Jetzt im November ist es hier in Tuscon, Arizona angenehm warm. Aus dem schon kalten Mitteleuropa kommend empfinden wir es als reine Wohltat, ein paar Tage hier erleben zu können. Nach ein paar Gesprächen mit Einheimischen, auch ausgewanderte ÖsterreicherInnen treffen wir, kehrt sich die Sicht ein wenig um. Die meisten Monate des Jahres herrscht hier unerträgliche Hitze um und jenseits der 40°C. Beeindruckend zu erleben, wie vielfältig das Leben in einer wüstenähnlichen Umgebung gestaltet werden kann.
Besondere Leitpflanze dieser Gegend und auch anderer Gebiete innerhalb der Sonora-Wüste ist der Saguaro Kaktus, den viele von euch sicher von Bildern kennen. Eine 80-jährige Deutsche, mit der wir ins Gespräch kamen, sprach von ihnen als Wesen mit einer Persönlichkeit, zu denen sie immer noch Jahr für Jahr zu einem Besuch aus Deutschland wiederkehrt.
Diese mächtigen Pflanzen sind durchaus mit Bäumen vergleichbar. Das Exemplar oben muss mehr als 200 Jahre alt sein, die ersten Seitenarme kommen in sehr trockenen Gebieten erst nach etwa 100 Jahren zum Vorschein, ältere Exemplare sind 10 oder mehr Meter hoch. Zu Beginn wachsen diese Kakteen extrem langsam, die Alten haben all ihre Stacheln im unteren Bereich eingebüßt. Manchmal bauen sich Vögel, eine Spechtart, Nisthöhlen in den mächtigen "Stamm". Allerdings geht die Mär, dass in den Bergen schon mal Einschüsse für Löcher verantwortlich sind. Straßentafeln wiesen dort tatsächlich kaum welche auf, andernorts müssen Schilder schon mal für Schießübungen herhalten.
Aller Anfang ist schwer, hier im Saguaro Nationalpark sind kaum kleine Kandelaberkakteen zu sehen, allzu leicht latscht mensch darauf. 20 bis 30 Jahre hat dieser Winzling schon auf dem Buckel.
Auch ein Seitenarm fängt klein an, nona!
Nur zum Größenvergleich! Neben einem solchen erst mittelalten Saguaro mutiert Mann zum jungen Hupfer.
Ihr ahnt vielleicht schon, was zu guter Letzt kommt? Genau: *Ein Saguaro ist auch nur ein Mensch* und in diesem Fall waren schon viele Pflanzenflüsterer vor mir da! Besser kann es nicht ausgedrückt werden, als es auf diesem T-Shirt zu lesen ist:
Rückgrat zeigen, visionär sein und bleiben, ressourcenschonend leben, langfristig denken, zur rechten Zeit erblühen und den Biss behalten: Jede Botschaft für ein Lebensmotto gut.
Oh, stimmt, eins hab ich ausgelassen, eben: Das mit der Geduld ist nicht so meine Sache, fragt meinen Mann. Wenn *be patient trough the dry spells* allerdings mit *Durchhaltevermögen beweisen* übersetzt wird, bin ich vielleicht doch dabei?!
What about you?