe. Sogar die zwei riesigen Blütenstände der Agaven wirken wie hineingeplant. Allein hier könnte man schon einige Zeit verbringen, um alles was da so nebeneinander wächst zu erkunden.


Hier ein Bild aus dem Kakteengarten, wo man sich vorsichtig zwischen 2 bis fast 4 m hohen Riesen hindurchtastet. Für sich schon ein Erlebnis!


Der Bereich mit den Palmen wirkt jung, ein Hain mit verschieden hohen Exemplaren. Macht Lust, die Arten zu vergleichen.


Dieser Teil des Gartens findet sich auf den meisten Abbildungen und Werbebroschüren, ist aber wenig repräsentativ für den Garten als Ganzes. Mir gefiel dort die Aussicht besser als das Krautige am Boden, die Farbe der roten Blätter schlägt sich mit dem Pink der Bougainvilleen an der hohen Steinmauer dahinter. Die Muster variieren jährlich, sind aber immer geometrisch und ja, es ist eine "Marke" mit hohem Wiedererkennungswert.


Die rosa Dombeyas waren schon verblüht, aber wir hatten Glück, die roten standen noch in Vollblüte. Der Ziersalbei zu seinen Füßen kratzt farblich haarscharf vorbei. Bei Tönen würds in den Ohren wehtun. Aber so kleinlich soll man nicht sein, oder? Das Rot zu sehen tat gut, sehr gut sogar!



Ein wunderschönes Detail zu den Füßen: Viele der Wege sind akkurat mit, mal kleineren oder größeren Flusskieseln in Mustern ausgelegt.


Immer wieder steht man fasziniert da. Das sind doch (bei uns) Zimmerpflanzen! Hier begrünen sie die unterste Etage, soll ja auch dort nicht kahl aussehen. 


Für die Rhododendren müsste man ja nicht extra nach Madeira. Schön sind sie allemal und tragen genauso wie viele andere Blüten zu Farbenfreude in den Wintermonaten bei. Tja, Winter ist das ja hier zwar auch noch, aber Madeira wirbt mit Recht mit seinem "ewigem Frühling", jedenfalls auf der Südseite der Insel ist das augenscheinlich.



Ein paar Eindrücke nur, gerade soviel, dass wir Gartenliebhaberinnen Speichelfluss bekommen, oder? Langsam geht es auch bei uns los, mit den Farben, den Düften und dem sprießen der Triebe. Es geht mit Riesenschritten dem Frühling entgegen. Einfach wundervoll!

Mittwoch, 24. Februar 2016

Dann doch Limoncello!

Meine Kamera hat ihren Geist aufgegeben, die Reparatur lohnt nicht, einfach zu viele Bilder haben sie während fast fünf Jahren Dauergebrauch verlassen, das wars. Aber sie war gnädig mit mir und hat noch die Kreuzfahrt volle Länge durchgestanden. Seit Sonntag Abend bin ich also wieder da und schön langsam auch mit allen Fasern, das merke ich beim arbeiten. Es macht wieder Freude in meine Praxis zu gehen, Sonne getankt auf Vorrat. Winter ade, inzwischen auch hier.



Von einem meiner Lieblingsziele gleich mal ein paar Fotos zum träumen und Seele baumeln. Madeira, auch im Winter grün und voller Blüten. Könnte mensch sich über die Augen ernähren, hier müsste niemand hungern. Dem Gemüt genügen ein paar Stunden und schon ist der winterliche Hunger nach Licht und Farben gedämpft! Die Wirkung hält, besonders auch, weil der Frühling in unseren Breiten dieses Jahr schon mächtig vorwärts drängt...



Faszinierend auch die Erfahrung in einem schwimmenden Kasten mit annähernd der gleichen Bewohnerzahl wie das Dorf in dem ich lebe. Hier kann man studieren, wie das Gesetz der Resonanz wirkt. Raucher sind mit Rauchern zusammen. Im Casino sitzen jeden Abend die gleichen Amerikaner (kein Vorurteil, es war so) auf den gleichen Plätzen beim Black Jack. Wer Pasta und Pommes mag versammelt sich im großen Speisesaal und die Feinspitze dinieren in den Abendrestaurants, auch zu Mittag. Franzosen findet man selten unter den Pizzavernichtern. Und so unglaublich das klingen mag, wer alleine sein möchte findet genügend schöne ruhige Plätze, auch in den öffentlichen Bereichen. Besonders interessant die Tischgesellschaft. Menschen, die man anders nie kennengelernt hätte, weil sie in anderen Kreisen verkehren. Für etwas mehr als eine Stunde am Tag erfährt man Geschichten, staunt, hat Spaß oder wird nachdenklich und geht wieder auseinander. Oder trifft sich in einer Bar, weil man noch ein wenig zusammensein mag. Ein Wirt, ein Koch, ein Pflasterer, eine Krankenschwester, ein Disponent, eine Geschäftsfrau, ein Geschäftsmann. Und plötzlich ist da echtes Leben, nicht nur oberflächliches Geplänkel am Tisch.


     Blüten gehören zum Mexikanischen Korallenbaum (Erythrina americana), darüber eine Palme

Mein Tischnachbar beobachtete wie ein Sarg aus dem Schiff gebracht und in einem Leichenwagen verstaut wurde. Bei jeder Kreuzfahrt würde jemand sterben, sagt er. Seine Gedanken gehen in die Tiefe, er denkt an die Jahre, die vor ihm liegen. Hier in diesen paar Tagen, in denen er zum Luft schöpfen kommt, weil plötzlich Zeit zum nachdenken ist. Der Urlaub dieses Jahres bald vorbei und dann wieder durch den Alltag hecheln, mit einigen Angestellten kann man nicht mal eben so weg. Kein schlechtes Ende, fand er, die Kreuzfahrt als letzte Reise. Wieder zuhause schrieb er, dass er nun landkrank sei. Kann ich definitiv nachvollziehen...



In Genua konnten wir die Arbeiten bei der Verschrottung der Costa Concordia beobachten, die spektakulärste Havarie nach der Titanic. Eines Abends kommt das Tischgespräch auf die Umstände des Unglücks. Er würde seine eigene Haut zu retten versuchen, mit allen Mitteln, er hätte sich auch schon überlegt wie er das anstellen würde. Frauen und Kinder wären ihm egal und er könne den Kapitän des Unglücksschiffes gut verstehen meint unser Pflasterer, ein starker Kerl. Schweigen am Tisch, was soll man dazu noch sagen. Seine Frau, die Krankenschwester, sitzt daneben und macht ein Gesicht, als hätte sie schon vor geraumer Zeit innerlich gekündigt. Schick ihn in die Wüste denke ich, ihr Blick hängt irgendwo in der Ferne.



Was die einen mögen stört die anderen und umgekehrt. Es ist wie eine Dorfgemeinschaft durch eine große Linse hindurch betrachtet. Die Italiener und Spanier verbreiten Stimmung. Mamma mia! und Madonna! Geschrei, alles wird kommentiert und die Kinder liebevoll zurückgepfiffen. Oma und Opa oder Onkel und Tanten immer im Schlepptau. Japaner sind besonders eifrig beim quizzen und natürlich auch die Deutschen. Kommt man zur Jausenzeit ins Buffetrestaurant hört man die verschiedenen österreichischen Dialekte bei Kuchen und Kaffee. In der Tanzbar versammeln sich bei bestimmten Liedern wie auf Kommando Italienerinnen jeden Alters zum Linedance, zu fortgeschrittener Stunde, versteht sich. Die können das alle. Es macht Spaß ihnen zuzusehen. Und die Taxitänzer sind begehrt...


 Die großen orangeroten Blüten gehören zum Afrikanischen Tulpenbaum (Spathodea campanulata)

Es klingt ein wenig nach Stereotypen, aber es ist schon was dran. Ich mag es diese Unterschiede an Temperamenten und Gewohnheiten zu beobachten. Inspirierend und schön zu sehen, wie unterschiedlich Menschen und Gruppen sich auszudrücken vermögen. Und doch sind wir nicht so verschieden voneinander, wie es den Anschein haben mag. Wir alle haben unsere Träume und Wünsche, gehen unserer Arbeit nach und suchen die Entspannung. Brauchen Gesellschaft und vertraute Menschen um uns. Wollen angenommen und geliebt werden. Wollen Sinn finden, uns selbst in der Welt erfahren, in ihr einen Platz haben.


     schön verlegtes Marmor- oder Basaltpflaster. Ausbersserungsarbeiten sind reine Handarbeit

Möglichkeiten sich abzulenken gibt es genug. Animateure tun ihr Bestes. Andere zu beobachten scheint eines der Hauptbeschäftigungen von vielen zu sein. Macht zweifellos Spaß, auch mir. Dann aber wieder auf dem Balkon, in ein Buch kippen, ab und zu aufschauen, das Meer sehen und die Zeit vergessen. Durch Raum und Zeit gondeln. Für eine Woche nach Madeira wäre auch eine Option gewesen. So auf dem Meer unterwegs zu sein, immer wieder anzukommen und bald wieder aufzubrechen hat aber was Magisches. Reisen als Selbstzweck. In aller Stille oder im größten Trubel die Erkenntnis, dass zuhause immer dort ist wo ich bin. Es ist in mir. So nehme ich es auch bei anderen wahr, jeder macht seine ganz eigene Reise und ist doch an demselben Ort. 
Man trifft sich des Abends und hört staunend die Geschichten. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Ein kleines Universum, unser Schiff, in dem die Sterne kreisen...



Den kritischen und aufmerksamen Reisenden brennen Fragen auf der Zunge. Man beobachtet und spricht mit den Menschen, denen wir unsere schöne Zeit hier verdanken. Wir sprechen mit Kellnern und Zimmermädchen und Putzpersonal. Wir sprechen auch immer wieder mit Reisenden, die anspruchsvoll und überkritisch klagen, vermeintlich nicht das bekommen zu haben, was sie verdient hätten. Es ist wie sonst überall auch, nur hier wie unter einem Vergrößerungsglas. Wir stoßen an die Kernfragen des Lebens. Warum gibt es so große Unterschiede in den Aufgaben und Lebensweisen auf unserer Erde?! Die Antworten werden nicht auf dem Silbertablett serviert, wir müssen sie suchen, sie sind nicht schwarz/weiß und nicht einfach oder gar nicht zu finden. 
Ein Kellner erzählt uns wie schön Bali, seine Heimat sei, wir sollten mal dahin. Auf die Frage, warum er dann hier im Mittelmeer herumschippert, lacht er: Money! Wir geben gerne Trinkgeld, wir sehen ja, wie hart diese jungen Menschen aus fernen Ländern arbeiten, um sich ein besseres Leben oder eine Karriere aufzubauen. Manche haben Heimweh, man sieht es deutlich, andere wieder lachen unbekümmert. "Mein Knie tat mir weh, heute geht es schon wieder", er lacht und freut sich, dass wir seine Abwesenheit bemerkt haben.


                                               alle Fotos: Funchal/Madeira

Wir laufen aus, nach dem Abendessen spielt in einer der Bars ein italienisches Duo alle meine Lieblingslieder, ohne dass ich etwas dafür tun muss. Ich freue mich, die so sympathische Sängerin freut sich, dass wir uns freuen. Freude: DER Kitt zwischen Menschen. Ich sehe sie noch vor mir, ihr hübsches Gesicht mit den ungezähmten roten Locken. Kein Foto von ihr und doch ist sie mir geblieben. 
Mein Tischnachbar lotst mich zum Roulettetisch, ich hätte ihm Glück gebracht und soll noch mal mit. Leider bin ich keine Spielernatur, aber dem Limoncello kann ich nicht widerstehen. Das Kilo mehr auf der Waage (und meinen Rippen) geht sicher auf Kosten dieser zitronigen Leckerei. 

     

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